Hütter: «Um YB mache ich mir keine Sorgen»

Adi Hütter spricht über seinen Wechsel zu Eintracht Frankfurt und darüber, wie schwierig es ist, die Young Boys zu verlassen.

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Erfüllen Sie sich mit dem Wechsel zu Frankfurt ein Lebensziel?
Adi Hütter: Ich würde eher sagen, es ist ein Bubentraum, den ich verwirklichen darf. Ich hätte als Fussballer zu 1860 München gehen können, das habe ich nicht getan und später bereut. Deshalb war es für mich als Trainer immer klar gewesen, dass ich im Ausland tätig sein möchte. Der Wechsel zu YB war die mit Abstand beste Entscheidung in meiner Karriere.

Sie sagten immer, einmal in der Bundesliga arbeiten zu wollen.
Ja, das kommunizierte ich offen. Man muss hohe Ziele haben, und wenn man in Österreich und in der Schweiz Erfolg gehabt hat, ist es legitim, in die Bundesliga wechseln zu wollen. Bei so einem Transfer muss aber vieles passen, unter anderem das Timing.

Zuletzt ging es sehr schnell.
Das ist so. Es war ein wenig wie damals, als ich zu den Young Boys wechselte. Auch Frankfurt beschäftigte sich mit mehreren Trainern, wir führten gute Gespräche, am Wochenende konkretisierte sich der Wechsel. Eigentlich hätte ich am Mittwochabend letzte Gespräche in Zürich führen sollen, aber irgendwie ging die ganze Sache leider am Mittag medial raus, und so konnte ich die meisten Mitarbeiter und die Spieler bei YB nicht mehr persönlich informieren. Das tut mir leid. Das hätte ich gern anders machen wollen.

«Der Wechsel zu YB war die mit Abstand beste Entscheidung in meiner Karriere.»Adi Hütter

Wie schwer fällt es Ihnen, die Young Boys zu verlassen?
Brutal schwer, ich werde mit grosser Wehmut gehen. Das sage ich nicht nur so, weil es sich gut anhört. Es waren drei fantastische Jahre in Bern, ich hänge sehr an dieser Stadt und an YB, wir haben unglaublich schöne Momente erlebt, die Emotionen nach dem 2:1-Sieg gegen Luzern Ende April werde ich nie mehr vergessen. Im Fussball ist es aber nun mal so, dass es immer weitergeht. Ich hätte die Young Boys nicht verlassen, wenn ich nicht zu einem Verein wie Frankfurt hätte gehen können. Darum wechselte ich im letzten Herbst ja auch nicht zu Bremen, zumal meine Arbeit bei YB noch nicht beendet war. Heute ist die Ausgangslage anders.

Sie hätten auch Nationaltrainer in Österreich werden können...
...möglicherweise, aber das interessierte mich nicht, ich möchte täglich mit einem Team arbeiten.

Die Eintracht ist ein Traditionsclub, aber kein Spitzenvertreter in der Bundesliga. Wieso haben Sie sich für Frankfurt entschieden?
Es ist ein grosser Verein, den ich immer faszinierend fand. Bruno Pezzey, ein legendärer österreichischer Fussballer, spielte dort, als ich ein Kind war. Später agierte Frankfurt oft offensiv und spektakulär. Die Fanbasis ist gross, das Stadion ebenfalls, zudem ist die Wirtschaftskraft in der Region beachtlich, das Potenzial des Clubs ist riesig. Und mich verbindet auch eine persönliche Geschichte mit der Eintracht.

Welche denn?
Als wir mit Austria Salzburg 1994 den Final im Uefa-Cup gegen Inter erreichten, bezwangen wir im Viertelfinal Frankfurt. Ich schoss im Hinspiel das einzige Tor, im Rückspiel in Frankfurt gewannen wir nach Elfmeterschiessen. Das sind schöne Erinnerungen.

Der Meistertrainer wechselt auf die nächste Saison hin zu Eintracht Frankfurt. Video: Tamedia/Youtube

Frankfurt ist wie Bern kein einfaches Pflaster für einen Trainer, zudem spielte die Mannschaft zuletzt wohl ein wenig über ihren Möglichkeiten.
In der Bundesliga ist es laut, es ist eine attraktive Liga, das macht ihren Reiz ja aus. Wie gesagt: Die Möglichkeiten in Frankfurt sind sehr interessant. Es ging mir bei den Gesprächen mit den Verantwortlichen auch darum, ein Gespür zu entwickeln, ob das zwischen uns passen könnte. Und ich erhielt einen tollen Eindruck, nicht nur von Sportchef Fredi Bobic. Zudem ist es ein besonderer Vertrauensbeweis, darf ich einen Dreijahresvertrag unterzeichnen.

Und welche Spieler von YB ­nehmen Sie mit?
(lacht) So weit habe ich nicht gedacht, es ging alles so schnell...

...Frankfurt hat ein sehr breites Kader, benötigt aber in der Innenverteidigung Verstärkung. Kasim Nuhu wäre ein Kandidat.
Es hat bei YB einige Spieler, die gut genug für die Bundesliga sind. Aber darum geht es jetzt nicht. Wir sind in einem WM-Jahr, es kann viel passieren. Ich bin sicher, dass Frankfurt nächste Saison ein starkes Team haben wird.

«Ich brauche immer neue Herausforderungen, ich mag die Komfortzone nicht.»Adi Hütter

Es hätte überrascht, wären Sie in Bern geblieben, weil Sie in der Schweiz alles erreicht haben.
Das sehe ich anders. Die Champions League ist eine sehr interessante Herausforderung für YB. Zudem gilt es, die Leistungen zu bestätigen. Es wird mir schwerfallen, hier wegzugehen, aber ich bin ein Mensch, der neue Herausforderungen braucht. Ich mag die Komfortzone nicht.

Egal, wer kommt, Ihr Nachfolger in Bern kann nur verlieren.
Überhaupt nicht. Er wird ein starkes Team vorfinden und einen ausgezeichneten Staff um Sportchef Christoph Spycher, der grossartige Arbeit leistet. Diese Menschen sind mir ans Herz ­gewachsen. Um YB mache ich mir jedenfalls keine Sorgen.

Verpassen die Young Boys die Champions League, könnten Sie mit Frankfurt in der Europa League auf YB treffen.
Das hoffe ich nicht. Zudem muss Frankfurt den DFB-Pokal-Final gegen Bayern gewinnen, um europäisch spielen zu dürfen.

Sie bestreiten am 27. Mai den Cupfinal gegen Zürich. Welche Auswirkungen hat Ihr bevorstehender Abgang auf die Spieler?
Ich bin überzeugt, dass das keinen Einfluss haben wird. Wir absolvieren eine sehr starke Saison und sind in den letzten Wochen noch enger zusammengerückt. Die nächsten elf Tage gibt es für mich ohnehin nur YB, mit Frankfurt beschäftige ich mich erst danach. Es wäre wunderbar, das Double zu gewinnen, nur darum geht es nun. Es gab und gibt in diesen Tagen viel zu feiern in Bern, deshalb möchte ich zum Abschied unbedingt noch einmal eine grosse Party im Stade de Suisse erleben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.05.2018, 22:15 Uhr

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