Hitzfelds eindringliche Warnung an die «spanischen» Bayern

Die Trainerlegende befürchtet einen Identitätsverlust seines ehemaligen Clubs. Die heftigen Reaktionen dazu.

Trainer Ottmar Hitzfeld und Goalie Oliver Kahn feiern die deutsche Meisterschaft.

Trainer Ottmar Hitzfeld und Goalie Oliver Kahn feiern die deutsche Meisterschaft. Bild: Keystone

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Der ehemalige Schweizer Nationalcoach Ottmar Hitzfeld ist auch in Deutschland eine absolute Trainerlegende. Mit Dortmund und den Bayern holte er die Champions League und machte sich bei diesen Clubs unsterblich.

Jetzt geht der Lörracher mit den Bayern hart ins Gericht. Der fünffache Meistermacher der Münchner warnt den Club eindringlich vor zu vielen ausländischen Spielern. Er macht sich Sorgen um die Identität der Mannschaft. Er befürchtet, dass der spanische Einfluss die deutsche Mentalität des FC Bayern verwässert. «Die Bayern müssen aufpassen, dass Deutsch die Hauptsprache in der Mannschaft bleibt und nicht nur Spanisch gesprochen wird», schreibt Hitzfeld in seiner Kolumne im Fachmagazin «Kicker». Der Club müsse seiner deutschen Mentalität Rechnung tragen.

Götze sei geschaffen für die Bayern

«Der FC Bayern muss aufpassen, dass er nicht zu viele ausländische Spieler verpflichtet. Dieser Trend ist in letzter Zeit zu verzeichnen. Während es früher immer das Ziel des FCB war, die besten deutschen Fussballer zu beschäftigen.» Diese Transferpolitik sei verantwortlich dafür, dass Spieler wie Weltmeister Mario Götze bislang wenig Einsatzzeiten bei Guardiola gehabt hätten. Deshalb wünscht sich Hitzfeld einen Strategiewechsel in München.

Götze müsse mehr spielen. «Mario ist das Paradebeispiel eines deutschen Spielers, der wie geschaffen ist für München. Dieser fantastische Fussballer muss sich dort der Herausforderung stellen und sich so aufdrängen, dass Guardiola nicht an ihm vorbeikommt.»

Sforza kann Hitzfelds Warnung nachvollziehen

Doch der neue Trainer Pep Guardiola sei halt ein internationaler Trainer, der den Markt europa- und weltweit kenne. In der Tat: Seit der Verpflichtung von Trainer Pep Guardiola vor zwei Jahren wurde die Fraktion spanischer Spieler in München immer stärker. Zu Javi Martínez, den schon Jupp Heynckes geholt hatte, gesellen sich mittlerweile Thiago, Xabi Alonso, Juan Bernat und zwischenzeitlich auch Ersatzkeeper Pepe Reina.

Thuns Trainer Ciriaco Sforza, ehemaliger Champions-League-Sieger unter Ottmar Hitzfeld mit den Bayern, sagt: «Unrecht hat Hitzfeld mit seiner Warnung an die Adresse der Bayern nicht.» Es bestehe in München schon die Gefahr, dass deutsche Spieler wie Mario Götze zu kurz kämen.

«Die Bayern werden Müller auch für 100 Millionen nicht verkaufen»

Sforza interpretiert Hitzfelds Warnung an die Bayern folgendermassen: «Die spanischen Spieler, die die Bayern zuletzt verpflichtet haben, kamen alle direkt aus dem Ausland. Früher war es bei den Bayern so, dass viele Ausländer von anderen Bundesligaclubs zu uns kamen. Also die deutsche Mentalität kannten und auch die deutsche Sprache bereits beherrschten. Ich denke da an Elber, der aus Stuttgart kam, oder an Pizarro, der aus Bremen kam.»

Sforza ist aber überzeugt, dass die Bayern die richtige Balance finden. «Deshalb bin ich felsenfest davon überzeugt, dass nach Bastian Schweinsteiger mit Thomas Müller nicht noch ein weiterer Weltmeister den Club zu Manchester United verlässt. Auch nicht für die kolportierten 100 Millionen Euro. Im Übrigen brauchen die Bayern auch kein Geld.»

Rummenigge widerspricht Hitzfeld

Müller sei als Münchner und deutscher Nationalspieler die Integrationsfigur bei den Bayern schlechthin. «Er ist nicht wegzudenken aus dieser Mannschaft. Zudem würde ein Verkauf Müllers für böses Blut im Umfeld der Bayern sorgen.»

Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge widerspricht Hitzfeld hingegen kategorisch. «Ich habe nicht den Eindruck, dass wir eine Identitätskrise haben. Das wird mir manchmal ein bisschen zu emotional diskutiert. Ich habe auch zur Kenntnis genommen, dass wir den einen oder anderen Spanier mehr haben. Aber die stehen uns alle gut zu Gesicht. Egal, ob das Thiago oder Xabi Alonso oder Juan Bernat ist, sie haben dem FC Bayern ein Stück mehr Qualität gegeben.»

«Es wird Stimmung gemacht»

Rummenigge hatte seine Meinung zum Thema Ausländer schon vor einem halben Jahr dezidiert kundgetan, weil er die aufkommende Kritik befürchtete. Damals schrieb er im Vereinsmagazin der Bayern: «Es wird Stimmung gemacht gegen unsere spanischen Spieler. Wir wollen ein weltoffenes und buntes Deutschland. Doch in einige Redaktionen scheint diese Erkenntnis noch nicht vorgedrungen zu sein. Dort endet die Vielfalt an den Aussenlinien der Fussballplätze. Stattdessen wird die nationale Fahne geschwungen.»

Erstellt: 24.07.2015, 12:31 Uhr

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