Keine Winterpause für den Sportchef des FC Basel

Die Erfolge in der Champions League bescheren Basel Würde und Bürde. Marco Streller steht vor Zusatzarbeit.

Viel Erfolg, viele Verpflichtungen: Marco Streller steht in seiner neuen Laufbahn vor neuen Aufgaben. Foto: Andy  Mueller (Freshfocus)

Viel Erfolg, viele Verpflichtungen: Marco Streller steht in seiner neuen Laufbahn vor neuen Aufgaben. Foto: Andy Mueller (Freshfocus)

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Ein Spieler mit Herz bleibt im Herzen immer ein Spieler. So geht das auch Marco Streller: Als er am späten Dienstagabend vor die Medien tritt, wirkt er so angespannt, als ob er noch einmal ­alles für den FCB gegeben und gerade erst Trikot und Stulpen mit dem feinen Zwirn getauscht hätte. Eine Dreiviertelstunde ist vergangen seit dem Schlusspfiff, aber noch ist spürbar, wie ihn die Partie aufgewühlt hat. «Unglaublich», sagt er, und schüttelt den Kopf.

Basels Sportchef hatte als Spieler ähnliche Situationen erlebt, aber da konnte er das Schicksal mindestens mitbeeinflussen. Kein Vergleich zur Ohnmacht auf der Tribüne des Estadio da Luz, vor allem nach dem Bekanntwerden des Halbzeitresultats aus Manchester. Plötzlich war der Gedanke da: «Das darf nicht wahr sein. Das hätten die Mannschaft und der Trainer nicht verdient nach den letzten Monaten.»

Bilder: Ein weitere magischer Europacup-Abend

Es war auch für Streller das wichtigste Spiel seiner neuen Laufbahn. Vor der Saison war er massgeblich mitverantwortlich dafür, dass kaum ein Stein auf dem anderen blieb. Der Sportchef-Rookie und seine Kollegen aus dem Verwaltungsrat hatten das Team Raphael Wicky anvertraut, einem Trainer ohne Profierfahrung, und dazu eine Verjüngung samt Verstärkung des regionalen Elements zur Maxime erhoben. Ein Unterfangen, das Zeit brauchte, noch mehr durch den unerwarteten Abgang von Matias Delgado nach Saisonstart. Michael Lang sagt, der Verlust des Führungsspielers sei relativ schnell verdaut gewesen: «Vor allem auf dem Platz, wo die Leistung zählt. Da sprangen andere Spieler in die Bresche. Neben dem Platz dauerte es etwas länger.»

Die Achse der Unverzichtbaren

Es ist ein grosses Kompliment an das unerfahrene Team, dass niemand mehr vom Argentinier spricht. 14 Spiele bestritt der FCB seit dem 5:0 im Hinspiel gegen Benfica Ende September, es resultierten 10 Siege und 3 Unentschieden. Einzig beim 1:2 im zweiten Spiel gegen ZSKA Moskau kassierte Tomas Vaclik zwei Tore. Dagegen trafen seine Kollegen neunmal zwei- oder mehrfach.

In dieser Zeit hat sich der neue Kern gefestigt. Die Achse der Unverzicht­baren besteht aus: Vaclik, Lang, Suchy, Akanji, Petretta, Zuffi, Steffen und Elyounoussi. Sie alle standen in den letzten 14 Spielen 10-mal oder mehr in der Startformation.

Der Sportchef steht vor einem arbeitsreichen Winter. Der Marktwert des Kaders habe sich durch die Heimsiege gegen Benfica und Manchester je um rund 30 Millionen Franken erhöht, hatte er verlauten lassen. Dank dem Platz unter den Top 16 wird der Wert weiter steigen, und Streller sagt: «Ich hoffe, wir verlieren mittelfristig nicht zu viele Spieler.» Er lächelt – er weiss auch: Schon kurzfristig werden Leute wie Akanji, Elyounoussi oder Oberlin, vielleicht aber auch Lang, Balanta oder ­sogar Petretta auf dem Einkaufszettel internationaler Vereine stehen.

Manchester City oder die Roma

Am Samstag beginnt mit dem Heimspiel gegen St. Gallen der Jahresendspurt, und Streller lässt keine Zweifel offen, dass die Jagd auf YB eröffnet ist: «Die Liga bleibt unser Kerngeschäft.» Am Montag geht der Blick dann nach Nyon, zur Achtelfinal-Auslosung. Streller würde gerne gegen Pep Guardiolas ­Manchester City spielen, fügt aber an: «Wir sind eigentlich gegen jedes Team krasser Aussenseiter.» Für Lang ist klar, was für einen weiteren Coup passen muss: «Wir müssen so solidarisch auftreten wie in fünf Gruppenspielen. Die ­Defensive wird zentral, und wir sind konterstark. Da müssen wir jede Chance nützen.»

Raoul Petretta, der Mann mit dem italienischen Pass, wünscht sich die AS Roma, und Wicky sagt: «Roma oder ­Tottenham.» Aus Basler Optik hätten die «Giallorossi» ihren Reiz, und dies nicht nur wegen der Schönheit der Ewigen Stadt. Eusebio Di Francescos Team erscheint eine Nuance schwächer als die absoluten Topclubs.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.12.2017, 23:17 Uhr

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