«In der Kabine herrschte eine Stimmung wie an einer Beerdigung»

Nach der Barrage-Pleite gegen Schweden treten nach Buffon weitere Spieler aus dem italienischen Nationalteam zurück.

«Es tut mir leid»: Gianluigi Buffon mit Tränen nach dem Barrage-Out gegen Schweden.
Video: Max Rossi/Reuters

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Italien fährt erstmals seit 60 Jahren nicht zur Fussball-WM. Das 0:0 gegen Schweden in Mailand am Montag hatte das Ausscheiden für die Endrunde 2018 besiegelt.

«In der Kabine herrschte eine Stimmung wie an einer Beerdigung», sagte De Rossi, der 117 Länderspiele bestritt, gegen Schweden im San Siro aber nur auf der Bank sass. Wie Gianluigi Buffon und der 36-jährige Barzagli (73 Länderspiele) war auch der 34-jährige De Rossi Teil der Mannschaft, die 2006 in Deutschland den vierten und bislang letzten WM-Titel für Italien holte.

«Ich bin traurig, dass meine Nationalmannschaftskarriere so endet», sagte die 39-jährige Goalie-Koryphäe nach dem 0:0 im Playoff-Rückspiel der Italiener in Mailand gegen Schweden im italienischen Fernsehen. In seinem 175. Spiel für sein Land verpasste Buffon seine sechste WM-Teilnahme.

Buffons Nachfolger steht fest

Mit Milans 18-jährigem Stammgoalie Gianluigi Donnarumma steht Buffons Nachfolger in der «Squadra Azzurra» bereit. Buffon hatte das italienische Tor in den letzten 20 Jahren gehütet.

Bildstrecke: Presseschau zur Pleite Italiens

Der italienische Nationaltrainer Gian Piero Ventura hat sich nach dem Verpassen der WM in Russland derweil noch nicht über seine Zukunft geäussert. «Ich trete nicht zurück, weil ich noch nicht mit dem Präsidenten gesprochen habe. Es gibt zahlreiche Überlegungen», sagte Ventura laut der Nachrichtenagentur Ansa. «Ich fühle mich danach, mich bei den Italienern zu entschuldigen – für das Ergebnis, nicht für unsere Anstrengungen.»

Überlegen, aber torlos

Das 0:0 gegen Schweden in Mailand am Montag hatte das Ausscheiden Italiens für die WM-Endrunde 2018 besiegelt. Der Präsident des italienischen Fussballverbandes, Carlo Tavecchio, wollte sich nach dem Spiel 48 Stunden Bedenkzeit nehmen und erst dann über Konsequenzen entscheiden. Die verpasste Qualifikation wollte er zunächst nicht kommentieren.

Das Hinspiel hatten die Skandinavier drei Tage zuvor 1:0 gewonnen. Bei hitziger Atmosphäre im legendären San Siro übernahmen die Gastgeber von Trainer Gian Piero Ventura schnell die Initiative und drängten auch ohne den gelbgesperrten Spielmacher Marco Verratti auf den Führungstreffer. Jedoch taten sie dies bis zuletzt trotz drückender Überlegenheit ohne Erfolg. Das dritte 0:0 im dritten europäischen Playoff-Rückspiel ist gleichbedeutend mit Italiens erstmaligem Verpassen einer WM-Endrunde seit 60 Jahren. 1958 hatten die Italiener an den Titelkämpfen das einzige Mal gefehlt; 1930 hatten sie freiwillig auf eine Teilnahme verzichtet.

Schweden in der Verteidigung

13:1 Schüsse und 75:25 Prozent Ballbesitz notierten die Statistiker am Ende. Die Italiener, von Trainer Gian Piero Ventura wiederum in einer 3-5-2-Formation aufs Feld geschickt, waren klar überlegen und bis zuletzt am Drücker, doch das für die Verlängerung benötigte eine Tor gelang ihnen nicht. Nicht zum ersten Mal in der jüngeren Vergangenheit offenbarten die Italiener in der entscheidenden Zone Probleme mit dem letzten Pass.

Video: Aus für Italien

Wegen der Barrage-Pleite gegen Schweden gibt es keine WM 2018 mit Italien.

Ciro Immobile kam dem Torerfolg in der 40. Minute am nächsten, als er Schwedens Keeper Robin Olsen zwischen den Beinen hindurch überwand, der abgelenkte Ball es aber nicht über die Torlinie schaffte. Eine Vielzahl weiterer (Halb-)Chancen, darunter in der Schlussphase ein Volley des eingewechselten Stephan El Shaarawy (87.) und ein knapp daneben gegangener Kopfball von Marco Parolo (88.), führte ebenfalls nicht zum Erfolg.

Die Schweden ihrerseits waren weitestgehend mit dem Verteidigen ihres kleinen Hinspiel-Polsters beschäftigt. Zweimal monierten sie im italienischen Strafraum nicht zu Unrecht ein Handspiel, das aber vom spanischen Referee Antonio Mateu Lahoz nicht geahndet wurde. Auf der Gegenseite blieb die Pfeife bei zwei ähnlich strittigen Zweikampfszenen stumm.

«Tutto o niente» hatte die «Gazzetta dello Sport» am Matchtag in grossen Lettern getitelt, die folgenden neun Seiten dem Spiel der Spiele gewidmet, in dem es die Apokalypse – «l’Apocalisse» – zu vermeiden galt. Der Druck spornte die Squadra gleichermassen an, wie er sie in den wichtigsten Momenten lähmte. Am Kampf fehlte es nicht, aber an der Coolness. Neun Gelbe Karten manifestierten das ruppige Spiel.

Gegenüber dem 0:1 drei Tage zuvor in Schweden nahm Italiens umstrittener Trainer drei Änderungen vor: Für den gesperrten Verratti sowie den in Schweden ohne entscheidende Impulse gebliebenen Routinier Daniele De Rossi rückten Jorginho und Andrea Florenzi ins Mittelfeld, im Sturm begann Manolo Gabbiadini für Andrea Belotti neben Ciro Immobile. Auch die Umstellungen behoben Italiens Offensivmanko nicht.

Venturas Vertrag war erst im August verlängert worden. Er sollte die Mannschaft bis zur Europameisterschaft 2020 führen. Zuletzt fand 1958 eine WM ohne Italien statt. Tavecchio stand schon vor dem Spiel am Montag in der Kritik. Gegen ihn waren Rücktrittsforderungen laut geworden für den Fall, dass sich Italien erstmals seit 60 Jahren nicht für die WM qualifizieren sollte.

Erstellt: 14.11.2017, 09:56 Uhr

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