Graz-Trainer tickt völlig aus

Nestor El Maestro, Trainer beim österreichischen Erstligisten Sturm Graz, ist nach umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidungen kaum zu bremsen.

Verliert die Kontrolle: Nestor El Maestro. (Video: Youtube/Wiener TV)

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Ein deftiger Tritt gegen einen Zaun. Er stürmt wutentbrannt auf den Schiedsrichter los. Dann stapft Nestor El Maestro vom österreichischen Bundesligisten Sturm Graz fluchend Richtung Spielergarderoben. In den Katakomben geht der Wutausbruch des Trainers ungebremst weiter. Er wirft eine Absperrung herum. Festgehalten werden die Emotionen nach dem 3:3 beim SV Mattersburg von TV-Kameras – auch wie der Sturm-Trainer dem Unparteiischen den Ball aus der Hand reisst.

Grund für sein Ausrasten waren zweifelhafte Entscheide des Schiedsrichters. Unter anderem eine mögliche Abseitsposition vor dem ersten Tor der Mattersburger. Auch zwei Elfmeter waren sehr umstritten, stiessen den Grazern sauer auf. Besonders, weil der zweite Penalty in der Nachspielzeit für den Ausgleich der Mattersburger sorgte – und dafür, dass El Maestro komplett austickte.

Der 36-jährige Serbe war auch beim Interview später nicht zu bremsen. Erst meinte er zwar noch: «Ich habe nichts zu sagen. Kein Kommentar. Ich kann mich für den Wutanfall entschuldigen, aber ich habe nichts zu sagen.» Als er zum Sportlichen befragt wurde, sagte er trotzig: «Das ist schwer zu beurteilen heute.» Der Reporter blieb hartnäckig und je länger das Interview dauerte, desto mehr geriet der Sturm-Trainer wieder in Rage.

«Das ist kein Jahrhundert-Job für mich.»

«Es macht wenig Spass derzeit, am liebsten würde ich einfach nach Hause gehen oder Urlaub machen. Das Gehalt ist hier auch kein riesiges Schmerzensgeld. Morgen muss ich die Jungs motivieren, denn wir haben eine wichtige Woche vor uns.» Aber eben diese «Jungs» bekamen bei der umfassenden Trainer-Schelte auch ihr Fett weg: «Natürlich kann ich der Mannschaft viele Vorwürfe machen, natürlich wäre ich gern ein besserer Trainer und hätte eine bessere Mannschaft. Es sind aber enge Spiele in einer schwierigen Liga.» Er sei gerne in Österreich und auch gerne Trainer in Österreich. «Aber das ist kein Jahrhundert-Job für mich, unfassbar, dass ich hier gelandet bin», tobte El Maestro.

Sein Name, eine Jugendsünde

«Gelandet» ist im Sommer 2019 bei Sturm Graz als Nachfolger von Roman Mählich. Der Weg in die Steiermark war weit: Er führte ihn über Schalke (2006 – 2008), Hannover (2010 – 2013), wo er Assistent von Mirko Slomka war, den HSV (2014), Austria Wien (2016 – 2017, Assistent von Thorsten Fink), den slowakischen Erstligisten Spartak Trnava (2017 – 2018) und ZSKA Sofia (2018 – 2019) nach Österreich. Trnava führte er zusammen mit seinem Bruder zum ersten Meistertitel in der Clubgeschichte. «Nicht weil er mein Bruder ist, sondern riesige Qualität mitbringt. Der Vorteil ist: Weil er mein Bruder ist, ist er billig zu bekommen», sagte er.

Aber wer ist der Mann, der eigentlich als Nestor Jevtic in Belgrad geboren wurde und bei Roter Stern erstmals die Fussballschuhe geschnürt hat? Als er neun Jahre alt war, besuchte der gebürtige Serbe eine Privatschule in England. Schon mit 15 Jahren begann er nebenbei Trainerlizenzen zu erwerben. Als 18-Jähriger wurde Jevtic Nachwuchstrainer bei West Ham, trainierte Achtjährige und änderte seinen Namen in El Maestro. Und auch da spielte sein Bruder eine Rolle: Das einstige Fussballwunderkind Nikon wurde auch «El Maestro» genannt. Das hat ihm gefallen. Aber nicht nur.

«Das hat sich geil angehört.»

El Maestro hasst es, über diese Jugendsünde zu reden. Bei seinem Amtsantritt bei Sturm Graz tat er es dennoch – um allem künftigen Nachfragen einen Riegel zu schieben. «Ich war damals schon zehn Jahre in England, habe in London gelebt und Englisch gesprochen. Ich war englischer Staatsbürger, hatte nur englische Freunde und wegen der ganzen Kriege war es nicht die einfachste Zeit, sich als Serbe zu bezeichnen. Ich habe mich als Engländer gefühlt, also wollte ich auch einen englischen Namen. Ich dachte, das wäre eine gute Idee.»

Also musste es etwas Englisches sein. Aber kurz bevor er den Namen änderte, meldete sich das Gewissen. Es kam ihm falsch vor. Dann hatte er diese andere Idee, die eigentlich noch verrückter war – El Maestro eben. «Das hat sich geil angehört, wenn man 17 Jahre alt ist.» Seither muss er mit den nervigen Fragen darüber leben.

Erstellt: 23.09.2019, 17:58 Uhr

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