Hoarau, der «Ziggy Marley»

Der Fussballer als Sänger: Guillaume Hoarau in der Mühle Hunziken - eine Woche vor Büne Huber.

Mit Mikrofon statt Ball: YB-Stürmer Guillaume Hoarau in der Mühle Hunziken (Bild: Screenshot Instagramm/HoarauGuillaume)

Mit Mikrofon statt Ball: YB-Stürmer Guillaume Hoarau in der Mühle Hunziken (Bild: Screenshot Instagramm/HoarauGuillaume)

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Es war ein Heimspiel. Ein Zurückkommen. Ein intimer Abend am vielleicht schönsten Ort, an dem Musik und Kultur gelebt werden können, die Mühle Hunziken in Rubigen ist wie ein Brockenhaus. Innert Minuten waren die Tickets für den Auftritt von Büne Huber und seiner Band Patent Ochsner ausverkauft, halb Bern wäre wohl gern gekommen, und Büne schlief in der Nacht zuvor schlecht, weil er, der schon einige hundert Konzerte gab, so nervös war.

Das Publikum, das an diesem Ort beinahe auf der Bühne steht oder sitzt und ganz nahe und mit ungewohnter Sicht zusehen und zuhören kann, schwelgte und wäre am liebsten bis zum anderen Morgen geblieben und nicht nur drei Stunden bis elf Uhr nachts.

Unter den 500 hatte es an diesem Donnerstag nicht wenige, die schon eine Woche zuvor in die Mühle gekommen waren. Und jetzt von diesem Moment erzählten. Und staunten. Und beeindruckt waren. Und richtig schwärmten.

Von einem, der sonst auf anderen Bühnen spielt, in grossen Stadien, in kurzen Hosen, mit der 99 auf dem Rücken eines gelb-schwarzen Leibchens, und dort dank seinen Füssen und seinem Kopf, mit denen er Tore schiesst, bestaunt wird.

Aber jetzt war es die Stimme. Guillaume Hoarau, der Franzose, der auf der Insel La Réunion aufgewachsen ist, gab ein Konzert. Den Kopf von Bob Marley liess er auf ein Bein tätowieren; als er noch bei Paris St-Germain spielte, gab ihm Zlatan Ibrahimovic, der grosse Schwede, den Über­namen «Ziggy Marley» – und jetzt sang Hoarau nur Lieder von Marley. Er tat es, sagen die, die jetzt wegen Büne hier sind, sehr charmant, und sie jubelten ihm nicht nur zu, weil er der Fussballer Hoarau ist, sondern ebenso ein mehr als nur talentierter Musiker.

Er sei, sagt er, vorher nervös gewesen, nervöser als vor einem Penalty in der letzten Minute. «One Love», einer von Marleys grossen Hits, war das letzte Lied am Abend in der Mühle, seine Stimme sei jetzt etwas brüchig gewesen, wie auch die Beine eines Spielers müder werden.

Der Fussball gab zuletzt wiederholt ein hässliches Bild ab, mit Spielern, die ihre Tore mit einem militärischen Gruss an türkische Soldaten feierten, mit rassistischen Beschimpfungen durch Zuschauer. Doch zum Glück gibt es noch Typen wie Guillaume Hoarau. Er sei oft traurig, aber diese Augenblicke verarbeite er dann mit Musik.

Kurz vor Weihnachten gibt Hoarau im Bierhübeli in Bern ein nächstes Konzert. Er will Gäste einladen, auch Büne hat er angefragt.

Erstellt: 22.10.2019, 10:51 Uhr

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