Infantinos nächster Kollateralschaden

Der Afrika-Cup soll künftig wieder im Winter stattfinden. Vereine wie Liverpool sind erzürnt – doch der Fifa-Chef will eine freie Sommerbühne für sein Wunschprojekt.

Verärgert die Clubs mit seinem Vorgehen: Gianni Infantino.

Verärgert die Clubs mit seinem Vorgehen: Gianni Infantino. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Jürgen Klopp spricht von einer «Katastrophe» und ahnt, was dahintersteckt. Gerade verschiebt Afrikas Fussballverband CAF seine Erdteil-Meisterschaft, den Afrika-Cup, vom Sommer in den Januar/Februar – was verheerend für Liverpool und andere Topclubs ist, weil dann die afrikanischen Starspieler mitten in der Saison über Wochen fehlen.

Richtig ist auch Klopps Verdacht, dass nicht, wie behauptet, die grosse Sorge um die Gesundheit der Profis der Grund ist, sondern eine Wirtschaftsintrige. Tatsächlich traf den Beschluss, wie üblich ohne Abstimmung, der Weltverband Fifa. Und nur formal der CAF, der seit August aus der Züricher Fifa-Zentrale ferngesteuert wird. Der Weltverband räumt damit den Weg frei für Gianni Infantinos Machtspiele.

Der Fifa-Chef bastelt an seinem ganz persönlichen Wunschtraum, die Filetstücke der Milliardenindustrie Fussball in ein Geschäftsmodell mit potenten Investoren zu buttern. In ein Konstrukt, das Fifa und andere mit ihren Rechten vergolden, in dem sie aber wenig zu melden hätten – ausgenommen natürlich Infantino, der dort als Chef fungieren soll. So war es vorgesehen bei einem bizarren Milliardendeal, den Infantino 2018 an allen Amtsträgern vorbei mit Investoren ausgeheckt hatte. So sieht auch sein nächster Anlauf aus: Ganz ungeniert umwirbt er den (neben der WM) geldwertesten Bereich des Fussballs, der ihn nur leider gar nichts angeht: die Spitzenclubs in Europa.

Erste Schritte zur globalen Superliga

Infantino schiebt mit Hilfe eines anderen Allmachts-Träumers, Florentino Pérez von Real Madrid, eine globale Superliga unter dem Fifa-Schirm an, die die Champions League der Uefa zerstören würde. Erste Schritte sind getan. Mit Pérez gründete er eine Welt-Clubvereinigung. Die Club-WM 2021 liess er von sieben auf 24 Teams aufblähen – und schob eine Ausschreibung hinterher, die den Interessenten Seltsames auftrug: Sie sollten Konzepte für ein globales Clubturnier vorlegen! Weil der als Ausschreibung getarnte Ideenwettbewerb lächerliche 14 Tage lief, ist Experten klar, dass hier Offenheit nur simuliert wurde und Infantino seine Wunschpartner längst an der Hand hat.

Nun wird klar, warum die Fifa zudem die Regie über den CAF an sich riss (Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura thront seit August über dem Verband, den der schwer korruptionsbelastete Ahmad Ahmad aus Madagaskar ins Chaos gesteuert hatte). Im Oktober kündigte der CAF überraschend seinen lukrativen Rechtevertrag mit der Agentur Lagardère. Der Pariser Medienkonzern hatte dem CAF zwar insgesamt eine Milliarde Dollar zugesichert. Bloss: Einer Verlegung des Afrika-Cup hätte er nicht zugestimmt. Nun will Lagardère 90 Millionen Dollar Kompensationszahlung einklagen – und streut genüsslich, wie schwer sich CAF/Fifa bei der Suche nach einem neuen Rechtepartner tun. Denn das Termingeschacher um den Afrika-Cup stösst Interessenten ebenso ab wie die jähe Vertragskündigung.

Warum all das? Nicht nur Jürgen Klopp bezweifelt stark, dass Infantinos jüngstes Solo auf der Sorge um die Gesundheit afrikanischer Kicker beruht. Vielmehr ist es ja so, dass der Afrika-Cup 2021 Infantinos Wunschprojekt, der Club-WM in China, terminlich im Weg stünde. Der Rummel um dieses Turnier mit Teams aus Neuseeland, Honduras oder Uganda wird sich eh im Rahmen halten, umso wichtiger ist es, die Sommerbühne 2021 besenrein zu fegen. Also weg mit dem Afrika-Cup! Zurück damit in den Winter! Und sei der Kollateralschaden auch noch so gross.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Hier finden Sie alle Folgen an einem Ort.

Erstellt: 21.01.2020, 19:58 Uhr

Artikel zum Thema

Er regiert wie ein Sonnenkönig

In den ersten drei Jahren hat Gianni Infantino vor allem gezeigt, nicht besser als sein Vorgänger Sepp Blatter zu sein. Trotzdem wird er als Fifa-Präsident bestätigt. Mehr...

Die Milliarden-Intrige

25 Milliarden Dollar für die Fifa! Aber was wollen die Geldgeber dafür? Wie Chef Gianni Infantino heimlich den endgültigen Ausverkauf des Welt-Fussballs vorbereitet. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Klebriger Protest: Eine PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) Aktivistin protestiert im Vorfeld der Mailänder Fashion Week gegen die Lederindustrie indem sie sich mit schwarzem Schleim übergiesst. (18. Februar 2020)
(Bild: Flavio Lo Scalzo) Mehr...