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«Geld hat keine Herkunft»

Mit dem neuen Besitzer Bulat Tschagajew scheint der Fussballklub Neuchâtel Xamax gerettet. Doch die Geschäfte des milliardenschweren Oligarchen sind undurchsichtig.

Geld ist Geld: Bulat Tschagajew in einem Interview mit TSR. (Screenshot: TSR)
Geld ist Geld: Bulat Tschagajew in einem Interview mit TSR. (Screenshot: TSR)

Die Machtübernahme bei Neuchâtel Xamax ist perfekt: Der milliardenschwere tschetschenische Geschäftsmann Bulat Tschagajew ist definitiv Eigentümer des bald hundert Jahre alten Vereins aus Neuenburg.

Tschagajew gilt als mysteriöse Figur im russischen Fussball. Sein Geld soll er mit Rohstoffen und Immobilien machen. Der Besitzer von Terek Grosny verpflichtete für den ehemaligen Europacup-Gegner des FC Basel keinen geringeren als Ruud Gullit als Trainer. Doch die wirtschaftlichen Tätigkeiten des verschwiegenen Tschagajew sind undurchsichtig. Er besitzt alleine in Genf vier Firmen. In welchen Geschäftsfeldern diese ihr Geld verdienen, ist nicht zu erkennen. Kritiker behaupteten gestern in «10vor10», er beziehe sein Geld aus «dubiosen Quellen». Einige befürchten gar, dass der Oligarche den Schweizer Fussballklub als Geldwaschanlage missbrauchen könnte.

Enge Freundschaft zu Kadyrov

Der Westschweizer Fernsehkanal TSR konfrontierte Tschagajew mit diesen Vorwürfen und wollte mehr über dessen Geschäftstätigkeiten erfahren. Doch der Geschäftsmann gab sich erneut undurchsichtig. Er wisse nicht, was mit «schmutzigem Geld» gemeint sei: «Geld hat keinen Namen und keine Herkunft. Geld ist Geld», sagte Tschagajew. In Verruf geriet der Milliardär auch durch seine enge Freundschaft mit Ramzan Akhmadovich Kadyrov. Der umstrittene tschetschenische Präsident sei ihm «wie ein Bruder».

Rund 30 Leute protestierten gestern vor dem Stade de la Maladière gegen den Verkauf von Xamax. «Meiner Meinung nach ist es nötig, über Ethik im Fussball zu diskutieren», sagt ein Anhänger des Klubs gegenüber «10vor10». Auch Babtiste Hurni, Präsident der SP Neuenburg, hegt Zweifel an der Integrität des neuen Klub-Besitzers: Das Geld von Tschagajew stamme aus dubiosen Quellen. «Doch wir haben keine Beweise, und die Unschuldsvermutung ist ein hohes Gut in der Schweiz.»

Nur drei Nein-Stimmen

Tschagajew wird die Neuenburger nicht selbst präsidieren, sondern seinen Vertrauensmann Andrej Rudakow als Statthalter einsetzen. Rudakow war Profi bei Spartak Moskau und liess seine aktive Karriere bei Fribourg und Bulle ausklingen. Er besitzt den Schweizer Pass. Seine Stellvertreterin ist die junge, unbekannte Olga Danese.

Der bisherige Präsident und Mehrheitsaktionär Sylvio Bernasconi hatte bereits im vergangenen Sommer erklärt, dass er sein Amt Ende Saison niederlegen werde. Er stand Xamax seit Juni 2005 vor. Diskussionen an der rund 20-minütigen GV blieben denn auch aus, der Deal war nur noch Formsache. Von den rund 300'000 Aktienstimmrechten gab es bloss dreimal ein Nein zu Tschagajew, 1287 – weniger als ein halbes Prozent – enthielten sich der Stimme.

si/mrs

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