Jürgen Klopp hält sein Basler Versprechen

Liverpool kam im CL-Halbfinal arg unter Druck. Die AS Roma erzielte in der 94. Minute das 4:2.

Die Tore vom Halbfinal-Rückspiel zwischen Rom und Liverpool. Video: Tamedia / SRF

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Soll es doch noch so weit kommen? Soll das Unmögliche schon wieder möglich werden? 94. Minute, Radja Nainggolan verwertet einen Elfmeter zum 4:2, ein Tor braucht die AS Roma noch, um das 2:5 aus dem Hinspiel gegen den FC Liverpool wett zu machen. Aber die Götter, sie mögen sich an diesem Abend nicht mehr auf die Seite der Römer schlagen. Vielleicht sind sie noch müde vom Bad im Brunnen der Piazza del Popolo nach dem jetzt schon legendären 3:0-Sieg über den FC Barcelona. Und so pfeift der Schiedsrichter ab, bevor die Roma noch einmal den Ball erhält. Es ist Liverpool, das im Final der Champions League Real Madrid fordern darf.

Was hatten sich die Römer vor der Partie stark zu reden versucht. Sicher, eine 2:5-Niederlage aus dem Hinspiel mochte auf ungläubige Realisten wie eine reichlich hohe Hypothek wirken. Aber wer die Magie selbst gesehen, wer das Metaphysische praktisch körperlich erfahren hatte an jenem 10. April, der wollte einfach weiterglauben. Ein 3:0 brauchte die Roma damals, um ein 1:4 gegen Barça wett zu machen, 3:0 gewann sie. Ein 3:0 brauchte sie nun gegen Liverpool. Wie sollte das nicht das Zeichen eines göttlichen Plans sein?

Viel Glaube, zu viele Fehler

Ja, die Spieler der Roma glaubten daran, dass ihnen das zweite Römer Wunder der Saison gelingen könnte. Sie rannten, sie spielten, sie kamen zu ihren Chancen. Allein, sie blieben anders als gegen Barça nicht ohne Fehl und Tadel. Gegen den Liverpooler Dreizack Salah, ­Firmino und Mané reichen normalerweise kleine Fehler, um mit einem Gegentor bestraft zu werden. Die Römer aber begingen gleich grobe Schnitzer.

Als Nainggolan den Ball auf Höhe Mittellinie verstolperte, war eigentlich klar, auf welche Seite dieser Abend kippen würde. Und die Szene erinnerte stark an den anderen Halbfinal. An die Fehler, die die Bayern in den beiden Spielen gegen Real Madrid begangen hatten – und die sie die Finalteilnahme kosteten. Wer jedenfalls Roberto Firmino so zum schnellen Konter einlädt, der wundert sich nicht, wenn er nach 8:38 Minuten 0:1 zurück liegt. Den Vollstrecker gab Sadio Mané.

Natürlich, Rom gab sich nach diesem frühen Rückschlag nicht auf. Es kam durch ein Eigentor James Milners zum 1:1. Es konnte sogar noch einmal mit einem 2:2 durch Edin Dzeko in der 52. Minute auf das 1:2 reagieren. Bei dem hatte ebendieser Dzeko unfreiwillig im eigenen Strafraum den sonst eher weniger als Torschützen in Erscheinung tretenden Georginio Wijnaldum bedient (26. Minute). In der 86. Minute gelang Nainggolan das 3:2. In der 94. das 4:2. Aber die Tore kamen zu spät.

Das Spiel war damit zwar ein weiterer Beweis dafür, dass Liverpool unter Jürgen Klopp kaum in der Lage ist, ein Resultat zu verwalten. Trotzdem verliessen die Engländer das Stadion als Finalisten. Und das Team fiel nicht auseinander, wie das von Teilen der englischen Presse befürchtet worden war, nachdem Klopps langjähriger Co-Trainer Zeljko Buvac unter der Woche überraschend und offiziell «aus persönlichen Gründen» seine Arbeit niedergelegt hatte.

Klopp und sein bester Transfer

Klopp und Buvac, das war seit 2001 ein unzertrennbares Duo. Klopp hat ­Buvac auch schon als «besten Transfer meiner Karriere» bezeichnet. Vielleicht arbeitet Buvac nächste Saison wieder für Liverpool. Es gibt viele Gerüchte. Auch über einen Streit zwischen den beiden. Klar ist bisher bloss, dass Klopp ohne seinen treusten Gefährten in den Final der Champions League gehen wird.

Fünf Endspiele hat Klopp seit 2012 verloren, zwei davon mit Liverpool. Nach der letzten Niederlage, 2016, im Final der Europa League gegen Sevilla gab Klopp in Basel ein Versprechen ab: ««Ich werde alles dafür tun, um wieder einen Final zu erreichen. Und danach werde ich als Sieger an der Pressekonferenz sitzen.» Den ersten Teil hat er schon mal eingelöst. Am 26. Mai hat er in Kiew gegen Real die Chance, sein ganzes Versprechen zu halten.

AS Roma - Liverpool 4:2 (1:2).

61'889 Zuschauer. SR Skomina (SLO).

Tore: 9. Mané 0:1. 15. Milner (Eigentor) 1:1. 25. Wijnaldum 1:2. 52. Dzeko 2:2. 86. Nainggolan 3:2. 94. Nainggolan (Handspenalty) 4:2. AS Roma: Alisson; Florenzi, Manolas, Fazio, Kolarov; Pellegrini (53. Ünder), De Rossi (69. Gonalons), Nainggolan; Schick, Dzeko, El Shaarawy (75. Antonucci). Liverpool: Karius; Alexander-Arnold (92. Clyne), Van Dijk, Lovren, Robertson; Wijnaldum, Henderson, Milner; Salah, Firmino (87. Solanke), Mané (83. Klavan). Bemerkungen: AS Roma ohne Defrel, Karsdorp, Perotti und Strootman; Liverpool ohne Can, Gomez, Lallana, Matip und Oxlade-Chamberlain (alle verletzt). 35. Abgelenkter Schuss von El Shaarawy an den Pfosten. Verwarnungen: 44. Lovren (Foul). 76. Florenzi (Foul). 84. Manolas (Unsportlichkeit). 85. Robertson (Unsportlichkeit). 90. Solanke (Unsportlichkeit).

Erstellt: 03.05.2018, 06:43 Uhr

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