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Infantino dürfte Mutko zum Rücktritt drängen

Witali Mutko soll demnächst als ­Präsident des russischen Verbandes abtreten. Derweil ­kommen aus England neue Vorwürfe gegen die Fifa.

Bessere Zeiten: Mittlerweile scheint Gianni Infantino (rechts) doch ­etwas Distanz zu Witali Mutko (links) zu suchen.
Bessere Zeiten: Mittlerweile scheint Gianni Infantino (rechts) doch ­etwas Distanz zu Witali Mutko (links) zu suchen.
Alexander Zemlianichenko, Keystone

Anfang Dezember war Gianni Infantino noch friedlich neben Witali Mutko gesessen. Bloss etwas hilflos gelächelt hatte der Präsident des Weltfussballverbandes Fifa, als Mutko in seiner Rolle als Chef des Organisationskomitees der WM 2018 während zehn Minuten jegliche Vorwürfe bestritt, Russland habe Staatsdoping betrieben.

Inzwischen scheint Infantino doch ­etwas Distanz zu Mutko zu suchen. Der oberste WM-Organisator war nicht nur Sportminister, als Russland flächendeckendes Doping einführte. Er ist derzeit auch Russlands Vizeministerpräsident und Präsident des russischen Fussballverbandes RFS. Zumindest die letzte Funktion soll Mutko am 26. Dezember aufgeben. Das erklärte Alischer Aminow gegenüber dieser Zeitung. Ami­now versuchte selbst mehrfach, Präsident des RFS zu werden, und gilt als bekanntester Kritiker des russischen Verbandes.

Laut Aminow wurde Mutko von ­Infantino zum Rücktritt aufgefordert. Offiziell solle Mutko sein Amt aber freiwillig abgeben. Als Grund dürften nicht die Dopingvorwürfe gegen Mutko ins Feld geführt werden, sondern ein von der Fifa-Charta verbotener Interessenkonflikt zwischen Sport und Politik, in dem Mutko als Verbandspräsident und Vizeministerpräsident steckt.

Aus demselben Grund war er bereits im März nicht mehr zur Wahl in den Fifa-Rat zugelassen worden, das wichtigste Gremium des Weltverbandes. Die Fifa machte gestern keine Aussage dazu, ob ihr Präsident Mutko den Rücktritt nahegelegt hat oder nicht.

Die Russlandreise des Fifa-Arzts

Etwas weiter zurück liegt ein Fall, den der «Guardian» wieder aufgenommen hat. Im November 2016 war der damalige Fifa-Chefmediziner Jiri Dvorak nach 22 Jahren im Dienst ohne Begründung entlassen worden. Laut «Guardian» wurde Dvorak gekündigt, weil er nach dem aufgeflogenen russischen Staatsdoping auf eigene Faust Nachforschungen angestellt und vom russischen Verband eine Stellungnahme angefordert hatte. Nach ­Informationen dieser Zeitung ist Dvorak tatsächlich nach Russland gereist und soll daraufhin im Haus der Fifa riesigen Ärger bekommen haben. Der Weltverband bestreitet diese Vorgänge. Sein Abgang habe «absolut keinen Einfluss» gehabt auf die Ermittlungen, auch weil Dvorak nicht alleine, sondern zusammen mit der Anti-Dopingeinheit der Fifa aktiv wurde. Nach Dvoraks Ausscheiden habe diese Einheit ihre Arbeiten weitergeführt.

Dem «Guardian» sagte Dvorak bloss, er sei unglücklich über die Art der Trennung. Gegenüber dieser Zeitung wollte er sich nicht äussern. Prof. Dr. med. Dvorak ist auf dem Spitalplatz Zürich eine Kapazität. Er arbeitet seit Jahren in der Neurologieabteilung der Schulthess-Klinik, früher als Chefarzt, nun als Senior Consultant. Er stiess 1994 zur Fifa und war Vertrauensperson von Sepp Blatter.

Der Grund für Dvoraks gesteigertes Interesse am russischen Fussball: Bei den ­Ermittlungen rund um das russische Staatsdoping kamen zwei Listen mit Fussballern zum Vorschein: eine mit 34 Profis, darunter das gesamte russische WM-Kader 2014, und eine mit 154 verdächtigen Proben. Weil es derzeit bei den Tests in Lausanne Engpässe gibt und die Proben aus den Winterspielen von Sotschi Priorität haben, werden die Fussballerproben laut Fifa frühestens Mitte Januar untersucht.

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