«Die Gier frisst unseren Fussball auf»

Kann Deutschland nicht mehr mithalten? Ein Rekord-Transfer lässt die Bundesliga am Fussballgeschäft zweifeln.

Teures Vergnügen: Kevin de Bruyne kostet Manchester City 80 Millionen Euro.

Teures Vergnügen: Kevin de Bruyne kostet Manchester City 80 Millionen Euro. Bild: Keystone

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Kevin de Bruyne wechselt also für 80 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Manchester City. Es ist der zweite Anlauf des Belgiers in der Premier League. Beim ersten war der Mittelfeldspieler bei Chelsea für zu leicht befunden worden. Dann aber kamen die starke WM und eine überragende Saison in Wolfsburg. De Bruyne galt auf einmal als Symbol für die Attraktivität der Bundesliga und internationaler Topstar. Dass er nun weg ist, schmerzt deshalb nicht nur die Wolfsburger Anhänger.

Das Nachrichtenmagazin «Focus» sieht im De-Bruyne-Transfer gar «ein fatales Signal für die Bundesliga» und nennt die folgenden Gründe.

1. Die Vereine schafften es nicht, Topspieler bei hohen Angeboten aus anderen Ligen zu halten. Loyalität oder Treue hätten kaum mehr Bedeutung.

2. Ohne De Bruyne sei Wolfsburg kein echter Gegner für die Bayern. Es drohe wieder eine einseitige deutsche Meisterschaft.

3. Für Fans werde die Identifikation mit Lieblingsspielern immer schwieriger, wenn diese nach kurzer Zeit wieder von ausländischen Grossclubs weggekauft würden.

Wolfsburg ist zudem nicht irgendein Bundesliga-Verein, sondern einer mit enormem finanziellem Support. Dank der Zuwendungen des VW-Konzerns kennt der VfL eigentlich keine monetären Zwänge mehr. Er steht beispielhaft für die neuen Reichen in der Bundesliga, die verglichen mit den ambitionierteren Premier-League-Clubs aber eben doch nur kleine Lichter sind.

Ein Fussballer sorgt derzeit für grosse Schlagzeilen: Kevin de Bruyne ist der Mann der Stunde.

Die exorbitanten Einnahmen durch die Vermarktung der TV-Rechte machen die Engländer zu wirtschaftlichen Dampfwalzen. Schon in der vergangenen Saison strich der Premier-League-Letzte, die Queens Park Rangers (86,8 Millionen Euro), mehr Fernsehgeld ein als der Bundesliga-Primus FC Bayern (50,6 Millionen Euro). Mit dem neuen Deal, den die Premier League aushandelte, wird die Schere noch erheblich grösser.

«Die Gier frisst langsam unseren Fussball auf. Es ist kein Spiel mehr, das auf Training- und Taktikübungen aufgebaut ist, sondern es ist nur noch ein reines Managerspiel», sagte Robin Dutt, der Sportdirektor des VfB Stuttgart, schon vor dem De-Bruyne-Transfer gegenüber dem Sender Sport 1. Dutt spricht sich für eine Obergrenze bei Ablösesummen und Gehältern aus. Sport 1 malt derweil ein ganz finsteres Bild und orakelt: «Der deutsche Profifussball ist dabei, ob der astronomischen Fernsehgelder in der Premier League die Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Die DFL will noch keine Gefahr erkennen.»

Erstellt: 31.08.2015, 11:14 Uhr

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