Maradona fehlt schon im ersten Training

Grosser Empfang, grosse Erwartungen, grosse Worte: Doch Argentiniens Fussballlegende hatte bei Gimnasia als Trainer keinen guten Einstand.

Riesige Euphorie: Diego Armando Maradona wird bei Gimnasia vorgestellt.

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Ohne Brimborium und ohne zu fluchen. Beides undenkbar bei Anlässen mit Diego Armando Maradona. So war seine Vorstellung als Trainer beim argentinischen Erstligisten Gimnasia y Esgrima aus La Plata eigentlich standesgemäss, vor 26'000 euphorisierten Fans, die ihren Fussballgott feierten. Wie schon als Fussballer für sein Land soll Maradona jetzt auch für den Traditionsclub, der rund 60 Kilometer südlich von Buenos Aires daheim ist, der Messias sein. Nach fünf Spielen steht Gimnasia mit einem Punkt am Tabellenende. Und noch schlimmer: Weil in Argentinien der Punktedurchschnitt der drei letzten Saisons zählt, steht der Club vor dem Abstieg. Gimnasia holte 57 Punkte aus den vergangenen 57 Spielen.

Auch deshalb gab es ein paar Stimmen, die Maradonas Passion gegenüber seiner neuesten Aufgabe infrage stellen. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass die Fussballlegende als Trainer einen raschen Abgang mache. Diese Töne wären wohl im ganzen Lärm bei der Präsentation unerhört geblieben, hätte sie nicht Maradona höchstpersönlich aufgegriffen. An der Medienkonferenz versprach er nämlich volle Hingabe: «Ich werde keinem einzigen Training fernbleiben, auch wenn irgendwelche idiotische Journalisten das Gegenteil behaupten.» Da war es also, das obligate Fluchen. Totalen Einsatz verlangte er dann auch von seinen Spielern: «Wer nicht rennt, der spielt nicht. Und ab Sonntag verlange ich von jedem, dass er sein Leben auf dem Platz lässt.» In Argentinien nehmen sie den Ausdruck «alles geben» sehr wörtlich, Maradona sowieso.


Video: Typisch Maradona

Er liess sich als Präsident des weissrussischen Clubs Dynamo Brest vorstellen. In einem Panzerwagen. Video: AFP


Was er nicht immer ganz wörtlich nimmt: seine eigenen Aussagen. Im ersten offiziellen Training unter dem «pibe de oro», dem Goldjungen, fehlte nämlich: Diego Armando Maradona. Über sein Umfeld liess der 58-Jährige der Nachrichtenagentur Télam ausrichten, dass er noch seinen Trainerstab fertigstellen müsse. Die für 7.30 Uhr einberufene Trainingseinheit musste dann (der bereits feststehende) Assistent Sebastián Méndez leiten. Später legte Maradona eine Botschaft an die Journalisten nach: «An alle Dreckskerle: Meine Absenz war mit dem Präsidenten abgesprochen. Wenn alle sich darum kümmern würden, ihren Job gut zu machen, dann wäre unser Land viel besser dran.» Eher nach seinem Gusto verhielten sich die Fans. Seit klar ist, dass der Weltmeister von 1986 den Trainerjob übernimmt, kamen bei Gimnasia 3000 neue Mitglieder dazu, ausserdem wurden eigens für ihn produzierte Fanartikel hergestellt – sie waren innert kurzer Zeit ausverkauft.

Am zweiten Tag, um 9:30 Uhr Ortszeit, hatte Maradona dann seinen Trainerstab offenbar komplett und leitete sein erstes Training bei Gimansia. Er spüre einen tollen Spirit, sagte er danach. Jetzt gelte der ganze Fokus auf das erste Spiel unter dem neuen Trainer, am Sonntag gegen Racing Club. Sodass, wie Maradona sagt, «so Gott will», der Abstieg doch noch irgendwie abgewendet werden kann. Auch das darf bei Maradona natürlich nie fehlen: der göttliche Beistand.

(fas)

Erstellt: 11.09.2019, 18:20 Uhr

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