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Joe Dassin und Händels Hymne

Es gibt Melodien, die bleiben für immer im Kopf. Zum Beispiel jene der Champions-League-Hymne.

In die Champions League will jeder – auch YB mit Trainer Gerardo Seoane und Verteidiger Steve von Bergen.
In die Champions League will jeder – auch YB mit Trainer Gerardo Seoane und Verteidiger Steve von Bergen.
Keystone

Joe Dassin, warum ausgerechnet Joe Dassin, es gäbe doch so viele andere, die viel näher lägen? Und die Hymne der Champions. Daran muss ich denken, als ich im neuen Buch von Bänz Friedli eine seiner gesammelten Kolumnen lese, er schreibt darin über Dassin, den früh verstorbenen Chansonnier, und «Salut», eines seiner Lieder, und wie unbeschadet doch Melodien in unseren Köpfen die Zeit überstehen. Wir summen sofort mit, wenn wir sie hören, erinnern uns, als wäre es gestern gewesen.

Und so ist es auch bei mir. Damals, in den Siebzigerjahren, im klapprigen Döschwo fuhren wir nach Südfrankreich, ziellos, und es verschlug uns in die Camargue, wo die Rhone ins Meer mündet, und in einer Nacht gab er mitten im Sand auf einer kleinen Bühne ein Konzert, sicher – es muss so sein – schien der volle Mond, es war zauberhaft, und alles passte, auch Dassins Lied, «L’été indien». Es blieb seither für immer im Kopf, «je n’ai jamais été aussi heureux que ce matin-là. C’était l’automne, un automne où il faisait beau. Une saison qui n’existe que dans le Nord de l’Amérique. Là-bas on l’appelle l’été indien.» Seither kenne ich jede Zeile, von der Liebe im Septemberwind, sie im weissen Kleid am Strand.

Seit 1992 in allen Stadien, vor jedem Spiel

Und damit zur Hymne der Champions, sie hat auch mit Bänz Friedli zu tun, dem Berner Autor und Kabarettisten – und eben: Er trägt, manchmal in seinem Leben und auch bei seinen Auftritten im Theater, einen gelb-schwarzen Schal und YB im Herzen. Und am Mittwoch hofft Friedli und hoffen ganz viele, dass sie die Melodie – nicht die Worte, die sind banal – einen Herbst lang nicht mehr aus den Ohren bringen. Der Brite Tony Britten hat die Musik komponiert, angelehnt an Georg Friedrich Händels Krönungshymne «Zadok the Priest». Die Hymne der Champions League, seit 1992, in allen Stadien, vor jedem Spiel.

Sie beginnt mit leisen Streichinstrumenten, die Musik schwillt an, es wird, wie bei einem Spiel, eine Spannung aufgebaut, mit Pauken und Trompeten und einem barocken Chor, es ist der Moment, in dem die Spieler auf den Rasen laufen.

Die Musik symbolisiere, sagt Friedli, etwas Entrücktes, es komme, wenn man im Stadion sitze, ein erhabenes, erhebendes, zugleich aber befremdliches Gefühl auf. Sie stehe für die Glitzerwelt, aber auch den Kommerz, das Big Business des Fussballs, das wir, sagt Friedli als Fan, eigentlich ablehnten.

Und doch wären wir es gerne einmal, statt nur vor dem TV: mittendrin. Im Moment für die Ewigkeit. Wie damals, in der Camargue.

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