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Kuriose Sperre gegen Schweizer Boxmeister

Uke Smajli war nicht zu Hause, als die Dopingkontrolleure klingelten. Jetzt verliert er seine Medaillen und muss ein Jahr lang zuschauen. Die Gründe.

Muss ein Jahr lang aufs Boxen verzichten: Uke Smajli (links). Bild: Facebook.
Muss ein Jahr lang aufs Boxen verzichten: Uke Smajli (links). Bild: Facebook.

Uke Smajli ist einer der besten Boxer er Schweiz. 2015 durfte er an den Europaspielen in Baku teilnehmen, obwohl er erst 2009 ernsthaft zu boxen begonnen hatte. Im selben Jahr vertrat er die Schweiz an der Europameisterschaft, wo er im Halbschwergewichts-Achtelfinal dem holländischen Weltklasseboxer Peter Mullenberg nach Punkten unterlag.

2017 hätte der Mann mit dem Übernamen «The Wolf» an der EM und WM teilnehmen sollen. Doch daraus wird erstmal nichts. Wie der im Kosovo geborene Zürcher auf Facebook schrieb, ist er wegen einer verpassten Dopingkontrolle für ein Jahr gesperrt. «Ich habe lange gekämpft, auch mit rechtlicher Hilfe, habe aber verloren», so Smajli. Von Redaktion Tamedia war er kurzfristig nicht zu erreichen.

«Urin kann innert 15 Minuten ausgetauscht werden»

Eine neue Situation für ihn, denn nicht nur im Ring war der mehrfache Schweizer Meister im Halbschwergewicht bis jetzt äusserst erfolgreich. Er war fünf, als er mit seiner Familie in die Schweiz flüchtete. Sein Ehrgeiz führte ihn problemlos durch die Primarschule bis zu einem Uni-Abschluss in Wirtschaft, ausserdem spricht er besser Dialekt als Kosovarisch, wie er dem «Tagblatt der Stadt Zürich» einmal sagte. Im Boxclub Sportring Zürich wird er als anständiger und vor allem intelligenter junger Mann beschrieben, der nicht nur auf dem Trainingsgelände lebt. Im Gegenteil: Smajli absolviert gerade den Master an der Uni Zürich.

Der 24-Jährige schildert in seinem Facebook-Post auch das ihm zur Last gelegte Fehlverhalten: «Im November klopfte Antidoping Schweiz um 7 Uhr morgens bei mir an der Türe. Ich habe mich aber nach einem Samstagabend gegen 3 Uhr entschieden, nicht mehr nach Hause zu gehen.» Sein Bruder habe hingegen bei ihm übernachtet und den Kontrolleuren angeboten, Smajli anzurufen und herzubestellen: «Das lehnte der Kontrolleur ab. Obwohl er genau wusste, dass ich bei einer nicht durchgeführten Kontrolle gesperrt werde.» Die Regelung von Antidoping Schweiz besagt: Wenn ein Athlet zum dritten Mal in einem Jahr seine Meldepflicht missachtet und deshalb nicht sofort eine Dopingprobe ablegen kann, wird ein Verfahren eröffnet. «Wieso macht man den Sportlern das Leben noch schwerer, als sie es in der Schweiz ohnehin schon haben?», fragt der Student.

Nur ein bis zwei Verfahren pro Jahr

Matthias Kamber, Chef von Antidoping Schweiz, will zum Fall keine Stellung nehmen. Allerdings erklärt er, dass Kontrolleure immer unangekündigt kommen müssen, weil eine Urinprobe innert 15 Minuten mittels Katheter ausgetauscht werden könne. Wenn also eine Drittperson den Athleten vorwarnen kann, verpufft der Überraschungseffekt.

Ohnehin sei das Vorgehen sehr tolerant, denn diese drei verpassten «whereabouts», wie es in der Fachsprache heisst wenn ein Athlet sich nicht am vorgemeldeten Ort befindet, müssen innerhalb eines Jahres sein. Vorher gibt es jeweils eine Verwarnung, die an einer neutralen Instanz angefechtet werden kann. «Es kommt pro Jahr nur zu einem, maximal zwei Verfahren. Und das bei rund 2000 Kontrollen», so Kamber weiter. Smajli war Redaktion Tamedia kurzfristig für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

In einem Kommentar unter seinem Post zeigt Smajli zwar Verständnis für das Prozedere, hält den Aufwand aber für übertrieben: «Es ist einfach unverhältnismässig, dass man so viel Geld in die Kontrolle von Sportlern investiert, deren Verband fast nichts von Swissolympic erhält. Von dem Geld dass die Boxer vom Verband kriegen ganz zu schweigen. Eine komplette Misallokation der Ressourcen.» So bleibt es Smajli nichts anderes übrig, als seine Sperre zu akzeptieren. «Kaum zu glauben, dass der Schweizer Meistertitel dieses Jahr nicht bei seinem rechtmässigen Besitzer sein wird. Das bricht mir das Herz.»

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