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Lausannes Chef sucht den Schlussläufer

Tabellenletzter Lausanne empfängt heute den FC Zürich. Krisenstimmung herrscht deswegen nicht. Das hat auch mit dem Präsidenten zu tun.

Sie sind ein illustres Grüppchen, die Präsidenten der Super-League-Clubs. Alle teilen die grosse Leidenschaft für den Fussball, die meisten verbindet auch das Fehlen zweier Tugenden: Geduld und Vertrauen in die leitenden Angestellten. Lausannes Präsident und Besitzer Alain Joseph widersetzt sich den ungeschriebenen Gesetzen des Profifussballs zwar oft, dennoch schien die Zeit von Fabio Celestini als Trainer im Waadtland abgelaufen zu sein, als Joseph am 6. September zur Medienkonferenz lud.

In neun von zehn Fällen bedeutet eine solche Einladung, dass eine Entlassung bekannt gegeben wird. Und Argumente wären mehr als genug vorhanden gewesen. Die Zwischenbilanz: Zwei Punkte aus sechs Spielen, 16 Gegentore und der letzte Rang. Die Energie der letztjährigen Schlussphase war verpufft, der Flirt des früheren Nationalspielers mit Saint-Etienne sei fatal gewesen, sagten Kritiker. Und nach dem 1:1 gegen GC hatte auch Joseph genug: Für seine Schiedsrichterbeleidigung wurde er gebüsst.

Der Ästhet als Betonmischer

Der branchenübliche Reflex war aber kein Thema. Im Gegenteil: Wie im Spätherbst 2016 und im vergangenen Frühling stärkte der Präsident Celestini den Rücken, diesmal öffentlich. Er habe keine Reaktion provozieren wollen, sagt er: «Ich wollte nur den Zuschauern, den Sponsoren und den Spielern erklären, dass wir auf unserer Linie mit Fabio weitermachen.» Celestini ist seit März 2015 im Amt, länger hält sich einzig Markus Babbel in Luzern.

Lausanne gewann das nächste Spiel, bei Meister Basel – es war dort der erste Erfolg seit 17 Jahren. Und Celestini bewies Anpassungsfähigkeit: Der Fussballästhet mischte in der ersten Halbzeit mit einem 5-4-1-System Beton. Erleichterung allenthalben, vor allem auch bei Joseph. Er weiss: Wenn er Celestini entlassen hätte, wäre das auch für ihn eine Niederlage gewesen. Schliesslich ist er ja auch Sportchefersatz. Und als solcher mitverantwortlich, dass im Sommer Betrieb herrschte wie zur Rushhour in Peking. 15 Spieler gingen, 11 kamen, viele Zuzüge leben mehr vom Namen als vom Rendement in jüngerer Vergangenheit (Rochat, Zarate, Mesbah oder Bojinov).

Der Präsident wurde einmal zitiert, er brauche niemanden, «der mich bei den Transfers übers Ohr haut». Er habe grundsätzlich nichts gegen Sportchefs, präzisiert er: «Einen wie Thuns Gerber oder Spycher von YB würde ich morgen früh verpflichten. In vielen Clubs besetzt er aber nur eine Linie im Organigramm.» In Lausanne sind die Wege so kurz wie nirgendwo. Besonders intensiv sei der Kontakt aber nicht, sagt der Inhaber eines Bedachungsunternehmens und der Sporteventfirma Grand Chelem: «Ich lasse Fabio in Ruhe arbeiten, in den letzten zwei Wochen sahen wir uns einmal.»

Neues Stadion, neues Glück?

In zwei Jahren erfolgt der Umzug von der baufälligen Pontaise ins neue Stadion mit einer Kapazität von 12'000 Zuschauern im Stadtteil La Tuilière. Wie die Beispiele Servette, Xamax und Biel zeigen, garantiert das keinen Erfolg. Joseph warnt auch: «Ein neues Stadion ist kein Zaubertrank. Es gehört sehr viel Arbeit dazu, es richtig zu verwalten.» Falls das geschehe, könne aber einiges ausgelöst werden. «Die Leute erleben dann richtiges Fussballfeeling, wir können aber auch den VIP gerecht werden und Logen bauen.»

Joseph ist uneitel, als persönlichen Meilenstein sieht er das neue Stadion nicht: «Ich denke nicht, dass ich dann noch der richtige Präsident bin.» Im 11. Jahr ist er nun in leitender Funktion tätig, 2013 kaufte er den Club seinem Weggefährten Jean-François Collet ab und wurde dann Präsident. Er vergleicht seine Amtszeit mit einer 4-mal-100-Meter-Staffel. Zuerst habe er den Stab mit Collet getragen, dann allein. «Jetzt bin ich am Ende der Gegengeraden.»

Und damit auch auf der Suche nach einem Schlussläufer. Er habe schon Interessenten getroffen, noch nicht aber den richtigen. «Zeitdruck habe ich nicht», stellt Joseph klar.

Anderen Druck aber schon: «Den richtigen Nachfolger zu finden, ist wichtiger als alles, was ich bisher für den Club gemacht habe.»

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