Gesucht: Der Supermanager

Der Schweizer Fussballverband will und muss die Struktur des Nationalteams professionalisieren. Das sind die Kandidaten.

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Bernhard Heusler beginnt mit einer kleinen Charmeoffensive, als er im Haus des Fussballs in Muri BE vor der Presse sitzt. «Es ist ein schöner Moment, all die bekannten Gesichter zu sehen», sagt er. Und legt dann sofort an Tempo zu. Vier Minuten braucht er, um auf den Kern seines Berichts zur Lage der Nationalmannschaft zu kommen.

«Vorschläge» steht weiss in einem fetten roten Balken auf einem Dokument, das er auf einem Bildschirm einblendet. Und in der ersten Zeile darunter: «Schaffung einer Position Sportlicher Leiter Nationalteam.»

Namen werden öffentlich keine genannt, nicht von Heusler und nicht von Peter Gilliéron, der als Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) neben ihm sitzt. Aber wer das Anforderungsprofil sieht, das Heusler präsentiert, erkennt schnell: Die Auswahl möglicher Kandidaten ist beschränkt. Immerhin vier Personen könnten dafür infrage kommen: Peter Knäbel, Christoph Spycher, Fredy Bickel und Georg Heitz.

Drei Monate und 70 Gespräche, um die Fehler zu analysieren

Auf den Tag drei Monate ist es an diesem Berner Samstag her, dass Heusler, der ehemalige Erfolgspräsident des FC Basel, zusammen mit Georg Heitz, dem früheren Erfolgs-Sportchef des FC Basel, vom Zentralvorstand des SFV den Auftrag erhielt, die Strukturen rund um die Nationalmannschaft zu durchleuchten. Es sind drei Monate, in denen sie rund 70 Gespräche führten: mit Spielern, Journalisten, aber auch mit Reinhard Grindel, dem Präsidenten des deutschen Fussballverbandes.


Video: Neue Strukutren beim SFV

Nach einem bewegten Sommer steht der Schweizerische Fussballverband vor Änderungen. Video: Tamedia/Eva Tedesco


Sie arbeiteten, weil an der Weltmeisterschaft in Russland und ganz besonders in den Tagen nach dem Ausscheiden im Achtelfinal gegen Schweden vieles aus dem Ruder gelaufen war. Die Verantwortlichen, angeführt von Noch-Präsident Gilliéron, gaben in der Kommunikation ein ganz schlechtes Bild ab. Sie wurden von den Folgen des Doppeladler-Jubels von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri im zweiten Gruppenspiel gegen Serbien überrollt. Zudem erkannten sie die Sprengkraft nicht, die in den Aussagen des damaligen Generalsekretärs Alex Miescher zum Thema Doppelbürger steckte («Wollen wir sie?»). Die vielen Verspätungen bei Presseterminen verrieten ihre unprofessionelle Seite. Die Hierarchien und Zuständigkeiten waren nicht klar geregelt. Darum eben erhielten Heusler und Heitz den Auftrag.

Was die beiden Basler an diesem Samstagmorgen erst dem SFV-Präsidium in einer dreistündigen Sitzung präsentieren und am frühen Nachmittag der Öffentlichkeit, bietet weder die grosse Überraschung, noch leitet es gleich die Revolution ein. Aber es ist eine fundierte Analyse mit klar begründeten Lösungsvorschlägen, um die Nationalmannschaft in die Zukunft zu führen und ihre Situation zu verbessern, was die Struktur betrifft und die Infrastruktur, aber auch ihr Image.

Die Forderung von Heusler: «Die Besten für die Besten»

Während der 45-minütigen Pressekonferenz sticht eine Bemerkung heraus, Heusler formuliert sie gegen das Ende der Veranstaltung: «Es ist ganz klar der Anspruch des Verbandes, dass rund um das Nationalteam die besten Leute versammelt sind. Dass niemand dort ist, der sagt: Das habe ich mir abverdient. Die Besten müssen von den Besten betreut werden.»

Und geführt werden soll die Nationalmannschaft von einem Mann, dessen Jobprofil ihm die Rolle des neuen Supermanagers gibt. Er ist der Chef einer Abteilung, die neu zu schaffen ist und dann mit dem Generalsekretariat und der Technischen Abteilung die Geschäftsleitung des SFV bildet. Er entscheidet im Tagesgeschäft; bestimmt mit, wenn der Nationaltrainer gewählt wird; kann ein eigenes Budget verwalten und trägt die Verantwortung für die Kommunikation rund um die Nationalmannschaft.

Mit diesem Mann ist die Position des Delegierten der Nationalmannschaft überholt, wie es ihn in den letzten Jahren im Nebenamt gab. Ernst Lämmli hiess der Delegierte zu Köbi Kuhns Zeiten, Peter Stadelmann dann bis nach der EM 2016, und seither ist Claudio Sulser im Amt, das geschätzt mit 60 000 Franken jährlich entschädigt wird. Auch Sulser gab in Russland keine gute Figur ab. Seine Zeit als vermeintlicher Vorgesetzter von Nationalcoach Vladimir Petkovic neigt sich dem Ende entgegen.

Es gibt also nicht viele, die für das künftige Prestigeamt im Schweizer Fussballverband infrage kommen. Eine kleine, aber feine Auswahl an Kandidaten ist denkbar.

Da ist einmal Peter Knäbel, 52-jähriger Deutscher aus dem Ruhrgebiet mit genauesten Kenntnissen des Schweizer Fussballs. Knäbel war nach seiner Zeit als Nachwuchschef beim FC Basel während fünf Jahren, bis im Herbst 2014, Technischer Direktor des SFV. Er versah seine Aufgabe mit viel Einsatz und fundiertem Fachwissen, das er heute beim Schweizer Fernsehen als Experte für die Champions League einsetzt. Eineinhalb Jahre war er beim Hamburger SV ein Sportchef ohne Glück. Inzwischen ist er bei Schalke 04 Technischer Direktor Entwicklung. Knäbels bestimmtes Auftreten hat ihm beim Verband mit seinen manchmal empfindlichen Funktionären nicht nur Freunde eingebracht.

Der Gewinn des Meistertitels als Meisterstück von Christoph Spycher

Der 40-jährige Christoph Spycher ist der Aufsteiger unter den Sportchefs, seit er im Herbst 2016 bei den Young Boys vom Talentmanager zum Nachfolger von Fredy Bickel befördert wurde. Der frühere Nationalspieler und Bundesligaprofi tritt seit dem ersten Tag selbstbewusst auf, ohne aber selbstgefällig zu sein. Er hat die Ruhe in den Verein gebracht, die als wichtiges Puzzleteil auf dem Weg zum Meistertitel gilt. Vertrauen, Identifikation, Dynamik: Darauf legt er Wert. Er mag Leute nicht, die sich zu wichtig nehmen, und er sagt: «Ich trage die Verantwortung, muss aber nicht das Gefühl haben, ich sei der Beste der Welt.»

Ein Dritter ist Fredy Bickel, erfolgreich einst beim FC Zürich, leidenschaftlich bei YB, und jetzt trägt er bei Rapid Wien die Verantwortung als Geschäftsführer Sport. Vom Lebenslauf her ist er geeignet, er hat mit eigenwilligen Trainern wie Lucien Favre gearbeitet, und es ist durchaus vorstellbar, dass er auch mit einem Coach wie Vladimir Petkovic umgehen könnte, der gerne einmal zur Beratungsresistenz neigt. Der eine oder andere jedoch mag seinen lauten Abgang bei YB als Makel empfinden.

Schliesslich ist da Georg Heitz. Auch in seinem Namen gibt Heusler zu bedenken: «Es ist nicht seriös, den Auftrag anzunehmen, Vorschläge auszuarbeiten und am Ende aufzustrecken und zu sagen: Ich wäre einer, der gut passt. Nein, so kann ich nicht auf Brautschau gehen.» Und schiebt nach: «Wir kommen nicht infrage für diese Positionen.» Darum will er nicht Verbandspräsident werden, und darum mag Heitz den Hut für den neuen Posten nicht in den Ring werfen.

Aber was, wenn der Zentralvorstand bei der vertieften Kandidatensuche zur Einsicht kommt, Heitz wäre der Beste? Dann muss der 48-Jährige ein ernsthafter Kandidat sein. Denn an einem gibt es keine Zweifel: Heitz wäre sehr gut geeignet als neuer Supermanager.

Fortsetzung

Gesucht: Der Supermanager

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 25.11.2018, 09:06 Uhr

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