Zorro im Letzigrund

Von einem schlauen Fuchs, der erfinderisch wird, um in ein Fussballstadion zu kommen.

Das Objekt der Begierde: Das Eintrittsticket zur Partie FCZ gegen Napoli. Bild: ZVG

Das Objekt der Begierde: Das Eintrittsticket zur Partie FCZ gegen Napoli. Bild: ZVG

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Nach langer Zeit treffen sich Bruno, der Werber mit den ergrauten Haaren, und Luca, der Architekt, wieder einmal zu einem Espresso in ihrem Bistro im Zürcher Seefeld. Die Berlinerin hinter der Bar begrüsst sie laut und so, als wären sie noch jeden Morgen hier. «Wie immer, oder?», ruft sie, kaum sind die beiden eingetreten, und bevor sie sich richtig gesetzt haben, haben sie die Tassen vor sich stehen. Sie sind auffallend gut gelaunt.

Bruno greift bald in seine Vestontasche, nimmt ein Couvert hervor und steckt es Luca hin: «Da, schau!» Stolz zeigt er sein Ticket für das Spiel des FC Zürich gegen Napoli, im Sektor C, 70 Franken habe er bezahlt. Und Bruno erzählt, wie er an diesem Morgen bei der FCZ-Geschäftsstelle am Stauffacher angestanden sei, morgens um sieben schon, bei bitterer Kälte. Die Warteschlange sei lang gewesen, aber er habe eines gekriegt, als einer der Letzten. 24000 Zuschauer werden am Donnerstag im Letzigrund sein, das Stadion ist ausverkauft.

Jetzt schmunzelt Luca. Er habe auch überlegt, sich um ein Ticket zu kümmern, doch dann sei ihm ein Buch in den Sinn gekommen, das er vor langer Zeit gelesen habe, «Also sprach Bellavista» des italienischen Schriftstellers Luciano De Crescenzo, es wurde später auch verfilmt. Es sei ein wunderbares Buch über Neapel, Liebe und Freiheit mit vielen Geschichten aus dem Alltag dieser verrückten Stadt.

Ein schlauer Fuchs

Eine handelt von Zorro, dem König der Einbrecher, der es immer schafft, umsonst zu den Spielen der SSC Napoli zu kommen. Er gibt sich beispielsweise als offizieller Begleiter der Schiedsrichter aus, kommt so ungehindert ins Stadion und regt sich dann auf, dass für ihn auf der Ehrentribüne kein Platz reserviert ist.

Ein anderes Mal hat Zorro einen Krankenwagen geklaut, ist mit heulenden Sirenen zum San Paolo gefahren, sie haben ihm sofort das grosse Tor geöffnet, und im Krankenwagen sass auch seine ganze Familie, die er so ebenfalls ins Stadion schleusen konnte. «Es gibt noch andere Beispiele, Zorro, spanisch für Fuchs, ist bei jedem Spiel dabei», schreibt De Crescenzo, der sich Fussballspiele am liebsten zu Hause anschaut, weil man, so sagt er, die schönen Dinge der Welt alleine geniessen soll.

«Was willst du mir damit sagen?», fragt Bruno. Luca schaut ihn an, die Berlinerin hat inzwischen einen zweiten Espresso an den Bistrotisch gebracht, ungefragt, und Luca sagt nur, verdrückt dabei sein Lächeln: «Denk einfach an mich, wenn du am Donnerstag auf der Tribüne im Letzigrund die Sirene eines Krankenwagens hörst.»

Erstellt: 12.02.2019, 07:46 Uhr

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