Marcel Koller: «Es hätte schlimmer ausgehen können»

Eine Woche nach seinem Velo-Unfall spricht der Trainer des FC Basel über den Schock, die Folgen, den Alltag mit der verletzten Schulter und warum er derzeit nur zurückhaltend jubelt.

So schildert FCB-Trainer Marcel Koller seinen Velo-Unfall und wie er im Alltag mit den Folgen umgeht. (Video: Tamedia)

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Marcel Koller wird neuerdings auf dem Traktor ins Training chauffiert und fährt die kurze Strecke nicht mehr mit dem Velo. Aber zumindest ist der FCB-Coach nach seinem Bike-Unfall seit Dienstag wieder bei der Mannschaft. Und er wird die Basler am Samstag auch beim Gastspiel in Neuenburg (19 Uhr) wieder coachen – wenn auch ein wenig handicapiert.

Letzten Freitag, am Abend vor dem Cupspiel gegen Pully (4:1), gönnte sich der Zürcher ein wenig Freizeit und schwang sich auf sein Mountainbike. Er wollte in der Region biken. Bei der Abfahrt von einer Anhöhe passierte es: In der Nähe einer Grillstelle zerfetzten Glasscherben die Reifen an Kollers Bike. Der FCB-Trainer: «Ich war mit rund 30 oder 40 Stundenkilometern unterwegs als der Vorderreifen platzte und ich seitlich stürzte.» Koller trug Schürfwunden davon, Prellungen an der linken Hüfte («sie ist noch beleidigt»), das Schultereck-Gelenk ist ausgekugelt, das Schlüsselbein angehoben und drei Bänder kaputt.

Und trotzdem hatte Koller Glück im Unglück wie er am Freitag selber sagt. An der Medienkonferenz vor dem Spiel gegen Xamax genau eine Woche nach dem Sturz hat der Cheftrainer den linken Arm noch in der Schlinge. Es sei zwar Spekulation, aber «es hätte viel schlimmer ausgehen können», sagt er. Wenn er zum Beispiel nicht in der Mitte der Strasse gestürzt wäre, sondern am Strassenrand in einen Graben oder in den Wald. Oder weiter oben an der Strecke, wo es Autoverkehr habe und es leicht zu einer Frontalkollision hätte kommen können. Zudem trage er immer einen Helm. So auch an jenem Freitag. Dieser habe ihn vor einer schlimmen Kopfverletzung bewahrt. Koller: «Ich bin mit dem Kopf voran gelandet. Den Helm kann ich nicht mehr gebrauchen, der ist gerissen.»

Nerviger Alltag

«Ich habe Schmerzen, aber wir haben zusammen mit dem Arzt entschieden, vorderhand nicht zu operieren, weil ich im dritten Grad von vier bin. Im vierten wäre das Schlüsselbein auch gebrochen und dann müsste ich operieren», so Koller. «Aktuell wäre eine OP auch zu gefährlich, weil ich Schürfwunden habe, und damit ist eine Infektionsgefahr zu gross. Ich bekomme Schmerzmittel und die Schulter ist in einer Schlinge ruhig gestellt. Es braucht Zeit, bis eine Therapie begonnen werden kann. Und wenn alle Stricke reissen und es nicht heilt, könnte man auch noch zu einem späteren Zeitpunkt operieren, sagt der Arzt. Ich hoffe jedoch, dass es auch ohne Operation geht.»

Im Alltag komme er zurecht, aber es brauche einige Anpassungen. Zum Beispiel kann der 58-Jährige nicht Autofahren, muss sich chauffieren lassen. «Man passt sich an. Und vieles macht meine Frau für mich. Schlafen kann ich auf der rechten Seite oder auf dem Rücken, das geht ganz gut», erzählt Koller aus seinen Alltag weiter, «aber man braucht für alles doppelt so lange und das ist manchmal etwas nervig.»

Training von aussen

Wie sieht es im Traineralltag aus? Auf dem Platz haben seine Assistenten das Training für den Cheftrainer übernommen. Nach der Ansprache vor der jeweiligen Einheit steht Koller am Rand des Trainingsfeldes – möglichst weit weg vom Geschehen – und beobachtet nur. Ab und zu ruft er einen Spieler zu sich, um sich mit ihm zu besprechen oder ihm etwas zu erklären. Aber immer ausserhalb der Schusslinie. «Eine reine Vorsichtsmassnahme, damit ich keinen Abpraller oder Schuss abbekomme, weil ich nicht schnell reagieren kann. Ich kann im Moment nicht so schnell ausweichen. Darum ist es besser, wenn ich von aussen zusehe und korrigiere», sagt der FCB-Trainer.

Nachdem er das Cupspiel in Pully letzten Samstag nur am Liveticker verfolgen konnte, steht er am Samstag auf der Maladière wieder an der Seitenlinie. Der FCB geht gegen Xamax als Favorit in die Partie. Aber kann Koller überhaupt bei einem allfälligen FCB-Tor jubeln? «Das geht!» sagt Koller und zeigt umgehend mit der gesunden rechten Hand vor, wie er eine Siegerfaust macht. Dann lacht er und fügt an: «Aber ich schaue, dass mir niemand auf die Schulter klopft.»

Erstellt: 24.08.2019, 09:35 Uhr

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