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Jetzt ist der Rassismus auf der Titelseite angekommen

Der «Corriere dello Sport» sorgt in Italien für einen Skandal. Zwei Clubs sperren Journalisten der Zeitung nun aus.

Dezember 2019: Der «Corriere dello Sport» druckt Romelu Lukaku und Chris Smalling auf seine Titelseite, dazu die Schlagzeile «Black Friday». Die AC Milan und die AS Roma verkünden in einem gemeinsamen Statement, dass Mitarbeiter der Zeitung keinen Zutritt mehr auf das jeweilige Trainingsgelände bekommen würden. Auch sind den Spielern Interviews mit dem Corriere untersagt.
Dezember 2019: Der «Corriere dello Sport» druckt Romelu Lukaku und Chris Smalling auf seine Titelseite, dazu die Schlagzeile «Black Friday». Die AC Milan und die AS Roma verkünden in einem gemeinsamen Statement, dass Mitarbeiter der Zeitung keinen Zutritt mehr auf das jeweilige Trainingsgelände bekommen würden. Auch sind den Spielern Interviews mit dem Corriere untersagt.
AP Photo/Fabio Polimeni
November 2019: Eniola Aluko, Engländerin nigerianischer Abstammung, schreibt in einem offenen Brief im «Guardian», sie erlebe in Italien Alltagsrassismus, werde wie eine Ladendiebin angesehen, wenn sie mal einkaufen gehe. Sie verlässt ihren Verein Juventus per sofort.
November 2019: Eniola Aluko, Engländerin nigerianischer Abstammung, schreibt in einem offenen Brief im «Guardian», sie erlebe in Italien Alltagsrassismus, werde wie eine Ladendiebin angesehen, wenn sie mal einkaufen gehe. Sie verlässt ihren Verein Juventus per sofort.
AP Photo/Sari Gustafsson
Oktober 2011: Die Lazio-Fans sind von ihrem Zuzug Miroslav Klose begeistert. Und zeigen das auf ihre Weise. Im Derby gegen die AS Roma halten sie ein Plakat hoch mit der Aufschrift «Klose mit uns», in Anlehnung an den Nazi-Schlachtruf «Gott mit uns». Die zwei «S» sind zudem in Runen dargestellt, wie sie die deutsche Schutzstaffel (SS) im Zweiten Weltkrieg benutzte. Der Deutsch-Pole Klose war nach der Aktion wütend und sagte, Politik und Sport sollten nicht vermischt werden.
Oktober 2011: Die Lazio-Fans sind von ihrem Zuzug Miroslav Klose begeistert. Und zeigen das auf ihre Weise. Im Derby gegen die AS Roma halten sie ein Plakat hoch mit der Aufschrift «Klose mit uns», in Anlehnung an den Nazi-Schlachtruf «Gott mit uns». Die zwei «S» sind zudem in Runen dargestellt, wie sie die deutsche Schutzstaffel (SS) im Zweiten Weltkrieg benutzte. Der Deutsch-Pole Klose war nach der Aktion wütend und sagte, Politik und Sport sollten nicht vermischt werden.
AP Photo/Gregorio Borgia
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Diesmal kommt er nicht aus einer Fankurve. Er wird nicht von einer brüllenden Meute auf den Platz gerufen. Diesmal ist der Rassismus auf die Titelseite gedruckt, in einer der grössten Sportzeitungen Italiens. Ein Bild von Romelu Lukaku. Neben ihm Chris Smalling. Zwischen den beiden dunkelhäutigen Spielern diese Schlagzeile: «Black Friday». Weil die Clubs der beiden, Inter Mailand und die AS Roma, ihr Spitzenspiel aussergewöhnlicherweise am Freitagabend austragen.

Der «Corriere dello Sport» kam auf diese Idee, in Anlehnung auf den Kaufrausch-Tag aus den USA, an dem vor einer Woche die Läden gestürmt wurden. Der Corriere ist eine Sportzeitung aus Rom, neben der «Gazzetta dello Sport» aus Mailand die renommierteste Italiens. Nun hat er Probleme, der Skandal macht seine Runde. Zwei Clubs greifen sogar zum Hausverbot. Die AC Milan und die AS Roma lassen am gleichen Tag verlauten, Journalisten des «Corriere dello Sport» nicht mehr auf ihr Trainingsgelände zu lassen. Spieler dieser Teams geben der Zeitung keine Interviews. Zumindest bis Januar.

Der Chefredaktor Ivan Zazzaroni antwortet darauf mit einem kurzen Statement, in dem er sich zuerst einmal über die Gesellschaft aufregt. Armeen rechtschaffender Menschen seien ins Netz gestürmt, sagt er. Die Schlagzeile «Black Friday», eine unschuldige, sei missverstanden und in Gift verwandelt worden. Lukaku selbst versteht sie als dümmste Überschrift, die er in seiner Karriere gelesen habe. Gerade er, seit Sommer in Italien, ist in dieser Saison schon oft Ziel rassistischer Bemerkungen gewesen, ist damit aber nicht alleine. In der Bildstrecke oben finden Sie einen Rückblick.

Die Serie A befand sich in den letzten Jahren im Aufschwung. Namen wie Cristiano Ronaldo, Matthijs de Ligt, oder auch Lukaku polierten die lange etwas verstaubte Liga wieder auf, sogar das Meisterrennen ist in dieser Saison völlig offen. In anderen Bereichen aber hinkt sie hinterher.

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