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Highlight einer Express-Amtszeit

Im Rückspiel gegen Saloniki, dem ersten wahren Höhepunkt der Saison, kann der FCB sein erstes Ziel verpassen. Alex Frei will das verhindern.

Konzentrierter Blick in die Runde: Der FCB-Feuerwehrmann steht vor einem wegweisenden Spiel. (31. Juli 2018)
Konzentrierter Blick in die Runde: Der FCB-Feuerwehrmann steht vor einem wegweisenden Spiel. (31. Juli 2018)
Georgios Kefalas, Keystone
Alex Frei zeigt sich vor dem CL-Quali-Rückspiel gegen PAOK Saloniki optimistisch. Das Publikum soll dem FC Basel helfen.
Alex Frei zeigt sich vor dem CL-Quali-Rückspiel gegen PAOK Saloniki optimistisch. Das Publikum soll dem FC Basel helfen.
Georgios Kefalas, Keystone
...schon am kommenden Samstag sollte der Nachfolger des Interimstrainers präsentiert werden. Es wäre eine Überraschung, wenn es nicht der Zürcher Marcel Koller wäre.
...schon am kommenden Samstag sollte der Nachfolger des Interimstrainers präsentiert werden. Es wäre eine Überraschung, wenn es nicht der Zürcher Marcel Koller wäre.
Robert Jäger, Keystone
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So, oder zumindest so ähnlich, hatte man sich Alex Frei als Trainer ja vorstellen dürfen: Immer in Bewegung, engagiert, emotional und laut. Zwar hat er am Samstag ein paar Mal versucht, sich dem Spiel seines FC Basel gegen Neuchâtel Xamax bewusst zu entziehen. Dann ist er zurückgelaufen zur Ersatzbank und hat sich neben seinen Assistenten Marco Schällibaum fallen lassen. Doch all das nur, um Sekunden später wieder wild gestikulierend an der Linie zu stehen und Anweisungen über den Plastikrasen der Maladière zu brüllen.

In den letzten 20 Jahren durfte die Schweiz Alex Frei in mehreren Rollen kennenlernen. Meistens war es die des umjubelten FCB-Stürmers, der sich vom Publikum feiern liess. Davor gab es noch Alex Frei, den erfolgreichen Schweizer Torjäger im Ausland. Frei, den Helden und Buhmann der Nationalmannschaft. Frei, den Ehrgeizling. Frei, den Spuck-Stürmer; auch das wird man nicht so schnell vergessen. Und nach dem Ende seiner aktiven Karriere gab es beim FC Luzern für kurze Zeit dann auch noch den Sportchef Alex Frei – auch wenn ihm diese Rolle nach 20 Monaten selbst nicht mehr gefiel.

Seit Januar 2016 einigermassen versteckt

Den Trainer Alex Frei kannten bislang allerdings nur diejenigen, die sich nicht zu schade waren, den Kilometerweg bis zum Campus zurückzulegen. Dorthin also, wo Frei seit dem Januar 2016 einigermassen versteckt erst die Junioren der U15 trainierte und mittlerweile die U18 betreut. Erst am Samstag hat der 39-Jährige sich zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit präsentiert; auch wenn er umgehend darauf verwies, dass er nicht lange in dieser Rolle zu sehen sein wird. Frei ist der Zusatz «ad interim» hinter seinem Titel enorm wichtig. So wichtig, dass er in Neuenburg selbst in kürzesten Kurzinterviews auf diesen Umstand hinwies.

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Video: Ajeti lässt den FCB hoffen

Der Stürmer trifft zum wichtigen 1:2 gegen Saloniki. Video: Tamedia/SRF

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Für ihn ist klar, dass er sich nach dem Rückspiel gegen Paok Saloniki (20 Uhr, Teleclub Zoom) oder zur Not auch erst zu Beginn der kommenden Woche wieder dem U18-Team zuwendet. Aber das ändert alles nichts daran, dass in seine Express-Amtszeit als Trainer ein Spiel fällt, das den weiteren Saisonverlauf des FCB prägen kann.

Es geht um sehr viel Geld

Im Rückspiel gegen Saloniki, dem ersten wahren Höhepunkt der Saison, kann der FCB sein erstes Ziel verpassen, wenn er das 1:2 aus dem Hinspiel nicht aufholt. Zwar hat der Verein vor dem Auftakt ganz bewusst das Ziel «internationales Geschäft» ausgegeben, wohlwissend, dass der Weg in die Champions League beschwerlich ist. Aber natürlich ist das grosse Ziel die Königsklasse, wo nicht nur grosse Gegner warten, sondern auch 37 Millionen Franken.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist der FCB von diesem Ziel weit entfernt. Das Team hat keines der ersten drei Saisonspiele gewonnen – genau genommen hat es sogar die ersten zwei Partien verloren. Von Raphael Wicky hat man sich bekanntlich am Donnerstag getrennt, und bis dessen Nachfolger gefunden ist, wird Frei versuchen, die Hoffnung auf die Königsklasse am Leben zu erhalten.

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Bilder: FCB entlässt Wicky

Drei Niederlagen in der Vorbereitung, eine in der Meisterschaft und eine in der Champions-League-Qualifikation haben Raphael Wicky den Trainerjob beim FC Basel gekostet.
Drei Niederlagen in der Vorbereitung, eine in der Meisterschaft und eine in der Champions-League-Qualifikation haben Raphael Wicky den Trainerjob beim FC Basel gekostet.
Georgios Kefalas, Keystone
Zum Saisonstart setzte es ein 1:2 gegen St. Gallen ab.
Zum Saisonstart setzte es ein 1:2 gegen St. Gallen ab.
Georgios Kefalas, Keystone
Am Samstag in Neuenburg wird Alex Frei, aktuell U18-Trainer, auf der Bank sitzen.
Am Samstag in Neuenburg wird Alex Frei, aktuell U18-Trainer, auf der Bank sitzen.
Georgios Kefalas, Keystone
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Unmöglich ist das nicht. Angesichts der Erfahrung und der Qualität der Einzelspieler müsste der FCB dem Team aus Griechenland überlegen sein. Paok wirkte selbst beim Sieg vor einer Woche nicht unwiderstehlich. Das Problem ist eher, dass bei den Baslern aktuell weder das Selbstvertrauen noch die körperliche Form stimmen. Am Wochenende ist nicht nur dem Trainer aufgefallen, dass seine Spieler nach 70 Spielminuten besorgniserregend erschöpft wirkten.

Viel kann er an diesem Umstand nicht ändern in den paar Einheiten, die ihm zur Verfügung stehen. Auch nicht am taktischen Feinschliff seiner Mannschaft. «Innerhalb von zwei Tagen kann nicht einmal Pep Guardiola zaubern», sagte Frei nach dem Spiel gegen Xamax. Aber im Moment braucht der FCB gar keinen wie Guardiola, der wild in der Aufstellung herumfuhrwerkt. Sondern es braucht einen wie Frei, der das Team mit Emotionen belebt und die Spieler durch kleine Kniffe besser macht.

Stürmer unter sich

Fabian Frei wird zum Beispiel wieder im Mittelfeld erwartet. Den aktuellen Stürmer Ricky van Wolfswinkel hat der ehemalige Stürmer Frei gegen Xamax für die Startelf nominiert und damit dessen Laune gehoben. Und angereichert hat Frei die Mannschaft mit dem 18-jährigen Noah Okafor, der prompt sein erstes Tor für die Profis erzielte. Möglich, dass gegen Saloniki Valentin Stocker wieder von Beginn an spielt, und vielleicht schafft es Dimitri Oberlin ja auf die Ersatzbank.

Klar ist eigentlich nur, dass Alex Frei wieder an der Seitenlinie mitleiden und alles dafür tun wird, dass er sich in ein paar Tagen mit einem guten Gewissen wieder in die Anonymität des Campus verabschieden kann.

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