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Lucien Favres Dortmund greift die Bayern an

Umbau, Aufschwung, Rückschläge, Kritik – bei Dortmund hat der Schweizer Trainer bereits alles kennen gelernt.

Oliver Kahn kann auch anders: Hier gratuliert er Stéphane Chapuisat, der im März 1998 im Viertelfinal der Champions League das entscheidende Tor für Dortmund erzielt. Die Borussia scheitert im Halbfinal am späteren Champions-League-Sieger Real Madrid.
Oliver Kahn kann auch anders: Hier gratuliert er Stéphane Chapuisat, der im März 1998 im Viertelfinal der Champions League das entscheidende Tor für Dortmund erzielt. Die Borussia scheitert im Halbfinal am späteren Champions-League-Sieger Real Madrid.
Edgar Schoepal, Keystone
Ottmar Hitzfeld war sowohl bei Dortmund (1991-1997) als auch bei Bayern München (1998-2004 und 2007-2008) sehr erfolgreich.
Ottmar Hitzfeld war sowohl bei Dortmund (1991-1997) als auch bei Bayern München (1998-2004 und 2007-2008) sehr erfolgreich.
Frank Augstein, Keystone
Thomas Helmer (im Bayern-Trikot, links Karlheinz Riedle) war einer von 15 Spielern, die für beide Teams aufliefen.
Thomas Helmer (im Bayern-Trikot, links Karlheinz Riedle) war einer von 15 Spielern, die für beide Teams aufliefen.
Edgar Schoepal, Keystone
Stefan Reuter war drei Jahre bei Bayern München, wechselte für ein Jahr zu Juventus Turin und war dann zwölf Jahre bei Dortmund.
Stefan Reuter war drei Jahre bei Bayern München, wechselte für ein Jahr zu Juventus Turin und war dann zwölf Jahre bei Dortmund.
Daniel Maurer, Keystone
Die Rivalität hält schon seit Jahrzehnten: Giovane Elber und BVB-Goalie Jens Lehmann schienen sich besonders gut zu mögen (Februar 2002).
Die Rivalität hält schon seit Jahrzehnten: Giovane Elber und BVB-Goalie Jens Lehmann schienen sich besonders gut zu mögen (Februar 2002).
Frank Maechler, Keystone
Auch in den letzen Jahren gab es immer wieder 'Überläufer'. Robert Lewandowski spielte von 2010 bis 2014 in Dortmund und schiesst seither Tore für die Bayern.
Auch in den letzen Jahren gab es immer wieder 'Überläufer'. Robert Lewandowski spielte von 2010 bis 2014 in Dortmund und schiesst seither Tore für die Bayern.
Ronald Wittek, Keystone
Mario Götze lief von 2009 bis 2013 für den BVB auf, wechselte dann nach München, wo er nicht glücklich wurde, und kehrte 2016 nach Dortmund zurück.
Mario Götze lief von 2009 bis 2013 für den BVB auf, wechselte dann nach München, wo er nicht glücklich wurde, und kehrte 2016 nach Dortmund zurück.
Ina Fassbender, Keystone
Das Duell zwischen Bayern München und Borussia Dortmund ist auch ein Duell zwischen Niko Kovac ...
Das Duell zwischen Bayern München und Borussia Dortmund ist auch ein Duell zwischen Niko Kovac ...
Matthias Balk, Keystone
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Am Samstag könnte der Schweizer Trainer mit einem Auswärtssieg im Spitzenspiel gegen den FC Bayern München eine Fussball-Eruption auslösen.

«Alle meiner Spieler besitzen das Potenzial, weitere Fortschritte zu machen – technisch, taktisch, physisch, mental.» Diese Einschätzung stammt von jenem Mann, der die aktuelle Mannschaft von Borussia Dortmund täglich bis ins letzte Detail studiert: Lucien Favre machte sich Mitte Januar an der Costa des Sol in einem Gespräch mit Keystone-SDA Gedanken zur zweitbesten Vorrunde der Clubgeschichte. Eine konkretere Meisterprognose liess sich der 61-jährige Westschweizer selbstredend nicht entlocken. «Ich habe die Ziele für mich persönlich notiert. Das genügt.»

Gewichtige Ausfälle während der letzten Monate

Zwölf Wochen später denken sie im schwarz-gelben Teil des Ruhrpotts nicht anders. Das Zwischentief im Februar mit nur einem Sieg in acht Pflichtspielen hat im Trainerbüro weniger Staub aufgewirbelt als in der Zentrale der Schlagzeilenproduzenten. Die Club-Verantwortlichen verloren im Winter zwar Punkte, aber nie die Nerven. Ihnen war klar, dass die verletzungsbedingten Ausfälle der Leistungsträger Manuel Akanji und Marco Reus angesichts des nicht überdotierten Kaders Erschütterungen auslösen könnten.

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Bildstrecke: Favres Trainerkarriere

Zurück in der Bundesliga: Lucien Favre hat in Dortmund eine grosse Aufgabe vor sich. (April 2018)
Zurück in der Bundesliga: Lucien Favre hat in Dortmund eine grosse Aufgabe vor sich. (April 2018)
Sébastien Nogier, Keystone
Kann sein Glück kaum fassen: Favre gewinnt 2005 auch mit dem FC Zürich den Schweizer Cup. (10. Dezember 2005)
Kann sein Glück kaum fassen: Favre gewinnt 2005 auch mit dem FC Zürich den Schweizer Cup. (10. Dezember 2005)
Keystone
Ein Titel mit Folgen: Sportchef Fredy Bickel, Trainer Favre und Präsident Sven Hotz (v. l.) heben am 13. Mai 2006 im St. Jakob-Park den Meisterpokal in die Höhe. Der Sieg des FCZ in Basel ist von heftigen Ausschreitungen begleitet. (13. Mai 2006)
Ein Titel mit Folgen: Sportchef Fredy Bickel, Trainer Favre und Präsident Sven Hotz (v. l.) heben am 13. Mai 2006 im St. Jakob-Park den Meisterpokal in die Höhe. Der Sieg des FCZ in Basel ist von heftigen Ausschreitungen begleitet. (13. Mai 2006)
Patrick B. Krämer, Keystone
Ein Jahr später gewinnt der FCZ erneut die Meisterschaft. Favre (links) und Xavier Margairaz (rechts) feiern 2007 den Sieg im Hardturm-Stadion in Zürich. (24. Mai 2007)
Ein Jahr später gewinnt der FCZ erneut die Meisterschaft. Favre (links) und Xavier Margairaz (rechts) feiern 2007 den Sieg im Hardturm-Stadion in Zürich. (24. Mai 2007)
Keystone
Neuanfang in Deutschland: Ab 2007 trainiert Favre Hertha BSC Berlin und ist in der ersten Saison erfolgreich. (16. Mai 2009)
Neuanfang in Deutschland: Ab 2007 trainiert Favre Hertha BSC Berlin und ist in der ersten Saison erfolgreich. (16. Mai 2009)
Keystone
Abruptes Ende: Nach einem schlechten Saisonstart 2009/2010 verliert Favre mit seiner Mannschaft sechs Spiele in Folge und wird Ende September entlassen. (28. September 2009)
Abruptes Ende: Nach einem schlechten Saisonstart 2009/2010 verliert Favre mit seiner Mannschaft sechs Spiele in Folge und wird Ende September entlassen. (28. September 2009)
Keystone
Borussia Mönchengladbach verpflichtet den Schweizer 2011 als Cheftrainer. Zu dieser Zeit kämpft der Club um den Abstieg, ... (14. Februar 2011)
Borussia Mönchengladbach verpflichtet den Schweizer 2011 als Cheftrainer. Zu dieser Zeit kämpft der Club um den Abstieg, ... (14. Februar 2011)
Keystone
... kann aber dank Favre auf wundersame Weise in der 1. Bundesliga bestehen. (15. August 2015)
... kann aber dank Favre auf wundersame Weise in der 1. Bundesliga bestehen. (15. August 2015)
Keystone
Obwohl Gladbach regelmässig seine Leistungsträger verlor, erreichte der Schweizer in der Saison 2014/2015 überraschend den dritten Tabellenrang, wodurch sich das Team die direkte Champions-League-Qualifikation sicherte. (14. September 2015)
Obwohl Gladbach regelmässig seine Leistungsträger verlor, erreichte der Schweizer in der Saison 2014/2015 überraschend den dritten Tabellenrang, wodurch sich das Team die direkte Champions-League-Qualifikation sicherte. (14. September 2015)
Keystone
Nach sechs aufeinanderfolgenden Niederlagen zum Saisonstart gibt Favre am 20. September 2015 seinen Rücktritt als Trainer bei den Fohlen bekannt. (30. August 2015)
Nach sechs aufeinanderfolgenden Niederlagen zum Saisonstart gibt Favre am 20. September 2015 seinen Rücktritt als Trainer bei den Fohlen bekannt. (30. August 2015)
Keystone
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Von der Kampagnen-Posse der «Bild-Zeitung» liess sich kein Dortmunder provozieren, obschon die Boulevard-Zeitung zum Rundumschlag gegen den Trainer angesetzt hatte. «Weiss er nicht weiter – oder mal wieder nicht, worum es überhaupt geht? Er hat sich komplett abgekapselt in seiner Trainerwelt, versteckt die Titelkrise öffentlich hinter Taktikgefasel.» Einen Monat später tritt der BVB als stabiler Leader zum Gipfel in München an.

Der Schweizer hat die Borussia stabilisiert

Erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit geht es im deutschen Clásico um mehr als nur eine prestigeträchtige Momentaufnahme. Dortmund besitzt die erstklassige Chance, den sechsjährigen Monolog der Bayern ernsthaft zu beeinträchtigen. Seit Jürgen Klopps letztem Titelgewinn mit Dortmund büsste die Borussia pro Saison im Schnitt 22 Punkte auf den Rekordmeister ein.

In diesem Jahr aber wankt der FCB sieben Runden vor Schluss, weil Favre seit dem letzten Sommer geschafft hat, was ihm seit bald 15 Jahren gelingt: Der Romand produziert bessere Ergebnisse, als es die Statistiker für möglich halten. Nach dem FC Zürich, Hertha Berlin, Borussia Mönchengladbach und OGC Nice hat er auch Borussia Dortmund besser gemacht. Im Vergleich zum tristen Vorjahr ist der Club nicht mehr zu erkennen. Das Tempo der Entwicklung beeindruckt sogar Favre: «Normalerweise braucht man mindestens zwei, drei Transferperioden, um eine Mannschaft aufzubauen», sagte er.

Favre, der Taktik-Fuchs

Für ihn spricht, der Zeit einmal mehr voraus zu sein. Sein taktisches Repertoire kommt ihm zupass, denn das abermals umfangreiche medizinische Bulletin zwingt ihn für das Spitzenspiel in München zu Umstellungen. Noch wägt er ab, wie das Saison-Out der Real-Madrid-Leihgabe Achraf Hakimi aufzufangen ist. Im von der «Bild» entworfenen Tunnel befindet sich Favre keinesfalls, seine Analysen entstehen bei Tageslicht.

Teilhaben lässt Favre indes nicht alle an seinen Strategien. Öffentliche Pflichttermine sind für ihn nicht da, um die Karten aufzudecken und grosse Ansagen zu platzieren. Wohl auch deshalb sind die Klischees vom «zerstreuten Professor, Nerd und Zweifler» («Tagesspiegel») schnell zur medialen Hand. Andere wie etwa Michael Jahn schauen genauer hin. Der Hertha-Kenner wird zeitnah ein Buch über Favre veröffentlichen: «Der Bessermacher».

Verlängerung eine Frage der Zeit

In München könnte Favre seiner inzwischen fast zwölfjährigen Ära im Ausland einen nächsten Höhepunkt hinzufügen. Die Chancen auf ein gutes Ergebnis sind beträchtlich. 70 Prozent seiner 255 Bundesliga-Partien hat der Romand nicht verloren, seit seiner Ankunft in Nordrhein-Westfalen ging er sogar nur in acht Prozent der Fälle als Verlierer vom Rasen. Gegen die Bayern hatte selbst der frühere Meister-Coach Ottmar Hitzfeld keine bessere Erfolgsbilanz vorzuweisen – Favre kommt in 15 Duellen auf fünf Siege und drei Unentschieden.

In Deutschland war Favre statistisch pro Partie nie erfolgreicher und begehrter. Gegenüber dem TV-Sender «Eurosport» bestätigte Clubchef Hans-Joachim Watzke die Dortmunder Absicht, den bis 2020 fixierten Vertrag frühzeitig zu verlängern. «Dass wir weitermachen wollen, ist unstrittig. Wenn beide das Gleiche wollen, ist es relativ einfach.»

Watzke pflegt mit dem anspruchsvollen Schweizer einen guten und konstruktiven Austausch. Nach komplizierten Jahren mit Thomas Tuchel und Peter Bosz schätzt er die Zusammenarbeit mit einem geerdeten Taktgeber, der von sicher selber sagt, «man sollte als Coach nie das Gefühl haben, alles zu wissen».

(SDA)

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