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Jetzt hat Neymar Zidanes Entlassung in den Füssen

Das nächste Real-Fiasko: Nach dem peinlichen Ausscheiden im Cup gegen das bescheidene Leganés toben Fans und Medien – und der Trainer spricht über sein Schicksalsspiel.

Fabian Sangines
Steht mit Real in der Krise: Trainer Zinedine Zidane.
Steht mit Real in der Krise: Trainer Zinedine Zidane.
Keystone
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«Madrid se quema, se quema Madrid.» So geht ein Lied, das gegnerische Fans besonders gerne singen, wenn Real Madrid auf dem Platz versagt. Frei übersetzt: Madrid brennt. Auch wenn etwas martialisch und nicht für die ganze Stadt zutreffend, besser könnte man die derzeitige Lage beim spanischen Rekordmeister nicht beschreiben. Der Baum brennt bei den stolzen Königlichen, und zwar lichterloh. Trotz eines 1:0-Auswärtssieges im Hinspiel brachte es Real nicht fertig, im Cup-Viertelfinal CD Leganés auszuschalten, das erst seit anderthalb Jahren überhaupt in der höchsten spanischen Liga spielt.

«Es ist nicht peinlich, sondern ein Fiasko», lautete die ernüchternde Bilanz von Captain Sergio Ramos. Und Aussenverteidiger Dani Carvajal stellte trocken fest: «Wir waren zu Hause gegen Leganés nicht mal zu einem Unentschieden fähig. Das tut weh.» Angesichts der 19 Punkte Rückstand auf Leader Barcelona (immerhin ein Nachtragsspiel steht aus – gegen Leganés) und dem Ausscheiden in der Copa del Rey gibt es auch für Carvajal nur noch einen Weg, die bisher verkorkste Saison zu retten: «Man muss realistisch sein, uns bleibt nur noch die Champions League.»

Pikant, dass Real dort im Achtelfinal auf das Starensemble von Paris Saint-Germain trifft. Und, dass zu allem Überfluss im Hinspiel Carvajal hinten rechts wegen einer Sperre ausfällt. Aller Voraussicht nach muss er von Achraf Hakimi ersetzt werden. In Madrid ist das Vertrauen in den 19-Jährigen höchstens mittelmässig, wie Reals Hausorgan «Marca» schreibt: «Achraf hatte im Cup gegen seinen marokkanischen Landsmann Amrabat schon Mühe. Und am Horizont wartet Neymar.»

Obwohl sich die Gerüchte hartnäckig halten, wonach der Brasilianer künftig für Real auflaufen und somit als neuer Heilsbringer geholt werden könnte, ist er aktuell vor allem eines: die grosse Bedrohung des letzten Saisonziels. Und wohl auch der Richter über die Zukunft von Trainer Zinédine Zidane.

Gegen PSG geht es um Zidanes Job

«Aber natürlich», antwortete der Franzose, als er in der Pressekonferenz nach der Niederlage gegen Leganés gefragt wurde, ob es im Duell mit PSG auch um seinen Job als Real-Trainer gehe. «Ich bin schliesslich der Verantwortliche für all das.» Er müsse Lösungen finden, dass sein Team effizienter werde, sagte Zidane. Dabei machte er auch im Mediensaal kein Geheimnis aus seiner Ratlosigkeit: «Leistungen wie in der ersten Halbzeit kann ich mir nicht erklären.» Den neuen Tiefpunkt beschreibt Zidane mit markigen Worten: «Es war meine schlimmste Nacht als Real-Trainer.»

Offensichtlicher wird seine Planlosigkeit auf dem Platz. «Die Wechsel kommen spät und sind vorhersehbar», moniert «Marca» und kritisierte postwendend, dass einmal mehr Publikumsliebling Isco ausgewechselt wurde, obwohl das Team unbedingt ein Tor und somit seine Kreativität benötigte. Dazu sei die Saisonplanung katastrophal – mit Morata, Pepe und James gab Real ersatzlos viel Qualität ab –, und lange Zeit habe sich Zidane der schonungslosen Selbstkritik verweigert. Was erschwerend dazukommt: «In der Liga chancenlos, glaubte Zidane nicht mal an die Copa.» Der 45-Jährige rotierte gleich sieben Spieler aus der Starformation, die beim 7:1 gegen Deportivo La Coruña gespielt hatten.

Sogar ein Eckball-Gegentor ist seine Schuld

So ist der Mann, der vor wenigen Monaten nach dem zweiten Champions-League-Gewinn in Folge noch der grosse Retter war, der Hauptschuldige einer monumentalen Krise. Die Stimmung ist derart gekippt, dass die Zeitung «AS», die zu ihren Redaktoren fanatische Real-Anhänger zählt, Zidane das 1:2 nahezu alleine ankreidet: «Es war ein einfacher Eckball. Er war nicht fähig, seine Spieler darauf einzustellen, wie er es sollte.»

Angesichts der hilflosen Vorstellung von Spielern und Trainern, mit Neymar, Cavani, Mbappé, Verratti und Di Maria am Horizont, glaubt «Marca»: «Man hat das Gefühl, dass die Fotografen die letzten Momente von Zinédine Zidane auf der Trainerbank des Santiago Bernabéu festhalten.»

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