Das GC-Herz von Investor Spross schlägt nun weiblich

Jahrzehntelang investierte Heinz Spross in den GC-Fussball – den der Männer. Nun nimmt er sich dem Frauenteam an. Warum?

Grund zur Freude bei den GC-Spielerinnen: Nicht nur gewannen sie am Samstag 3:0 gegen Luzern, sie werden neu auch von prominenter Seite unterstützt. Foto: Dominique Meienberg

Grund zur Freude bei den GC-Spielerinnen: Nicht nur gewannen sie am Samstag 3:0 gegen Luzern, sie werden neu auch von prominenter Seite unterstützt. Foto: Dominique Meienberg

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Für die Fahrt reicht eine längere Halbzeitpause. 16 Kilometer sind es vom Letzigrund in Zürich hinaus nach Niederhasli, 26 Minuten dauert das im mehr oder weniger flüssigen Stadtverkehr. Wer also will, kann beides abdecken: ein Spiel der GC-Männer im EM-Stadion und eines der GC-Frauen auf dem Campus-Sportplatz.

Heinz Spross wollte das an diesem Samstag Anfang November. Und so sah er eine Hälfte von GC - Kriens, der Partie der Challenge League, setzte sich ins Auto und erlebte nach knapp halbstündiger Fahrt, wie GC in der Nationalliga A dem FC Basel unterlag. Weil ihm beide nahestehen: Männer und Frauen. Oder korrekter: weil ihm die Frauen inzwischen näher sind.

Jahrzehntelang fiel Spross mit seinem blauweissen GC-Herz auf. Er war zwölf Jahre im Vorstand des Clubs, ab 2007 als Vizepräsident, wirkte bis 2014 im Verwaltungsrat und war bis Anfang dieses Jahres Grossaktionär. Viel Geld und Herzblut steckte er in all der Zeit in den Verein, als Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident der Spross AG genauso wie als Privatmann, und reichlich Zeit hat er aufgewendet. Nicht zuletzt als Präsident der einflussreichen Donatorenvereinigung Blue Label.


«Die Bestrebungen sollten Richtung Profifussball gehen»: Heinz Spross auf der Tribüne des Letzigrunds. Foto: Keystone

Sein Rückzug als Aktionär verlief geräuschvoll. Bis auf Blue Label hat er heute offiziell mit den GC-Männern abgeschlossen. Dafür widmet sich der 72-Jährige nun den Frauen und hat vor wenigen Wochen den Gönnerverein White Label ins Leben gerufen. Zehn Gründungsmitglieder sind dabei, unter ihnen Tochter Natalie Spross Döbeli, heute CEO der Firma, der frühere GC-Präsident Thomas Gulich oder Erich Vogel. 2000 Franken bezahlt jedes Mitglied im Jahr – beim Blue Label sind es 25'000. Präsident ist Blue-Label-Vorstandsmitglied Martin Wanner.

200000 Franken pro Jahr

Das Ziel für das erste Jahr ist, auf 25 Mitglieder zu wachsen, im zweiten auf 50 und den GC-Frauen so bald 100'000 Franken zur Verfügung zu stellen. Damit lässt sich im Schweizer Frauenfussball schon viel erreichen: Das Budget der GC-Frauenabteilung beträgt 200'000 Franken. Wie alle anderen NLA-Clubs auch ist GC ein Amateurbetrieb, nicht einmal kleinste Entschädigungen an die Spielerinnen sind vorgesehen. Trotz vier Trainings und einem Spieltag wöchentlich.

Bis vor kurzem erhielt GC – wie auch der FCZ – von der Fifa einen Betrag zur Förderung seiner Frauenabteilung. Diese Vereinbarung lief letztes Jahr aus, weshalb GC auf einen Schlag rund 100'000 Franken fehlten – beim FCZ waren es gar 150'000. Indem die Spross AG sowie das Architekturbüro des damaligen GC-Präsidenten Stephan Anliker im vergangenen Jahr als Sponsoren einstiegen, konnte das Loch gefüllt werden. Das Geld vom Gönnerverein White Label wäre nun eine Erhöhung des Budgets um 50 Prozent.

Erich Vogel beobachtet die GC-Frauen in Niederhasli am 23.11.2019. Foto: Dominique Meienberg

Heinz Spross ist überzeugt, dass er das Ziel von 50 Mitgliedern bald erreicht. «Der Frauenfussball boomt und hat seine Berechtigung», erklärt er, «Frauen stellen mehr als die Hälfte der Bevölkerung, und deshalb sollen auch sie die Möglichkeit haben, Fussball zu spielen.»

Hinzu komme die Werbewirksamkeit: «Vielerorts in Europa können sich mehr und mehr Clubs einen Profibetrieb leisten, weil Sponsoren den Wert des Frauenfussballs erkennen.» Sein liebstes Beispiel ist der VfL Wolfsburg, wo Autokonzern VW die Frauen fördert, weil, so Spross, «natürlich auch Frauen Autos kaufen».

GC soll Vorreiter werden

Seine Vision ist nun, dass in der Schweiz GC diese Vorreiterrolle einnimmt. Was in einem ersten Schritt mit Teamevents oder einem Gratis-GA für Spielerinnen beginnt, könnte mit Teilzeitpensen weitergehen. Und langfristig? «Ich denke schon, dass die Bestrebungen Richtung Profifussball gehen sollten», sagt Spross. Interesse und Kapital seien dafür vorhanden, davon ist er überzeugt, Gespräche mit seinen Blue-Label-Kollegen hätten ihm dies gezeigt. Er will vor allem auch weibliche Gönner gewinnen und die GC-Frauenabteilung, die nicht der AG angehört, zunehmend professionalisieren.

«Wenn sich Leute mit solch bekannten Namen für uns Frauen einsetzen, ist das wie ein Traum.»Mirjam Dobler

Bei den Verantwortlichen der Frauen gehen diese Bemühungen runter wie Honig. Und es ist noch nicht einmal das Geld, das Leiterin Mirjam Dobler am meisten freut, sondern das Engagement an sich – und die Signalwirkung. «Wenn sich Leute mit solch bekannten Namen für uns Frauen einsetzen, ist das wie ein Traum», sagt sie.

Dobler, einst selber Fussballerin, hat klare Vorstellungen, was für die Frauen besonders dringend ist. Kurz: «alles, das uns hilft, den Spielerinnen das Leben irgendwie zu vereinfachen».

Heinz Spross hat sich vorgenommen, in den nächsten Wochen in der Wäschereiabteilung auf dem Campus vorzusprechen. Oder beim Platzwart. Weil auch die Frauen frische Shirts benötigen. Und ein Feld, um zu spielen. Spross sagt: «Wir müssen die Frauen wegbekommen von ihrem Mauerblümchendasein und sie integrieren und gleichberechtigt behandeln.»


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier: Hier finden Sie alle Folgen an einem Ort.

Erstellt: 26.11.2019, 06:19 Uhr

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