Zum Hauptinhalt springen

Mamma, ich habe Maradona gesehen

Wenn der FCZ in einer Woche auf Napoli trifft, weckt das bei manchem Fussballfan schöne Erinnerungen.

Ein Bild für die Ewigkeit: Maradona spielt gegen den FC Wettingen.
Ein Bild für die Ewigkeit: Maradona spielt gegen den FC Wettingen.
Keystone

Napoli kommt nächste Woche in den Letzigrund, die Nummer 2 im italienischen Fussball. Ein Fest für den FC Zürich. Es kommen die Ancelottis, Carlo, der Trainer, Davide, sein Sohn, der sein Assistent ist und vielleicht einmal sein Nachfolger.

Napoli war schon einmal im Letzigrund, vor bald 30 Jahren. Aber da kam nicht Napoli, da kam er, nur er interessierte – Diego Maradona. Wettingen, kurz zuvor wegen Jagdszenen auf den Schiedsrichter bei einem Spiel in Sitten in den Schlagzeilen, gegen Maradona im Uefa-Cup. 100 Franken kostete ein Platz auf der Tribüne, sehr viel damals, die Tickets wurden erst im letzten Moment verschickt, aus Angst vor Fälschungen.

Im Sommer schon hatte Maradona wieder einmal ganz Neapel in Aufregung versetzt. Er war nicht zurückgekommen aus den Ferien in Argentinien, und es gab Bilder, wie er auf einem Liegestuhl an einem Pool lag. Er schien das Leben schon lange liegend zu geniessen, eigentlich sah nur das Gesicht wie Maradona aus, der Körper wie der eines sehr runden Mannes. 15 Kilos, hiess es später, habe er zugenommen.

Aber jetzt war er da, in Zürich, an diesem Dienstag im Oktober 1989. Zuerst im Hotel, mit seiner Mutter, seiner Frau Claudia, das Baby im Arm, er spielte mit Dalma, der anderen Tochter.

An diesem schönen Herbstnachmittag war nachher Training im Letzigrund. Wettingen hatte fünf Franken Eintritt verlangt, 1500 kamen, Maradona sagte, es störe ihn, dass ein Verein daran verdiene, wenn er einfach trainiere. Als er einige Jahre zuvor in Neapel vorgestellt worden war und im Mittelkreis ein wenig jonglierte, waren 75 000 ins San Paolo gekommen und hatten 1000 Lire Eintritt zahlen müssen. «Oh, mamma, oh, mamma, ho visto Maradona», sangen sie, es wurde eine neapolitanische Hymne.

Oh, Mamma, ich habe Maradona gesehen, das war auch in Zürich so. Sie sahen einen Maradona, der seinen Oberkörper etwas hin und her wippte, und vor allem auf dem Rasen auf und ab lief, immer mit dem Ball, auf dem Fuss, dem Kopf, den Schultern, dem Knie, seinem Bauch, der trotz Kur immer noch beachtlich blieb, er jonglierte 200 Meter weit, ohne dass der Ball einmal zu Boden fiel. Ein grandioses Schauspiel.

Das Spiel? 0:0, Wettingen jubelte. Und der Schriftsteller Silvio Blatter schrieb nachher im «Tages-Anzeiger» in einem Essay: «Maradona lebt von den Erinnerungen an Maradona.»

Heute erst recht. Diego Maradona hat viel getan, um alles andere zu zerstören.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch