St. Gallen dreht Partie, Thun verliert klar

Die Ostschweizer profitieren von einer roten Karte. Servette überrollt derweil den FC Thun und festigt den vierten Platz.

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Der FC St. Gallen hatte als einziges Team in dieser Saison zuhause noch keinen Punkt geholt, und der Auftakt gegen Lugano verlief alles andere als gut, nichts deutete darauf hin, dass St. Gallen schliesslich 3:2 gewinnen würde. Cédric Itten liess in den Startminuten eine Penaltychance ungenutzt und scheiterte an Noam Baumann, wenige Minuten später wurde Luganos Filip Holender im Strafraum alleingelassen und konnte die Führung erzielen. Die Tessiner, die zuletzt zweimal verloren hatten, brachten den Vorsprung in die Pause. Alle Pläne von Fabio Celestini wurden aber unmittelbar nach der Pause Makulatur.

Custodio weckt die St. Galler

Dies wegen Oliver Custodio, dem Neuzugang aus Luzern, der den Ball wegschlagen wollte und dafür die Ampelkarte sah. Für den FCSG war dies das Signal zum Sturmlauf, dieser wurde mit drei Toren innert etwas mehr als 20 Minuten belohnt: Silvan Hefti, der schon in der ersten Halbzeit eingewechselte Boris Babic und Itten sorgten für die Wende und kollektive Erleichterung beim Anhang des Heimteams. Die Laune von Lugano-Präsident Angelo Renzetti dürfte derweil einen Tiefpunkt erreicht haben, trotz des 2:3-Anschlusstreffers von Holender in der Nachspielzeit.

Thun verschenkt die Punkte

In der 25. Minuten konnte Thun-Trainer Marc Schneider die ganze angestaute Wut rausschreien. Schiedsrichter Lukas Fähndrich unterbrach die Partie der Berner Oberländer gegen Servette für eine erste Trinkpause. Die Thuner trotteten also an die Seitenlinie, und Schneider legte los. Er fluchte, er fuchtelte mit den Armen, er nahm sich jeden einzelnen Spieler zur Brust. Die Leistung der Thuner in den Startminuten war schlicht inakzeptabel.

Nach 18 Minuten stand es in der Stockhorn Arena bereits 2:0 für die Gäste aus Genf. Zwei Mal gewährten die Thuner dem Aufsteiger alle Freiheiten. Dem 1:0 durch Miroslav Stevanovic ging ein verheerender Fehlpass von Thun-Keeper Faivre voraus. Stevanovic bekam den Ball im Mittelfeld, sprintete Richtung Tor ohne angegriffen zu werden und verwandelte mit einem satten Schuss aus 20 Metern. Vier Minuten später die gleiche Thuner Lethargie: Ein Freistoss der Genfer flog im hohen Bogen in den Strafraum, doch die sechs Defensivspieler des Heimteams liessen die zwei Angreifer von Servette völlig unbewacht. Steve Rouiller hatte keine Mühe aus kurzer Distanz einzunicken.

Nach der Wutrede von Trainer Schneider an der Seitenlinie konnten die Thuner reagieren. Sie zogen das Tempo an, erhöhten die Konzentration, standen näher bei ihren Gegenspielern. Und sie kamen zu Chancen, doch Rapp, Stillhart, Kablan und Munsy vergaben alle aus guten Positionen. Und weil in der 87. Minute Sébastien Wüthrich nach einem Hand-Elfmeter im Nachschuss traf und Alex Schalk kurv vor dem Abpfiff den letzten Treffer des Tages erzielte, hiess es am Schluss 4:0 für die Genfer. Es war der zweite Sieg nach sechs Runden für Servette, das in der Tabelle an Thun vorbeizieht.

Luzerns Torarmut hält an

Der FC Luzern findet nicht aus der Krise. Das Team von Thomas Häberli kann beim 1:2 in Sion zwar in der Nachspielzeit durch Ndiaye das erste Tor seit 361 Minuten erzielen, der Ertrag war aber einmal mehr zu gering. Insgesamt haben die Innerschweizer in 10 Wettbewerbsspielen erst 7 Tore erzielt, darin eingeschlossen sind die beiden Europa-League-Qualifikationspartien gegen die färingischen Fussballzwerge aus Klaksvik.

Entspannt geht es hingegen für einmal im Wallis in den September: Die Tore von Anto Grgic (39.) und Bastien Toma (82.) reichten für den dritten Sieg in Serie, das vierte positive Resultat in Serie nach der 1:4-Heimklatsche zum Saisonauftakt gegen den FC Basel. Immer mehr lässt sich die Handschrift von Neu-Trainer Stéphane Henchoz erkennen, nur noch zwei Gegentore hat das Team in den letzten vier Ligaspielen kassiert. Präsident Christian Constantin dürfte der Blick auf die Tabelle Freude bereiten, Sion belegt Platz 3, der Rückstand auf Leader YB und den ersten Verfolger Basel hält sich mit drei, respektive zwei Punkten in überschaubaren Grenzen.

St. Gallen - Lugano 3:2 (0:1)
10'578 Zuschauer. - SR Schärer.

Tore: 10. Holender (Carlinhos) 0:1. 54. Hefti (Guillemenot) 1:1. 64. Babic (Ruiz) 2:1. 73. Itten (Ruiz) 3:1. 94. Holender (Sabbatini) 3:2.

St. Gallen: Stojanovic; Hefti, Stergiou, Letard, Rüfli; Görtler (81. Alves), Quintilla; Fazliji (32. Babic); Guillemenot (79. Campos), Itten, Ruiz.

Lugano: Baumann; Kecskes, Sulmoni, Daprelà; Custodio; Lavanchy, Rodriguez (61. Gerndt), Sabbatini, Aratore (61. Lovric); Carlinhos (51. Vecsei), Holender.

Bemerkungen: St. Gallen ohne Muheim (gesperrt), Nuhu, Lüchinger (beide verletzt) und Wiss (rekonvaleszent). Lugano ohne Bottani (verletzt). 6. Baumann hält Foulpenalty von Itten. 46. Gelb-Rote Karte gegen Custodio (Unsportlichkeit). Verwarnungen: 6. Custodio (Foul). 59. Quintilla (Foul). 86. Ruiz (Foul). 87. Vecsei (Foul). 97. Alves (Zeitverzögerung).

Thun - Servette 0:4 (0:2)
6685 Zuschauer. - SR Fähndrich.

Tore: 14. Stevanovic 0:1. 18. Rouiller (Wüthrich) 0:2. 88. Wüthrich 0:3. 96. Schalk (Stevanovic) 0:4.

Thun: Faivre; Glarner, Havenaar, Sutter (46. Munsy), Joss (72. Chihadeh); Kablan (62. Salanovic), Gelmi, Stillhart, Hefti; Castroman, Rapp.

Servette: Frick; Sauthier (74. Souici), Rouiller, Sasso, Gonçalves; Cespedes, Cognat; Stevanovic, Wüthrich, Tasar (61. Imeri); Chagas (73. Schalk).

Bemerkungen: Thun ohne Hediger, Ziswiler, Karlen, , Rodrigues, Bigler, Tosetti (alle verletzt), Righetti und Wanner (beide krank). Servette ohne Busset, Iapichino, Koné, Lang, Mfuyi, Routis, Ondoua (alle verletzt) und Kyei (nicht spielberechtigt). 64. Pfostenschuss Munsy. 88. Faivre hält Penalty von Wüthrich. Verwarnungen: 19. Cespedes (Foul). 45. Glarner (Foul). 49. Wüthrich (Foul). 51. Gelmi (Foul). 88. Havenaar (Foul).

Sion - Luzern 2:1 (1:0)
9300 Zuschauer. - SR Jaccottet.

Tore: 39. Grgic (Foulpenalty/Foul Knezevic an Uldrikis) 1:0. 83. Toma 2:0. 91. Ndiaye (Schürpf) 2:1.

Sion: Fickentscher; Maceiras, Ndoye, Kouassi, Facchinetti; Zock, Toma; Kasami, Grgic (70. Khasa), Lenjani (88. Abdellaoui); Uldrikis (78. Song).

Luzern: Müller; Schwegler, Lucas, Knezevic, Sidler (66. Kakabadse); Ndiaye, Voca, Ndenge, Schürpf; Schulz (83. Demhasaj), Eleke (66. Margiotta).

Bemerkungen: Sion ohne Behrami, Adao, Nsakala, Luan und Raphael (alle verletzt) sowie Barrenechea (nicht spielberechtigt), Luzern ohne Grether (verletzt). Verwarnungen: 27. Schwegler (Foul). 32. Zock (Foul). 37. Voca (Foul). 38. Knezevic (Foul). 43. Kouassi (Foul). 69. Toma (Foul). 77. Schulz (Foul).

(mke)

Erstellt: 25.08.2019, 15:47 Uhr

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