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Hey Leute, ein chinesischer Salat!

Der Herbst zeigt: In Europas Fussball gibt es im Schatten der Grossen Überraschungen – positive wie negative.

Bonucci und Rodriguez: Es läuft ihnen bei der AC Milan nur mässig.
Bonucci und Rodriguez: Es läuft ihnen bei der AC Milan nur mässig.
Keystone

Ein Verteidiger und ein Chinese sind in Mailand alles Übel, ein Schweizer berät Hannover ziemlich erfolgreich, in Valencia schiesst ein abgeschriebener Stürmer den Club zu unerwarteten Höhenflügen und bei Everton wollen teure Transfers einfach nicht einschlagen.

Ein Rundgang durch Europas Ligen.

Ein schlechter Insalata mista

AC Milan

Bei der AC Milan soll in dieser Saison manches besser werden – oder am besten gleich alles. Die goldene Vergangenheit ist einer grauen Gegenwart gewichen, in den letzten Saisons resultierten die Plätze 8, 10, 7 und 6.

Damit sollte Schluss sein. Im Sommer wurde alles erneuert: Präsident, CEO, Sportchef, Captain, einfach alles. Immerhin durfte Trainer Montella bleiben. Und er bekam von der neuen Führung um den Chinesen Yonghong Li einen bunten «Insalata mista» an Spielern vorgesetzt. Elf Neue kamen, darunter der Schweizer Nationalspieler Ricardo Rodriguez. Und der ist einer der wenigen Zuzüge, die konstant gute Auftritte zeigen. Mehr als 200 Millionen Euro kostete der Wandel, finanziert hat ihn Li mit einem Hedgefonds aus New York.

Sieht nicht gut aus, seine AC Milan: Der neue Besitzer Yonghong Li. Bild: Keystone
Sieht nicht gut aus, seine AC Milan: Der neue Besitzer Yonghong Li. Bild: Keystone

Nun, nach einem Viertel der Serie-ASaison, müssen sie sich in Mailand eingestehen, dass in diesem Salat noch nicht alle Zutaten zusammenpassen. Die Krise hält nach einem Zwischenhoch in der Europa League an.

Sinnbild dafür ist der neue Verteidiger Leonardo Bonucci, eigentlich einer der Besten seines Fachs. Er war der Mann, der Milan wieder an die Spitze führen sollte. Logisch wurde er Captain und Topverdiener, logisch wurde wegen ihm das System komplett umgestellt. So, wie es bei Juventus war, so sei Bonucci am besten. Bisher kommt er in fast keinem Spiel auf gute Kritiken, der Tiefpunkt war gegen Genua eine Rote Karte nach einer Tätlichkeit.

Dass eine Mannschaft mit elf Neuen nicht sofort funktionieren kann? Daran dachten sie in Mailand nicht. Und dass die Personalie Bonucci für Unmut sorgen könnte? Ebenfalls nicht. Genau diese Situation ist aber eingetroffen. Es soll Gruppenbildungen geben im Training, von einer Anti-Bonucci-Fraktion ist die Rede. Das Resultat: 11 Spiele, 16 Punkte; Trainer Vincenzo Montella vor dem Aus; und die Erkenntnis, dass Li das Mischen von Salaten wohl besser ganz den Italienern überlässt. (mro)

«Hey Leute: Platz 4»

Hannover 96

Es läuft bei Hannover 96. «Wir sind Vierter. Hey Leute: Platz 4», wurde Martin Andermatt nach dem 4:2 gegen Dortmund in der «Hannoverschen Allgemeinen» zitiert. Hey Leute – fast ungläubig schien er das zu sagen, hoch oben in der Loge. Für den Aufschwung beim Aufsteiger sind auch zwei Schweizer zuständig.

Martin Andermatt ist der neue starke Mann bei Hannover 96. Bild: Reuters
Martin Andermatt ist der neue starke Mann bei Hannover 96. Bild: Reuters

Da ist Pirmin Schwegler, der von Hoffenheim kam und einen Stammplatz hat. Und da ist eben dieser Andermatt, offiziell Aufsichtsrat, gerne aber auch «Sportvorstand» oder «Chefberater» genannt. Es zeigt die Stellung des 55-Jährigen, er wurde im Februar 2017 von Präsident Martin Kind geholt. Zwei Wochen später waren bei Hannover – in der 2. Bundesliga war man damals immerhin Vierter – Trainer, Sportchef und Geschäftsführer weg. Unter Andermatt gelang der «alternativlose Aufstieg», so hatte ihn Präsident Kind zum Ziel gesetzt.

In dieser Saison ging es gleich weiter mit positiven Resultaten, jüngst wurde Dortmund geschlagen: Hannover konterte sich ins Glück. Die Hauptrollen spielten dabei zwei Neue, deren Transfers Andermatt abgesegnet hatte: Der brasilianische Stürmer Jonathas und Rechtsaussen Ihlas Bebou knickten die Borussia praktisch im Alleingang.

Kind nannte den Traditionsclub vor der Saison in der «Süddeutschen Zeitung» den «spannendsten Verein der Bundesliga». Heute ist das positiv zu verstehen, noch vor zwei Monaten war die Skepsis aus dem Clubumfeld und dem Fanlager gross. Kind will die 50+1-Regel umgehen und die Macht im Verein ganz an sich reissen. Der Fanboykott dagegen läuft noch immer, doch der Sport ist in den Vordergrund gerückt. Denn: Es läuft bei 96. (te)

Die Ente trifft wieder

FC Valencia

Ein Traditionsclub steht in Spanien auf dem zweiten Platz, auch dank neun Toren eines italienischen Mittelstürmers. Das Überraschende daran: Der Club heisst nicht Real Madrid oder Atlético Madrid. Es ist Valencia. Jenes Valencia, das die vergangenen beiden Saisons auf dem 11. und 12. Rang beendete. Und der Torjäger heisst Simone Zaza, bekannt als Penalty-Depp Italiens. Wie eine Ente watschelte er gegen Deutschland im EM-Viertelfinal 2016 beim Penaltyschiessen zum Ball und verschoss kläglich.

Zaza damals: Sein Fehlschuss an der EM 2016 gegen Deutschland. Bild: Keystone
Zaza damals: Sein Fehlschuss an der EM 2016 gegen Deutschland. Bild: Keystone
Zaza heute: Neun Tore hat er in dieser Saison für Valencia geschossen. Bild: Keystone
Zaza heute: Neun Tore hat er in dieser Saison für Valencia geschossen. Bild: Keystone

Nach dem Debakel vom Punkt flüchtete Zaza von Juventus zu West Ham. Ein Engagement, das sein Vater kürzlich als «riesigen Fehler» bezeichnete. In diesem Frühjahr liess sich Zaza von den Turinern nach Valencia ausleihen – und überzeugte, weshalb die Spanier 16 Millionen Euro an die Italiener überwiesen. Und so wurde der 26-Jährige zum Sinnbild des Aufschwungs. Seine neun Tore – nur Messi traf in der Liga bisher öfter – schoss er in sieben Partien. Immer gewann Valencia. Blieb er torlos, gab der sechsfache spanische Meister Punkte ab.

Dass Valencia neben Barça das einzig noch ungeschlagene Team der Liga ist, liegt nicht nur am Italiener. Coach Marcelino, der schon in Villarreal gute Arbeit leistete, hat es geschafft, aus Talent Erfolg zu machen. Der von PSG ausgeliehene Gonçalo Guedes wirbelt auf dem Flügel, im Mittelfeld orchestriert Captain Dani Parejo die Komposition mit viel Eleganz, nebendran räumt Zuzug Geoffrey Kondogbia ab. Dazu übernehmen die eigenen Talente Santi Mina und Carlos Soler langsam die Verantwortung, die man von solchen Fussballern erwartet – und neben Zaza blüht auch Rodrigo im Sturm auf, was ihn sogar zurück in die spanische Nationalmannschaft brachte.

In dieser Form könnte Valencia wieder in der Lage sein, ganz nach vorne anzugreifen – die nächste Standortbestimmung folgt am 26. November. Dann gastiert Leader Barcelona im Mestalla. (fas)

Reich, und doch sehr arm

Everton FC

Seine letzten Worte trugen die Melodie eines Requiems. Everton-Trainer Ronald Koeman sprach an einer Medienkonferenz zu den Journalisten: «Schreibt, was ihr schreiben wollt.» Wenig später war der Holländer entlassen, das war vor 12 Tagen, er hatte einmal zu viel verloren.

Everton schwächelt. Massiv, sagen sie im Goodison Park. Koeman habe die Garderobe verloren, sagen sie auch. Keine Identität habe die Mannschaft, keinen Plan. In armen Tagen wird man zum Erbsenzähler: Neun Halbzeitauswechslungen haben sie unter Koeman gezählt, dazu 5 Niederlagen in 9 Spielen und eben: eine Entlassung.

Rooney blutet. Everton auch. Bild: Keystone
Rooney blutet. Everton auch. Bild: Keystone

David Unsworth ist Koemans Nachfolger. Ein Mann, der mit Evertons Junioren Meister wurde. Bewirkt hat er wenig: Bereits gestern schied Everton aus der Europa League aus. Auch Unsworth wirkt am Spielfeldrand ziemlich ratlos. Dabei hat der Club so viel Geld ausgegeben. Lukaku ging im Sommer für 85 Millionen Euro zu Manchester United, es kamen Rooney (gratis), dazu Sigurdsson (49 Millionen Euro). Ersterer schoss bisher vier Tore, Letzterer zieht auf Fussballplätzen die Anonymität vor.

Und dann sind da noch die Zuzüge Kategorie «wunderlich». Für den soliden Torhüter Pickford aus Sunderland zahlte Everton 29 Millionen, 29! Genauso viel war ihnen der Verteidiger Keane von Burnley wert, für 27 Millionen wechselte Klaassen aus Amsterdam – ein ähnlicher Spielertyp wie Rooney und Sigurdsson übrigens. Das Geld scheint schlecht investiert oder die Spieler schlecht gescoutet. Im Fussball nichts Neues. (czu)

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