«Wahnsinnig, das war gefährlich und nonchalant»

Uli Forte kann mit der Startphase gegen Chiasso zufrieden sein. Mit mehr nicht. Sein Team verspielt den Sieg beinahe noch.

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Es ist kein Sieg, der Freude macht, dieses 3:2. Kurz nachdem der letzte Schuss von Chiasso am Tor von Mirko Salvi vorbeizischte und der Schlusspfiff ertönte, kommen die Buhrufe. Nicht aus der Kurve, es ist die Haupttribüne, die sich aufregt. Einige Reihen weiter oben posiert der gesperrte Captain Vero Salatic für Selfies, sein Team verabschiedet sich und trottet vom Platz. Auf dem Weg in die Kabine hat Salatics Stellvertreter Marko Basic keine Lust auf Interviews, auch Nassim Ben Khalifa winkt ab.

Vielleicht will er einfach nicht zur Situation befragt werden, die wahlweise dazu führte, dass GC in der zweiten Halbzeit «etwas weniger nach vorne spielte» (findet Stürmer Danijel Subotic) oder «aufhörte Fussball zu spielen» (findet Trainer Uli Forte). Ben Khalifa, ein Mann, der die Mittellinie selten übertritt, grätschte einem Gegner in der 53. Minute von hinten in die Beine und sah die Gelbe Karte. Die folgende Freistoss-Flanke verwandelte Younes Bnou Marzouk, Marokkaner und einst Juventus-Junior, mit einem feinen Lob zum 3:2.

Gut zum Start, schlecht zum Schluss

Es begann das, worauf Fortes Bezeichnung wohl besser zutrifft als die von Subotic. Chiasso, das ist der Tabellenletzte der Challenge League. Er spielte GC an die Wand, und die Zürcher machten mit, waren schier unfähig, sich zu befreien. «Wahnsinnig», sagt Forte, «das war gefährlich und nonchalant». Er spricht vor allem den jungen Allen Njie an, dem fast jeder Ball versprang. Es war abgesprochen, dass der Liberianer die Rolle von Captain Salatic einnehmen sollte. Forte sagt: «Das heisst aber nicht, dass wir Einladungen verschicken müssen.» Das zeuge von einer gewissen Unerfahrenheit. Njie ist 20, sein Partner im zentralen Mittelfeld, Djibril Diani, 21.

Wie so oft bei Heimspielen in dieser Saison hatte das Spiel für GC prächtig begonnen. Die von Forte erstmals eingesetzte Doppelspitze mit Subotic und Ben Khalifa sorgte für stete Gefahr, immer mit Unterstützung von Petar Pusic und Nikola Gjorgjev auf den Flügeln. Gjorgjev erzielte das 1:0 nach sechs Minuten, uneigennützig vorbereitet von Ben Khalifa. Subotic traf nach einem Abwehrfehler der Gegner, Ben Khalifa mit einem Foulpenalty, herausgeholt von Gjorgjev. Dazwischen glich Karim Rossi für Chiasso aus. All das geschah in den ersten 17 Minuten. Und es genügte Fortes Spielern offenbar. Am Samstag wird es mehr brauchen. Wil kommt in den Letzigrund. Ciriaco Sforzas Team stellt die beste Defensive und die zweitstärkste Offensive der Liga.

Telegramm: GC - Chiasso 3:2 (3:1)
Letzigrund. – 3150 Zuschauer. – SR Von Mandach. – Tore: 6. Gjorgjev 1:0. 10. Rossi 1:1. 11. Subotic 2:1. 17. Ben Khalifa 3:1 (Foulpenalty). 54. Bnou Marzouk 3:2.
GC: Salvi; Arigoni, Basic, Cvetkovic, Wittwer; Pusic (83. Asllani), Njie (83. Kamber), Diani, Gjorgjev (74. Monzialo); Ben Khalifa, Subotic (70. Morandi).
Chiasso: Guarnone; Eptiaux (70. Padula), Martignoni, Hajrizi, Gamarra; Huser, Pugliese (55. Wolf), Doldur; Bnou Marzouk, Rossi (74. Almeida), Antunes (46. Kryeziu).
Verwarnungen: 32. Rossi, 35. Hajrizi, 53. Ben Khalifa, 78. Diani (alle Foul). 90. Salvi (Spielverzögerung). Bemerkungen: GC ohne Salatic (gesperrt) und Goelzer (verletzt). Chiasso ohne Pollero, Berzati, Dixon, Malinowski, Bellante, Iberdemaj, Cyzas (alle verletzt) und Senderos (nicht im Aufgebot).


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Erstellt: 28.09.2019, 19:23 Uhr

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