«Gerade in der Kabine ist es ein grosses Problem, wenn man schwul ist»

Der Super-League-Schiedsrichter Pascal Erlachner spricht im «SonntagsBlick» über sein Outing und betont: «Ich kenne auch schwule Fussballer.»

Pascal Erlachner wünscht sich für seinen nächsten Einsatz als Referee vor allem Normalität.

Pascal Erlachner wünscht sich für seinen nächsten Einsatz als Referee vor allem Normalität. Bild: Keystone

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Pascal Erlachners Outing ist das erste einer Persönlichkeit aus der Schweizer Fussballszene. Entsprechend hohe Wellen wirft es nun. Erlachner, ein 37-jähriger Turn- und Schwimmlehrer mit 73 Einsätzen in der Super League, musste nach eigenen Schilderungen sehr lange mit sich kämpfen, ehe er an die Öffentlichkeit ging.

Vor seinem nächsten Match, der vermutlich am kommenden Wochenende auf dem Programm steht, hofft er vor allem auf Normalität: «Mein Wunsch ist, dass mir die Trainer und Spieler am Ende für meinen Einsatz im Spiel danken und auf Wiedersehen sagen, so wie sie das bis jetzt auch getan haben.» Er wolle weder als Idol noch als schwuler Schiedsrichter gesehen werden.

Das ewige Versteckspiel sei extrem belastend gewesen, sagt Erlachner rückblickend. Besonders in seiner Zeit als aktiver Fussballer in der 1. und 2. Liga. «Gerade in der Fussballkabine ist es ein grosses Problem, wenn man schwul ist. Da ist man mit zwanzig Typen in einer Garderobe. Man redet über Ausgang, über Frauen. Alle wollen cool sein und den starken Mann markieren. Jeder klopft Sprüche.»

Der Hauptgrund für Erlachners Outing ist die Hoffnung, eine öffentliche Diskussion anzuregen. «Spricht man nicht über ein Thema, ist das Stillstand. Und Stillstand ist Rückschritt», so der Spitzen-Referee. «Wenn ich nur schon einem einzigen Fussballer oder Schiedsrichter mit meinen Erfahrungen helfen und Mut machen kann, hat sich mein öffentliches Bekenntnis gelohnt.»

Dass im Fussball viele seinem Beispiel folgen werden, bezweifelt Pascal Erlachner allerdings: «Es gibt ja Gründe, weshalb sich bisher nur wenige Fussballer geoutet haben und eigentlich alle nach ihrer Karriere. Und weil ich einfach nicht glauben kann, dass nun aus jeder Mannschaft ein Spieler hinsteht und sagt, dass er schwul ist. Obwohl das natürlich toll wäre!»

Er kenne zwar schwule Fussballer, würde damit jedoch nie an die Öffentlichkeit gehen, betont Erlachner. «Jeder entscheidet selbst, wie er damit umgehen will. Fragt mich aber jemand um Rat, erzähle ich gerne meine Geschichte.»

(ak)

Erstellt: 10.12.2017, 11:21 Uhr

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