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Der Trainer, der die Siegermentalität zelebriert

Thorsten Fink hat die FCB-Dynastie gestartet, Hamburg gerettet und sich in Österreich gestritten. Eines machte der neue GC-Trainer aber nie: die Faust im Sack.

Legte sich mit dem ORF-Moderator an: Der neue GC-Trainer Thorsten Fink. Video: Tamedia/ORF

Selbstvertrauen hat er. Kein Wunder, schliesslich stand Thorsten Fink zu seiner Aktivzeit 236-mal für Bayern München auf dem Platz und gewann 2001 unter Trainer Ottmar Hitzfeld die Champions League. Dieses Selbstvertrauen bewies er, als er vor der Finalissima um den Schweizer Meistertitel als FCB-Trainer gegen YB den 18-jährigen Xherdan Shaqiri als linken Aussenverteidiger brachte, und er zementierte es, als er bei seiner Präsentation als neuer HSV-Coach im Oktober 2011 sagte: «Ich bin ein Typ wie Jürgen Klopp.»

Auf Worte liess Fink Taten folgen. Mit Basel besiegte er YB 2:0, und mit dem zu diesem Zeitpunkt Tabellenletzten HSV blieb er die ersten neun Spiele ohne Niederlage (achtmal in der Bundesliga, einmal im DFB-Pokal). Der Deutsche mochte es, die Bayern-typische Siegermentalität gegen aussen hin zu zelebrieren.

«Puppe, du kommst mit»

Nach dem 7. Schlussrang in seiner ersten (und einzigen) kompletten Bundesliga-Saison gab Fink die Europa League als Saisonziel aus: «Wir können uns jetzt doch schlecht hinstellen und erzählen, dass wir uns gern auf Platz acht oder neun konsolidieren wollen.»

Er betonte gern, dass er von seinen Spielern forderte, jedes Spiel gewinnen zu wollen – und brachte einen Vergleich, der später zu den Sprüchen der Saison gehören sollte: «Wenn man in die Disco geht und die schönste Frau haben will und sagt: Hör mal, willst du mit mir gehen? So klappt das nicht. Man muss sagen: Hey, Puppe, ich bin der geilste Typ, du kommst mit mir! Man muss etwas wirklich wollen und das ausstrahlen.»

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Bilder: Die Trainerkarriere von Thorsten Fink

Thorsten Fink ist neuer GC-Coach: Der deutsche Trainer, inzwischen seit fast 30 Jahren im Fussball tätig, erlebte bereits als Spieler grossen Erfolg. Unter Ottmar Hitzfeld gewann er die Champions League und wurde viermal Meister in der Liga. Im Bild: Fink hebt den Pokal.(17. Mai 2003)
Thorsten Fink ist neuer GC-Coach: Der deutsche Trainer, inzwischen seit fast 30 Jahren im Fussball tätig, erlebte bereits als Spieler grossen Erfolg. Unter Ottmar Hitzfeld gewann er die Champions League und wurde viermal Meister in der Liga. Im Bild: Fink hebt den Pokal.(17. Mai 2003)
Michael Dalder, Reuters
Der Anfang seiner Trainerkarriere: Zuvor nur Co-Trainer bei Red Bull Salzburg, die erste Station als Coach brachte Fink wieder nach Bayern. Mit dem Drittligisten Ingolstadt stieg er auch in seiner ersten Saison auf.(15. April 2018)
Der Anfang seiner Trainerkarriere: Zuvor nur Co-Trainer bei Red Bull Salzburg, die erste Station als Coach brachte Fink wieder nach Bayern. Mit dem Drittligisten Ingolstadt stieg er auch in seiner ersten Saison auf.(15. April 2018)
Widmann Bongarts/Getty Images
Haarscharf: Über drei Jahre hinweg sass Fink auf der Bank der Veilchen. Eine Drittplatzierung und der Vizemeister wurden erreicht, der Titel blieb ihm und Austria Wien aber verwehrt.(24. Februar 2018)
Haarscharf: Über drei Jahre hinweg sass Fink auf der Bank der Veilchen. Eine Drittplatzierung und der Vizemeister wurden erreicht, der Titel blieb ihm und Austria Wien aber verwehrt.(24. Februar 2018)
Herbert P. Oczeret/APA
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Nun, so richtig wollte sie dann doch nicht: Nach bereits fünf Spieltagen musste Fink im September 2013 gehen – drei Niederlagen, davon ein 2:6 in Dortmund und 1:5 zu Hause gegen Hoffenheim waren der HSV-Vereinsführung zu viel. Sportdirektor Oliver Kreuzer sagte: «Man hatte nicht den Eindruck, dass er die Power hat, den Umschwung zu schaffen.»

Dieser Umschwung ist bis heute ausgeblieben: Der 7. Platz bleibt die beste Rangierung seit 2009 – heute steht der Traditionsclub kurz vor dem erstmaligen Abstieg aus der 1. Bundesliga. Trotz der Enttäuschung bewahrte Fink aber Anstand und verabschiedete sich mit den Worten: «Ich bin stolz, hier gewesen zu sein.»

«Man muss doch sagen können, was man denkt.»

Thorsten Fink, neuer GC-Trainer

Trotz der versöhnlichen Worte und seiner Erfolge in der noch kurzen Trainerlaufbahn (in seiner ersten Station bei Ingolstadt schaffte er den Aufstieg in die 2. Bundesliga) blieb Fink über zwei Jahre arbeitslos.

Im Januar 2015 unterschrieb er dann aber einen Halbjahresvertrag bei Apoel Nikosia. Trotz Tabellenführung wurde er nach einem 0:1 gegen Erzrivale Apollon Limassol zwei Runden vor Schluss nach 15 Spielen und einem Punkteschnitt von 1,73 entlassen. Deshalb gehört der anschliessende Meistertitel von Nikosia offiziell nicht zu seinem Palmarès.

Wutausbruch im ORF

Weniger diplomatisch als bei seinem Abschied aus Hamburg gab sich Fink in seiner Zeit bei Austria Wien. Während zweieinhalb Jahren (Juli 2015 bis Februar 2018) oder 130 Spielen stand er bei den Veilchen an der Seitenlinie, dabei erreichte er mit seinem Team einmal den dritten und einmal den zweiten Platz. Meister wurde jeweils Red Bull Salzburg. Dabei waren es die Niederlagen gegen den jahrelangen Dominator, die den selbstbewussten Fink besonders ärgerten.

Legendär ist sein Wutausbruch beim ORF nach dem 2:3 im Mai 2017, als er behauptete, der 2:2-Ausgleich sei ein irregulärer Treffer gewesen (siehe oben im Video). Unter anderem ätzte er, Moderator Rainer Pariasek habe keine Ahnung von Fussball: «Ist die Skisaison eigentlich schon vorbei?» Später legte Fink im «Blick» nach: «Man kann doch nicht immer die Faust im Sack machen. Man muss doch auch mal sagen können, was man denkt.»

Finks erster Frust im ORF: Der Fussballtrainer nervt sich wegen Moderator Rainer Pariasek. Video: Tamedia/ORF

Dabei bestätigte Fink, dass sich dieser Frust angestaut hatte. Denn schon ein Jahr zuvor, nach einem 0:2 gegen Salzburg, gerieten Fink und Pariasek aneinander. Der Fussballtrainer war der Meinung, dass sein Team unglücklich verloren habe, und als Pariasek anmerkte, dass die Austria auch höher hätte verlieren können, warf Fink genervt sein Mikrofon hin. Pariasek dürfte aufgeatmet haben, als Fink Ende Februar nach vier sieglosen Partien (drei Niederlagen in Folge) entlassen wurde.

Für Diskussionen sorgte der 50-Jährige im Frühling 2017 nicht nur wegen seines Ausrasters beim ORF, sondern auch wegen seines Flirts mit der alten Liebe FCB. Nachdem Raphael Wicky dann als Nachfolger von Urs Fischer vorgestellt worden war, bestätigte Fink dem «Blick» Kontakte mit der neuen Basler Vereinsführung – und eine spezielle Ausstiegsklausel für den FCB: «Ja, das kann ich heute guten Gewissens bestätigen. Mein Herz hängt an diesem Club.» Jetzt muss er ausgerechnet GC, den Erzrivalen seines Herzensvereins, vor dem Abstieg retten.

Und wie sieht sich Fink selbst? Und was hat er mit GC vor? Um 14 Uhr beginnt seine erste Medienkonferenz. Wir berichten live.

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