Holt Real nach Ronaldo-Abgang Neymar?

Es dürfte diesen Transfer-Sommer zu einem brutalen Marktkampf kommen.

Der Mega-Transfer ist perfekt: Cristiano Ronaldo wechselt von Real Madrid zu Juventus Turin. (Video: Tamedia/AFP)

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Der wahrscheinlich spektakulärste Sommertransfer ist perfekt. Der fünfmalige Weltfussballer Cristiano Ronaldo wechselt von Real Madrid zu Juventus. Im Communiqué der Spanier hiess es, der Club habe «dem Willen und dem Ersuchen» des portugiesischen Europameisters von 2016 stattgegeben.

Über die Ablösemodalitäten wurde offiziell nichts bekannt. Die vertraglich festgeschriebene Ablöse belief sich auf eine Milliarde Euro, laut Juventus beträgt sie nun 100 Millionen Euro plus 12 Millionen Verwaltungskosten – was immer das heisst. Damit würde Real Madrid ziemlich genau die Summe wieder hereinholen, die der Club 2009 für den damals 24-jährigen Ronaldo an Manchester United bezahlt hatte.

Ein Zwist führte zum Abgang

Ronaldo hatte lange den Willen bekundet, seine Karriere bei Real ausklingen zu lassen. Es blieb ein Traum. Zu gross waren die Verwerfungen mit dem Vereinspräsidenten Florentino Pérez. Im Communiqué, das zwischen allen Parteien bis auf das letzte Komma abgestimmt war, drückte Real Madrid zwar «einem Spieler, der bewiesen hat, dass er der beste Spieler der Welt ist, und der eine der brillantesten Epochen unseres Clubs und des Weltfussballs geprägt hat», seinen Dank aus.

Tatsächlich hat Ronaldo mit Real 16 Titel geholt, darunter viermal die Champions League. Und Ronaldo selbst wandte sich in einem Brief an die Anhänger Reals: «Diese Jahre in Madrid waren wahrscheinlich die glücklichsten meines Lebens.» Doch trotz des verbalen Zellophans: Zwischen Ronaldo und Pérez stimmte schon seit geraumer Zeit nichts mehr.

Das Fass zum Überlaufen hatte Pérez’ Flirt mit dem Brasilianer Neymar gebracht. Die Reaktion Ronaldos soll nahezu biblisch gewesen sein: Du sollst keinen anderen Gott neben mir anbeten, signalisierte er – im übertragenen Sinne. Dazu kam, dass Neymar bei Paris Saint-Germain und auch Messi in Barcelona mehr als doppelt so viel verdienten wie Ronaldo. Das Gehalt des Portugiesen belief sich angeblich auf 23 Millionen Euro jährlich – netto.


Im Internet wird über die Neymar-Rolle gespottet. Video: Kathrin Egolf


Eine nicht unwesentliche Rolle spielte überdies, dass Ronaldo mit den spanischen Steuerbehörden im Clinch lag – und sich vom Club allein gelassen fühlte. Der Streit mit dem Fiskus kreiste um millionenschwere Werbeeinnahmen, die er durch Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen hatte schleusen lassen. Dem Vernehmen nach hat er sich mit den Behörden auf ein Schuldeingeständnis sowie eine Strafzahlung von etwas weniger als 20 Millionen Euro geeinigt.

Wer steht auf Reals Liste?

Die Gründe, die nun für Juventus sprachen, führte Ronaldo nicht aus. Sie haben aber mit der Reaktion des Turiner Publikums zu tun, das seinen famosen Fallrückzieher im diesjährigen Viertelfinalduell der Champions League mit einer Ovation quittierte. Kaum entschieden hat das Geld. In Italien soll Rolando rund 30 Millionen Euro jährlich erhalten, das hätte Real auch bezahlt.

Die spannende Frage ist nun, wie Real Madrid die Lücke schliessen will. Im Gespräch sind diverse Spieler. Beispielsweise der Belgier Eden Hazard, der Engländer Harry Kane oder der Franzose Kylian Mbappé. Doch kaum ein Spieler dürfte unter Marketingaspekten dem gewaltigen Wert Ronaldos näher kommen als Neymar. Er wechselte 2017 vom FC Barcelona für 222 Millionen Euro nach Paris.

Theoretisch kann er in diesem Sommer unter keinen Umständen wechseln. Aber das war auch bei Ronaldo die Annahme – bis gestern. Es darf also gewettet werden, dass es in diesem Sommer, in den nächsten Wochen, zu einem der brutalsten Marktkämpfe der Fussball-Geschichte kommen wird.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.07.2018, 09:28 Uhr

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