«Geht wieder respektvoller miteinander um»

Die Pressekonferenz der Bayern-Bosse löste ein ungeheures Echo aus. Nun meldet sich der frühere Sportvorstand Matthias Sammer zu Wort.

Der ehemalige Bayern-Sportchef Matthias Sammer findet, dass der Journalismus in der kritischen Bewertung gegenüber den Bayern vieles richtig gemacht habe.

Der ehemalige Bayern-Sportchef Matthias Sammer findet, dass der Journalismus in der kritischen Bewertung gegenüber den Bayern vieles richtig gemacht habe. Bild: Keystone

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32 Minuten. So lange benötigten Uli Hoeness und Karl-Heinz Rummenigge am Freitag, um ihre Gemütslage detailliert zu beschreiben. Eines wurde aber ziemlich schnell klar: Die Gemüter des Bayern-Präsidenten und des Vorstandsvorsitzenden waren erhitzt. Da sass zwar auch noch Sportdirektor Hasan Salihamidzic auf dem Podium im Pressesaal, aber den Ton, den gaben Hoeness und Rummenigge an.

Sie fänden die Berichterstattung über den Rekordmeister «herabwürdigend» und «respektlos». Journalisten, deren Arbeit ihnen missfällt, nannten sie beim Namen und einmal zitierte Rummenigge gar aus dem Grundgesetz: «Die Würde des Menschen ist unantastbar.» Diese 32 Minuten waren ein wilder Ritt. So viel spektakulärer als die vier letzten Bayern-Spiele, die nie mit einem Sieg endeten.

«Die Reaktion ist im Prinzip ein Gegenschlag»

In München verstanden sie diesen Freitag als Tag der Positionierung. Weil sich der Club in Krisenzeiten nicht alles gefallen lassen wolle. Doch mit diesem denkwürdigen Pressetermin provozierten sie, dass nun noch mehr Menschen über die Bayern sprechen und deren Auftritt bewerten.

Die scharfe Abrechnung der Bayern. Video: Tamedia/Youtube/FC Bayern München

Fans, Journalisten, Experten – viele äusserten im Anschluss Kritik an der Aufführung der Bayern-Bosse. Einer, der in dieser hitzigen Debatte um Neutralität bemüht war, ist Matthias Sammer, der frühere Sportvorstand der Münchner.

Auf die Frage, ob Hoeness und Rummenigge mit ihrer Medienschelte zu weit gegangen seien, sagte er zu Eurosport: «Es geht einzig und allein um die Tatsache dessen, dass man empfunden hat, dass es irgendwo über der Linie des Erträglichen war. Das will ich aber gar nicht bewerten.» Die Reaktion der Bayern sehe er im Prinzip als Gegenschlag oder Konter.

«Wann ist der Kopf ab?»

Sammer, mittlerweile Berater bei Borussia Dortmund, erachtet es als falsch nun den Club oder die Medien als die Bösen hinzustellen. «Wir dürfen nicht vergessen, dass von beiden Seiten sowohl der Journalist an sich als auch die Vereinsführung von Menschlichkeit und manchmal auch von Temperament und Emotionen bei der Wortwahl geprägt sind. Über die Richtigkeit auf beiden Seiten lässt sich streiten. Gar keine Frage.»

Der 51-Jährige meinte auch, dass der Journalismus nun nicht beleidigt sein dürfe. Er habe in der kritischen Bewertung gegenüber den Bayern vieles richtig gemacht. Nur stört sich Sammer daran, dass es mittlerweile zu schnell um einzelne Personen, insbesondere Trainer, gehe.

«Es wird nur noch die Frage gestellt, wann ist der Kopf ab? Das ist eine Tendenz, die ich in aller Deutlichkeit kritisiere.» Sammers Kernbotschaft an die Bayern-Führung und die Medien: «Geht endlich wieder ein bisschen respektvoller miteinander um.» (cst)

Erstellt: 20.10.2018, 11:00 Uhr

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