Italien trauert – und fragt nach dem Warum

Der plötzliche Tod von Fiorentina-Captain Davide Astori bewegt den Fussball auch über die Landesgrenzen hinaus. Und er lässt Fragen offen.

Sein Tod löst in Italien Bestürzung aus: Davide Astori starb in der Nacht auf Sonntag im Hotelzimmer.

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«Ciao Grande Asto», so beginnt die lange Nachricht von Davide Astoris Verteidiger-Kollege Leonardo Bonucci. Er beschreibt den am Sonntag plötzlich verstorbenen Captain der AC Fiorentina als loyal, ehrlich und demütig. Sie hätten oft zusammen gelacht und gescherzt in den Trainingscamps der Nationalmannschaft, Bonucci schliesst mit: «Du bist ein guter Freund, wirst mir fehlen. Leo.»

Bonuccis Instagram-Botschaft ist einer von zahlreichen Versuchen von Fussballern, Worte zu finden für etwas, womit nicht zu rechnen war. Die überraschende Nachricht überrollte Italien und traf das Land mitten im Wahlkampf, der zeitweise sogar etwas in Vergessenheit zu geraten schien. Alle Serie-A-Partien vom Sonntag wurden abgesagt, darunter das ausverkaufte «Derby della Madonnina», das Spiel zwischen den beiden Mailänder Vereinen AC und Inter. Alle italienischen Mannschaften werden in den Spielen vom kommenden Wochenende einen Trauerflor tragen.

«Ciao Capitano. Für immer bei uns.» Fans hängen ein Plakat auf. Bild: Keystone

Italien rätselt

Die italienischen Medien suchen nach dem ersten Schock verzweifelt Antworten auf eine Frage: Wie? Wie konnte das passieren? Die erste Diagnose Herzinfarkt, sie passt so gar nicht zu Fussballprofi Astori, einem Mann der topfit war, der weder rauchte noch dafür bekannt war, sich oft dem Alkohol hinzugeben. Astori galt als Vorzeigeprofi, pflicht- und verantwortungsbewusst. An diesem Wochenende hätte er bei der Fiorentina einen neuen Vertrag unterzeichnen sollen.

Bilder: Fiorentina-Captain Davide Astori

Die körperliche Fitness und der gesunde Lebensstil Astoris schliessen einen Herzinfarkt natürlich nicht komplett aus. Allein in Deutschland sterben jährlich etwa 900 Sportler an einem Herztod. Athleten auf Astoris Niveau werden aber ständig überwacht, ihre Werte minutiös erfasst. Stress und Wut könnten weitere Ursachen sein, seit Jahren wird auch ein Zusammenhang zwischen plötzlichen Herztoden und Doping vermutet. Zudem möglich: frühere Fälle in der Familie, Herzkrankheiten können vererbt werden. Bisher war eine solche bei Astori nicht bekannt, eine Obduktion steht aber noch aus.

Nicht der erste Fall

Astoris Fall ist nicht der erste im Profifussball. Auf ähnlich grosser Bühne bleibt das Ableben von Marc-Vivien Foé in Erinnerung. Der Kameruner starb im Juni 2003 während eines Spiels des Confed-Cups in Lyon gegen Kolumbien. Er war damals 28, drei Jahre jünger als Astori. Bei Foé, zuletzt bei Manchester City unter Vertrag, wurde eine möglicherweise angeborene Herzvergrösserung festgestellt, so die Staatsanwaltschaft der Stadt Lyon.

Frankreichs und Kameruns Spieler nach dem Final des Confed-Cups. Bild: Keystone

Auch Italien musste sich erst vor einigen Jahren von einer Tragödie auf dem Fussballplatz erholen. Piermario Morosini, einst ein italienischer Junioren-Nationalspieler, starb im April 2012 beim Spiel seiner Mannschaft Livorno gegen Pescara. Auch damals wurden alle Serie-A- und Serie-B-Spiele des Wochenendes abgesagt, der ehemalige Teamkollege und das Udinese-Idol Antonio di Natale unterstützt seither Morosinis geistig behinderte Schwester Maria Carla finanziell.

Angst, Fassungslosigkeit, Verzweiflung. Die Spieler Livornos, während Teamkollege Morosini im Hintergrund behandelt wird. Bild: Keystone

Zurück zu Astori: Der Italiener wird nicht nur in der Innenverteidigung der Fiorentina eine Lücke hinterlassen. Er war ein allseits beliebter Spieler, Leonardo Bonucci ist nicht der Einzige, der ihn einen guten Freund nannte. In solchen Momenten gerät der Fussball in den Hintergrund, oder wie es Gennaro Gattuso, früher ein Raubein auf dem Platz, heute Trainer der AC Milan, ausdrückte: «Ich kann nicht ans Derby denken nach einer Tragödie wie dieser. Ich kann nicht. Bitte sagt alle Partien ab. So verliert alles an Sinn. Ciao Davide.»

Erstellt: 05.03.2018, 12:41 Uhr

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