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Grosses Theater mit Klopp

Jürgen Klopps Medienkonferenzen rund um das Champions-League-Spiel in Moskau waren eine Komödie in vier Akten – und mit einer Zugabe.

Elf Minuten pures Internetgold: Die Pressekonferenz von Jürgen Klopp vor dem CL-Spiel gegen Spartak Moskau. Video: Youtube.

Die Dienstreise nach Moskau wird Jürgen Klopp definitiv in Erinnerung bleiben. Nicht nur wegen des enttäuschenden 1:1 im Champions-League-Spiel gegen Spartak, mit den zahlreichen vergebenen Grosschancen. Nein, da war vor allem die bizarre Medienkonferenz vor der Partie mit nervigen Klickgeräuschen der Fotoapparate, seltsamen Fragen, einer überforderten Dolmetscherin und einer beinahe missverstandenen Liebeserklärung. Nach der Partie kam dann die Zugabe – inklusive eines Geschenks. Eine Komödie in vier Akten.

1. Akt: Klickt euch!

Geduldig sitzt der Liverpool-Trainer da und wartet, bis sein Pressechef und die russische Dolmetscherin das übliche Prozedere einer solchen Medienkonferenz erklärt haben. Formsache. Da ist aber auch noch der Hinweis an die Fotografen: «Bitte macht keine Fotos ,während die Fragen gestellt werden. Sonst hören wir die Fragen nicht.» Klopp ergänzt grinsend: «Das hilft immer.» Soweit, so klar. Sollte man meinen.

Aber schon bei der ersten Frage (es klickt weiterhin heftig) muss Klopp unterbrechen. Etwas belustigt blickt er in die erste Reihe und sagt: «Genau das haben wir zuvor gemeint. Wenn eine Frage gestellt wird, musst DU aufhören Fotos zu machen. Sonst höre ICH die Frage nicht. Das verzögert alles.» Nach Übersetzung der Dolmetscherin fügt er augenzwinkernd an: «Macht Fotos, während ich antworte, das macht mehr Sinn.» Getreu dem Motto: Ihr hört meine Antworten nicht? Mir egal, klickt euch!

2. Akt: Der Was-zur-Hölle-willst-du-von-mir-Blick

Eine einheimische Journalistin wollte wissen, ob er denn auch den Rat eines Trainerkollegen eingeholt habe, um sich über Spartak zu informieren. Schliesslich hatte der gegnerische Coach Massimo Carrera den Chelsea-Manager Antonio Conte um fachlichen Beistand gebeten. Etwas irritiert antwortete Klopp: «Ich wüsste nicht, wen ich fragen sollte. Ich muss meine Arbeit selber machen, sorry.» Nicht ohne zuvor aber noch darauf hinzuweisen, begleitet von einem hämischen Lachen: «Wir haben Chelsea geschlagen, also wird Conte keine grosse Hilfe gewesen sein.»

Damit war die Reporterin aber noch lange nicht fertig. Schliesslich spricht man nicht jeden Tag mit einem Jürgen Klopp. So wollte sie wissen: «Haben Sie am vergangenen Wochenende Spartaks Spiel gegen Anschi gesehen? Falls ja, was können Sie uns über das zweite Tor sagen?» Jetzt war Klopp endgültig verwirrt. Doch es wurde noch besser: «Fünf Anschi-Spieler haben einen Spartak-Verteidiger getackelt. Was sagen Sie dazu?» Mit einem Was-zur-Hölle-willst-du-von-mir-Blick gab er zurück: «Eine sehr spezifische Frage. Ähm... Was ist Ihre Meinung dazu?» Weil aber die Russin auf einer Antwort des Experten bestand, sagte Klopp: «Ich bin nicht hier, um diese Spiele zu beurteilen. Ich benutze sie, um zu analysieren. Aber zumindest kann ich versprechen, dass ich nicht zu fünft gegen einen verteidigen lassen werde – höchstens zu viert.»

Intermission: Tonausfall – Ein Journalist in der hintersten Reihe beklagte sich, dass er nichts höre. Anscheinend war das Mikrofon ausgefallen. Nach kurzem Blas-Test winkte Klopp beruhigend ab: «Keine Sorge, Sie haben noch nicht viel verpasst.»

3. Akt: Die orientierungslose Dolmetscherin

Es war zu erwarten, dass Klopp ein paar Fragen zu Spartak-Flügel Quincy Promes beantworten musste. Schliesslich gab es das Gerücht, dass der Holländer zu den Reds wechseln könnte. Während Klopp Promes als «sehr guten Spieler» betitelte, musste er der Dolmetscherin den Namen wiederholen. Offensichtlich wusste die von Spartak zur Verfügung gestellte Übersetzerin nicht, wer der Starspieler der Russen ist. Nachdem sie trotz ausführlicher Erklärung, wer denn dieser ominöse Promes ist, immer noch nicht ganz verstand, wie der Fussballer genau heisst, schrieb ihr Klopp den Namen auf ein Stück Papier. Zudem unterbrach die Dolmetscherin Klopp mehrmals, als sie übersetzen wollte. Genervt bat Liverpools Pressechef: «Bitte den Trainer komplett ausreden lassen, bis übersetzt wird. Danke.»

4. Akt, das grosse Finale: Klopp liebt Harry!

«Zum Schluss noch eine vernünftige Frage von einem erfahrenen Mann», dürfte sich Liverpools Pressechef gesagt haben und liess die Runde einen Journalisten des renommierten TV-Senders Sky Sport England beenden. Doch auch der schien nicht den allerbesten Tag erwischt zu haben – und versuchte der russischen Kälte mit einer herzerwärmenden Frage zu trotzen: «Tottenham-Trainer Mauricio Pocchettino hat vor ein paar Tagen gesagt, er liebe seinen Stürmer Harry Kane. Welchen Liverpool-Spieler lieben Sie?»

Da platzte Klopp endgültig der Kragen: «Ich bin echt schwer beeindruckt, das hier ist eine Champions-League-Pressekonferenz, und ihr fragt mich wirklich solche Sachen?» Er verzog das Gesicht. «Ich verstehe das Geschäft langsam nicht mehr.» Genervt rang er sich eine Antwort ab: «Ich liebe meinen Club, das schliesst die Spieler natürlich ein. Und klar: Harry liebe ich auch.» Das Sahnehäubchen war die Dolmetscherin, die allen Ernstes fragte: «Sie lieben Harry?» «KANE!», gab Klopp zurück: «Er ist ein Tottenham-Spieler.»

Danach verabschiedete sich Klopp höflich, auch von der Dolmetscherin: «Sorry, wegen all dieser Namen.» Ein wahrer Gentleman.

Die Zugabe: Ein russisches Geschenk

Für die Pressekonferenz nach dem Spiel gab es eine gute Nachricht: Die Dolmetscherin wurde ausgetauscht. Der neue Übersetzer kam zwar etwas zu spät, doch er erledigte seine Sache sonst relativ professionell. Die weniger gute Nachricht: Die russische Journalistin war wieder da. Und wagte nochmals den grossen Auftritt.

Russische Gastfreundlichkeit: Hier bekommt Klopp ein T-Shirt. Video: Youtube

Zuerst trat sie ans Podium: «Ich habe Ihnen ein Geschenk mitgebracht, es ist ein T-Shirt.» Überrascht rief Klopp: «Ach, ein T-Shirt, verrückt! Sind Sie vom russischen Comedy-TV?» Als Gegenleistung wollte die Russin, man mag es erahnen, dafür eine fachkompetente Antwort von Klopp. Und zwar auf die Frage: «Gestern haben Sie gesagt, es gebe kein fünf gegen eins. Aber es war oft vier oder fünf gegen zwei: Wieso haben Sie nicht mehr Tore erzielt?» Wieder verzog Klopp sein Gesicht zu einer Grimasse und sagte: «Danke für das T-Shirt. Wieso nicht mehr Tore geschossen wurden: Immer eine sehr grosse Frage.» Danach antwortete er so professionell, wie es ging – und dürfte froh gewesen sein, dass er wieder zurück nach Liverpool reisen durfte.

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