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Kleinlaute, alte Bayern

Nach der Niederlage gegen Dortmund bläst der Rekordmeister Trübsal. Derweil künden Experten eine Transferoffensive an.

Der sehenswerte Treffer von Dembélé zum 3:2. Quelle: SRF.

Wieder hat es die Bayern erwischt, wieder sind sie in einem K.-o.-Wettbewerb ausgeschieden. Nach der Champions League also der Pokal. Deutsche Medien sprechen vom «verdoublen», und tatsächlich: Vieles hat in diesem hochstehenden Halbfinal gegen Dortmund lange nach einem Bayern-Sieg ausgesehen.

Ein Bild mit Symbolcharakter: Bayerns Torjäger Robert Lewandowski liegt am Boden.
Ein Bild mit Symbolcharakter: Bayerns Torjäger Robert Lewandowski liegt am Boden.
Andreas Gebert, Keystone
Die grosse Freude: Ousmane Dembélé hat soeben das 3:2 in München erzielt. (26. April 2017)
Die grosse Freude: Ousmane Dembélé hat soeben das 3:2 in München erzielt. (26. April 2017)
Günter Schiffmann, AFP
Es ist aber eine Glanztat von Keeper Roman Bürki, der einen Schuss von Arjen Robben pariert, die den Sieg der Gäste festhält.
Es ist aber eine Glanztat von Keeper Roman Bürki, der einen Schuss von Arjen Robben pariert, die den Sieg der Gäste festhält.
Christian Bruna, Keystone
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Doch im Vergleich zum Spiel gegen Real Madrid, als unsichtbare Mächte verdächtigt und im Schiedsrichter der Grund für das Aus gefunden wurde, blieb es seltsam still. Selbst Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, der noch vor einer Woche seine Wutkeule gegen alles Böse schwang («das war Beschiss»), gab sich fast schon kleinlaut: «Das war ein bitterer Abend, wir müssen erst mal die Wunden lecken.»

Dafür braucht es starke und prächtige Zungen, um im Duktus von Rummenigge zu bleiben. Denn Bayern vergab eine 2:1-Führung im eigenen Stadion, hatte Chancen zum 3:1 und später zum Ausgleich. Bayern hat aber auch ein weiteres Saisonziel verpasst. Und Bayern tritt an Ort.

Wird Ancelotti zum Thema?

So kratzt die Niederlage am Selbstverständnis des steten Siegers. Da passt auch die Vorher-Nachher-Analyse von Philipp Lahm, der den Siegtreffer von Dembélé verschuldet hatte. Vor der Partie betonte er: «Ob es eine gute oder sehr gute Saison wird, hängt vom Pokal ab.» Nach dem Spiel sagte er: «Wenn man Meister wird, ist es nie eine schlechte Saison.»

Nicht schlecht ist der kleine Bruder von solid. Und solid ist nicht der Anspruch der Bayern. Dazu passt, dass die Bayern zum ersten Mal seit 17 Jahren in fünf Pflichtspielen in Folge sieglos bleiben.

Robben misst selbst die Meter beim Freistoss ab und kassiert die Gelbe Karte. Quelle: ARD

Trainer Ancelotti hatte keine Lust, nach dem Spiel grundsätzlich zu werden: «Ich denke, es ist zu früh, über die Saison zu sprechen.» Trotzdem drängen sich Fragen auf.

Die fangen beim Trainer an, wie an dieser Stelle auch schon geschrieben wurde: Ist Ancelotti zu lieb und zu unaufgeregt? Fordert er die Spieler zu wenig? Gibt er ihnen zu wenig taktische Hilfe? Vermissen sie gar die präzisen Befehle von Guardiola und dessen Detailbesessenheit?

Was ist mit den Jungen? Wo ist Sanches?

Die Mannschaft ist reif, um es wohlwollend auszudrücken; das Team ist alt, um es pointiert zu schreiben. Wie will der Verein die Mannschaft verjüngen? Denn da ist der sonderbare Umgang mit Talenten. Ein Renato Sanches wurde für 35 Millionen Euro geholt, auf der Bank sitzen Coman und Kimmich, doch Ancelotti setzt lieber auf die alten Ribery, Robben und Alonso.

Genauso die Zusammensetzung der Mannschaft: Reicht mit Lewandowski ein einziger Mittelstürmer, um bei drei Wettbewerben ein ernsthafter Mitstreiter zu sein?

Der ehemalige Bayern-Spieler und heutige TV-Experte Mehmet Scholl sagt, er glaube, dass die Münchner nun «verrückte Dinge machen werden». Scholl denkt an eine Offensive auf dem Transfermarkt und eine Verpflichtung von Alexis Sanchez, ein notorisch unzufriedener, aber pfeilschneller Stürmer von Arsenal.

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