Jungprofi kassiert Sperre wegen Gotteslästerung

Ein Lippenleser entlarvt Rolando Mandragora als Blasphemiker. Dem Udinese-Spieler werden zwei Fluchwörter zum Verhängnis.

Wird zu einer Denkpause gezwungen: Die Serie A brummt Rolando Mandragora eine Spielsperre wegen Gotteslästerung auf.

Wird zu einer Denkpause gezwungen: Die Serie A brummt Rolando Mandragora eine Spielsperre wegen Gotteslästerung auf. Bild: Getty Images/Alessandro Sabattini

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Fluchende Profisportler sind am TV immer wieder zu sehen. Kommen sie in Team- oder Einzelwettkämpfen nicht auf Touren, schnellen ihre Emotionen in die Höhe. Dabei fällt schnell einmal das englische Wort «F...», das sich leicht vom Mund ablesen lässt. Andere geläufige Ausdrücke erkennen aufmerksame Zuschauer oft ebenfalls problemlos aufgrund der Bewegungen der Lippen. In der Serie A wurde nun Rolando Mandragora eine Schimpftirade zum Verhängnis. Der Mittelfeldspieler bestritt letzten Sonntag mit Udinese vor eigenem Anhang die Meisterschaftspartie gegen Sampdoria Genua. Nachdem Gäste-Goalie Emil Audero in der Nachspielzeit (93.) eine Parade gelungen war, fluchte der 21-Jährige vor sich hin. Weder der Unparteiische noch der Linienrichter hörten allerdings, was der Teamkollege des Schweizers Valon Behrami sagte.

«Keine Zweifel»

Nach Spielende wurden aber die TV-Bilder zusammen mit einem Lippenleser konsultiert, wie verschiedene italienisch- und deutschsprachige Medien berichten. Die Aufnahmen zeigen, wie der junge Profi die fünf Wörter «Porca Madonna, Vaffanculo, Dio Cane» von sich gibt. Die ersten beiden bedeuten übersetzt «Verfluchte Madonna», die restlichen müssen auf Deutsch gar nicht wiedergegeben werden.

Eindeutiger Beweis: Udinese-Spieler Rolando Mandragora sagt «Porca Madonna» und anderes, wofür er nun bestraft wird.

Bei Gotteslästerung kennt der italienische Verband kein Pardon und hat Mandragora im Nachhinein für seinen Ausruf eine Spielsperre aufgebrummt. Die Serie A teilte mit, dass es bei der Untersuchung der Video-Aufnahmen «keine Zweifel» zu den «blasphemischen Bemerkungen» des Spielers gegeben habe. Der Fehlbare dürfte sich über seinen emotionalen Ausbruch nach Ablauf der regulären Spielzeit ärgern, zumal seine Mannschaft zu diesem Zeitpunkt vorne gelegen und das Duell schliesslich 1:0 gewonnen hatte.

Umstrittene Regel

Im Jahr 2010 erklärte der italienische Fussball der Blasphemie den Krieg. «Wir werden in offizielle Entscheidungen eingreifen, um klarzustellen, dass Gotteslästerung in den Bereich missbräuchlichen Verhaltens fällt», betonte Giancarlo Abete damals. Er präsidierte den italienischen Fussballverband (FIGC) von 2007 bis 2014. Wird ein Spieler auf frischer Tat ertappt, kann der Schiedsrichter dessen Fehlverhalten mit einer Roten Karte sanktionieren. Die Unparteiischen haben aber auch – wie aktuell in Mandragoras Fall – die Möglichkeit, eine Gotteslästerung erst nach Spielende aufgrund von Videobeweisen zu bestrafen. Neben Spielsperren können auch Bussen ausgesprochen werden.

In den vergangenen Jahren wurden die Schiedsrichter sensibilisiert, damit sie richtig mit «Sündern» umgehen. Die Einführung der neuen Regelung war jedoch umstritten – und ist es heute noch. Denn sie birgt die Gefahr, dass die Worte mutmasslicher Gotteslästerer nicht richtig von den Lippen abgelesen werden und so ganze Sätze falsch ausgelegt werden könnten. Zudem sind die Grenzen zwischen Blasphemie und einfachen Beschimpfungen oder Fluchwörtern nur schwer definierbar. Im jüngsten Fall scheint es aber keine Diskussionen zu geben, auch wenn nicht nur Udinese-Fans das Verdikt in sozialen Medien kritisierten. Ein Twitter-User gab beispielsweise zu bedenken: «Sie mussten damit warten, bis Buffon geht, er hätte sonst nur die Hälfte aller Spiele gemacht.» Der legendäre Goalie Gianluigi Buffon hatte im Sommer von Juventus zu Paris Saint-Germain gewechselt und sich während seiner 17 Jahre in Turin mehrmals für sein Fluchen entschuldigen müssen.

(ddu)

Erstellt: 30.08.2018, 13:23 Uhr

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