«Ich habe nichts gegen Federer – er ist mein Idol»

Im Weltfussball ist Gerard Piqué eine Grösse – im Tennis für viele eine Reizfigur. Was er mit dem Davis-Cup vorhat.

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Gerard Piqué ist ein viel beschäftigter Mann. Der Fussballprofi und Unternehmer pendelt in dieser Woche täglich zwischen Barcelona und Madrid. Vormittags steht das Training mit dem FC Barcelona an, dann fliegt er im Privatjet in die Hauptstadt zum neu geschaffenen Davis-Cup-­Finalturnier seiner Kosmos-Gruppe. Dort ist er Gastgeber, Chef, Repräsentant und prominentester Fan. Trotz des gedrängten Programms verspricht Laura Pérez de Mendiola, die Kommunikationsdirektorin von Kosmos, dass es klappe mit dem Interview mit dem 32-Jährigen, der die Tenniswelt spaltet.

«Irgendwann am Nachmittag», sagt sie. «Seien Sie bereit.» Sie ist ständig in Kontakt mit Piqué, mehrere Versuche scheitern in letzter Minute, weil dieser doch noch gebraucht wird oder jemanden trifft, der wichtig ist. Um halb elf Uhr abends klappt es doch noch. Derweil Rafael ­Nadal auf dem Court schwitzt, hat es sich Piqué in einem Raum in der Caja Mágica auf einem Stuhl bequem gemacht. Er ist chic gekleidet, in Anzug und schwarzen Schuhen, mit einem weissen, leicht aufgeknöpften Hemd. Die Haare schon leicht zerzaust nach einem langen Tag, aber er ist immer noch hellwach.

Es muss für Sie eine anstrengende Woche sein. Ist das jüngst die Geschichte Ihres Lebens?
(lacht) Ach, ich mag es, beschäftigt zu sein. In Projekte involviert zu sein, an die ich glaube, die mir am Herzen liegen. Der Davis-Cup ist eines davon. Aber natürlich ist mein Hauptjob immer noch, Fussball zu spielen. Deshalb trainiere ich auch täglich mit meinem Club. Und das ist ja nicht irgendein Club, sondern der FC Barcelona. Wir haben am Samstag ein Spiel, und das müssen wir gewinnen. Denn von uns wird erwartet, jedes Spiel zu gewinnen. Aber daneben bleibt noch Zeit für anderes. Das tut mir auch gut.

Sie sagten gegenüber «El País», während der Fussball-WM 2010 in Südafrika sei bei Ihnen in den vielen freien Stunden die Erkenntnis gereift, dass Sie noch mehr bräuchten, als Fussball zu spielen. Dachten Sie da auch schon an Tennis?
Nicht spezifisch an Tennis. Ich wurde mir einfach klar darüber, dass ich im Sport wirken möchte. Ich verstehe dieses Business gut. Und inzwischen habe ich ein grosses Netzwerk, ich kenne die Leute, die in den grossen Sportarten und Clubs die Fäden ziehen. Nachdem ich mir viele Dinge angeschaut, mir überlegt hatte, wo ich etwas bewirken könnte, landete ich beim Davis-Cup.

Den Davis-Cup zu revolutionieren, war ziemlich ambitiös. Hätten Sie nicht auch sonst ein Turnier übernehmen können?
Mich faszinieren Teamwettbewerbe. Besonders im Tennis, wo die Spieler sonst nur für sich selber spielen. Hier spielen sie für ein Team, für ihr Land. Das ist einzigartig. Deshalb reizte mich der Davis-Cup so sehr.

Sie wurden in der Tenniswelt nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Wie gingen Sie damit um?
Ich verstehe das total. Zum einen vertritt in der Tenniswelt jeder seine eigenen Interessen. Zum anderen hat der Davis-Cup eine lange Tradition. Da ist es verständlich, dass viele unserem Weg noch nicht vertrauen. Jetzt müssen wir die Leute einfach davon überzeugen. Und wenn ich sehe, was sich momentan abspielt auf dem Center Court, bestärkt mich das darin, dass wir das Richtige tun.

Sportler, Businessman und Pendler im Privatjet: Gerard Piqué fläzt sich in der Caja Mágica. Bild: Getty Images

Wenn Spanien spielt, ist das Stadion voll. Bei anderen Teams hält sich der Zuschaueraufmarsch aber bisher in Grenzen. Wie wollen Sie die Leute mobilisieren?
Wir wussten, das erste Jahr würde schwierig sein. Es braucht Zeit, den Leuten zu vermitteln, was das neue Format ist. Im ersten Jahr ist einfach einmal wichtig, dass alles funktioniert, wir diese Woche im Kalender verankern. Dafür haben wir sehr hart gearbeitet. Je mehr die Leute über diesen Wettbewerb wissen, desto mehr werden kommen. Ich bin sicher, dass in zwei, drei Jahren viel mehr Fans an den Austragungsort reisen werden, dass wir täglich volle Stadien haben werden.

Sie sind ja gewohnt zu polarisieren, wurden sogar im Nationalteam ausgepfiffen. Macht es Ihnen etwas aus, im Tennis für viele eine Reizfigur zu sein?
Ich will nicht, dass mich alle mögen. Das geht gar nicht. Sonst würde ich nur das sagen, was die Leute hören wollen. So bin ich nicht. Ich sage immer, was ich denke. Aber ich respektiere andere Meinungen. Ich erwarte allerdings auch, dass ich respektiert werde. Ich investiere sehr viel Zeit in den Davis-Cup, bringe viele Opfer. Aber das tue ich gerne, weil ich daran glaube. Nach dieser Woche werden wir schon besser dastehen als vorher. Und nächstes Jahr noch besser. Wir sind ständig am Lernen.

«Wenn ein Tennisspieler in den Fussball investieren würde, würde ich sofort meine Arme ausstrecken und ihm helfen.»

Kommen Ihnen als Businessman Qualitäten aus Ihrem Sportlerleben zugute?
Natürlich. Es wird kritisiert, dass ich als Fussballer ins Tennis eingedrungen sei. Aber ich finde, es ist viel besser, wenn sich ein Sportler im Sport engagiert als ein Businessman, der nur den Profit sieht. Ich verstehe die Spieler. Ich weiss, was sie brauchen, um sich wohlzufühlen an einem Turnier. Wenn ein Tennisspieler in den Fussball investieren würde, würde ich sofort meine Arme ausstrecken und ihm helfen.

Was ist Ihre Vision für den Davis-Cup? Sollte er an einem fixen Ort stattfinden oder an verschiedenen Standorten?
Wir glauben daran, dass es richtig ist, mit dem Wettbewerb an unterschiedliche Orte zu gehen. Der Davis-Cup gehört den Landesverbänden. Deshalb sollten diese auch davon profitieren können. Er muss reisen, sollte in Asien stattfinden, in Nordamerika, in Südamerika. Und natürlich wollen wir, dass er noch viel grösser wird. Wir glauben deshalb, dass ein Deal mit der ATP sinnvoll wäre. Es wäre besser für den Sport, wenn es nur einen Teamwettbewerb gäbe und nicht zwei. Wir sind bereit, mit der ATP zusammenzusitzen. Jetzt, da sie ja einen neuen Präsidenten bekommt (Andrea Gaudenzi), werden wir das tun. Denn es war schwierig in diesem Jahr, weil die Position des abtretenden Präsidenten (Chris Kermode) nicht wirklich klar ist.

Das heisst konkret, Sie möchten das Davis-Cup-Finalturnier und den neu geschaffenen ATP-Cup zusammenführen?
Wir wollen mit der ATP zusammensitzen und eine Lösung finden. Ich weiss nicht, wie die genau aussehen wird. Wir sind offen. Aber wir müssen miteinander reden.

Roger Federer ist in Madrid nicht am Start. Von Piqués Reformplänen ist er nicht begeistert.

Apropos reden: Wieso hatten Roger Federer und Sie einen solch schlechten Start?
Ich traf mich ein paar Mal mit seinem Agenten (Tony Godsick) und hatte eigentlich das Gefühl, die Beziehung sei gut. Vielleicht gab es Missverständnisse. Sie sehen den Davis-Cup vielleicht als Konkurrenten zu ihrem Laver-Cup. Das sehe ich nicht so. Der Davis-Cup hat eine 119-jährige Geschichte, der Laver-Cup ist eine grossartige Exhibition, die es seit drei Jahren gibt. Ich habe überhaupt nichts gegen Federer, im Gegenteil. Er ist eines meiner Idole. Aber im Tennis spielen so viele Interessen. Das macht es manchmal nicht einfach.

Sie sagten kürzlich, von Kosmos sei noch viel mehr zu erwarten, auch in anderen Sportarten. Was genau?
Es gibt viele Wettbewerbe in unterschiedlichen Sportarten, die sehr alt und auch etwas eingerostet sind, weil sie sich nicht verändert haben. Indem man sie modernisiert, kann man sie wieder grösser machen. Auch wenn das einigen wehtut. Und wir wollen mit Kosmos auch bei Clubs involviert sein – ob das im Fussball oder im Basketball ist.

Wie ist Ihre persönliche Beziehung zum Tennis?
Mein Vater nahm mich als kleiner Junge ans Turnier in Barcelona mit, ich war früh fasziniert vom Tennis und spielte selber. Aber ich kam an einen Punkt, an dem ich mich zwischen Fussball und Tennis entscheiden musste. Ich wählte Fussball. Das war keine schlechte Entscheidung.

Wären Sie auch im Tennis gut geworden?
Ich würde gerne denken, dass ich auch im Tennis gut geworden wäre. Aber vielleicht ist das auch eine Illusion. Ich spiele heute noch gerne, aber ich komme nur noch selten dazu.

Ihre beiden Söhne werden aber Fussball spielen, nicht Tennis?
Der Grössere ist mehr der Fussballspieler. Dem Jüngeren gefällt das Tennis besser. Aber sie sind noch jung.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:

Erstellt: 20.11.2019, 20:11 Uhr

Piqués zwei Welten

Gerard Piqué (32) ist ein guter Pokerspieler. Das muss man auch sein, wenn man verspricht, den Davis-Cup für drei Milliarden Dollar für 25 Jahre zu übernehmen. Im August 2018 stimmten die Landesverbände mit 71,4 Prozent zu, in Madrid geht jetzt das neue Finalturnier mit 18 Nationen über die Bühne. Piqué ist Erfolg gewöhnt. Der Innenverteidiger wurde mit Spanien Weltmeister (2010), Europameister (2012) und gewann mit Barcelona dreimal die Champions League. Sein Vertrag läuft bis 2022. Daneben ist er mit seiner Kosmos-Gruppe mit dem potenten Geldgeber Rakuten, dem drittgrössten Internethändler der Welt, am Expandieren. In seinem Haushalt ist er aber punkto Bekanntheit nur die Nummer 2: Er ist liiert mit der kolumbianischen Pop-Rock-Sängerin Shakira und hat mit ihr die Söhne Milan (6) und Sasha (4). (sg.)

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