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Jacobi tritt bei GC ab

Der 51-Jährige gehört nicht mehr zum Verwaltungsrat der Grasshoppers. Er glaubt, dass ein starker Investor für den Club auch in Zürich zu finden sein müsste.

Stav Jacobi ist nicht mehr GC-Verwaltungsrat. (Bild: Keystone)
Stav Jacobi ist nicht mehr GC-Verwaltungsrat. (Bild: Keystone)

Stav Jacobi ist sich als Verwaltungsrat von GC zuletzt vorgekommen, als sitze er nur noch auf dem Rücksitz eines Autos. Aber passive Rollen widerstreben einem wie ihm, der gerne Einfluss nimmt und das Tempo diktiert, nur ging das in diesem Fall nicht mehr. Nicht, weil GC ihn gebremst hätte, sondern weil er sich selber eingestehen musste: «Ich war total überlastet. Ich konnte mich nicht mehr eingehend mit den Themen beschäftigen. Darum entschloss ich mich, die Konsequenzen zu ziehen.» Das bedeutet: Er hat sein Mandat niedergelegt. Die Zürcher haben ihn bereits verabschiedet.

Jacobis Leidenschaft gehört dem Volleyball, Volero Zürich ist sein Kind. Das Spitzenteam wurde inzwischen auf Volero Le Cannet umgetauft und ist an die Côte d’Azur umgezogen. Als Unternehmer hat er es zu einem Vermögen gebracht, und Ideen hätte er eigentlich auch für GC noch genügend. Aber eben, da tut sich das Problem auf: die Zeit.

Der Helfer auf offener See

Im Mai 2015 hatte GC ihm einen Sitz im Verwaltungsrat schmackhaft gemacht. Seine Absicht war es nicht, mit Geld behilflich zu sein, sondern mit seinen Erfahrungen. Aber er tat es dann doch, weil er sich auf einem nicht mehr hochseetauglichen Schiff wähnte, das auf offenem Meer trieb und dem der Untergang drohte. «Als die Sandsäcke nicht mehr reichten, um die Löcher zu stopfen, konnte ich nicht sagen: Sorry, ist nicht mein Problem», sagt der 51-Jährige, «da musste ich helfen.»

Er schoss Geld ein. Ob sich seine Ausgaben im siebenstelligen ­Bereich bewegen, will er nicht ­sagen. Er kürzt das Thema lieber ab: «Es war mehr, als es sein sollte – zu Lasten von Volero. Ich half GC einfach, sich über Wasser zu halten.»

Das wird es jetzt nicht mehr geben. Jacobi ist weg, er ist «mit einem guten Gefühl» gegangen: «Ich habe in einem sehr guten Gremium gearbeitet, das hat auch Spass gemacht.» Er findet auch, dass der Zustand des Clubs nicht ganz so desaströs sei, wie er oft lesen müsse. Trotzdem ­erkennt er dringenden Handlungsbedarf und empfiehlt, die Verhältnisse unter den drei Besitzern zu klären. Die Eigentümer, das sind Präsident Stephan Anliker sowie Peter Stüber und Heinz Spross, sie teilen sich 90 Prozent der Aktien. «Aber es ist offensichtlich, dass sie sich untereinander nicht verstehen», sagt Jacobi, «sie müssen eine ­Lösung finden.» Seine bildliche Erklärung dazu: «Wenn eine Tasse einmal zerbricht, kann man sie zusammenleimen. Aber in den seltensten Fällen kann man daraus wieder Tee trinken.»

Jacobis Wunschvorstellung ist, dass sich ein Investor meldet. Oder eher: ein Mäzen, «weil Fussball in der Schweiz ein Verlustgeschäft ist und bleiben wird». Bloss: Wer ist bereit, sein Geld zur Verfügung zu stellen im Wissen, dass es versickert und er keinen Franken davon je wiedersieht? «GC muss einen emotionalen Wert haben, das ist die wichtigste Voraussetzung», sagt Jacobi und zieht auch dafür einen bildhaften Vergleich: «Ein Geldgeber muss das Gefühl haben, in klarem Wasser zu schwimmen, nicht in einer Brühe.»

Nicht die Tür zuschlagen

Bei aller Romantik seiner Gedanken lässt sich Jacobi nicht einreden, dass die Marke GC keine Ausstrahlung mehr habe, um seriöse Interessenten anzulocken: «Es gibt in Zürich sicher Leute, die sich begeistern lassen. Die Verantwortlichen dürfen nur nicht dazu tendieren, die Tür zu rasch zuzuschlagen, sondern sollten jede Option prüfen.» Das Budget von GC beläuft sich Jahr für Jahr auf mehr als 20 Millionen Franken. Für Jacobi ist das keine Zahl, über die er den Kopf schüttelt, er sagt sogar: «Zürich ist ein schwieriger und sehr teurer Standort für Spitzensport. 20 Millionen Franken wären viel für Thun, Vaduz oder Schaffhausen, aber sie sind es nicht für eine Stadt wie Zürich.»

Jacobi brächte alles mit, um das von ihm skizzierte Anforderungsprofil eines mächtigen Mannes bei GC zu erfüllen. Aber er winkt ab. Seine Berufung sieht er darin, mit der Vereinigung ACPV für die Rechte der Spitzenvolleyball-Clubs einzustehen und den Weltverband FIVB sowie den europäischen Verband CEV dazu zu bringen, die Clubs als wichtige Partner zu akzeptieren. Darum bleibt zum Schluss nur noch das: «Ich wünsche GC viel Glück.»

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