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Mit Marco Wölfli tritt ein grosser Goalie ab

Im Sommer wird Goalie Marco Wölfli nach über zwei Jahrzehnten bei YB seine Karriere beenden.

453 Spiele für die Young Boys: Marco Wölflis aussergewöhnliche Karriere.
453 Spiele für die Young Boys: Marco Wölflis aussergewöhnliche Karriere.
Peter Schneider, Keystone

Die Liebesgeschichte beginnt mit einer Abweisung.

Eines Tages im Sommer 1998 stand Wölfli senior mit dem Sohnemann vor dem Stadion, sagte, seinen Junior Marco wolle man beim FC Solothurn nicht mehr, weil er zu klein sei. Der damalige YB-Nachwuchschef Ruedi Moser blickte auf die Füsse des gross gewachsenen Vaters und war überzeugt. Wölfli wuchs tatsächlich ein paar Zentimeter. Er hat jetzt die Statur einer Clublegende.

Moser erzählte die Episode kürzlich, als es darum ging, wie der Verein innert zwei Jahrzehnten vom Sterbebett in den Sternenhimmel der Champions League emporstieg. Dass Moser dabei auf Wölfli zu sprechen kam, passt: Kein anderer Spieler hat seit der Jahrtausendwende die Geschichte der Young Boys geprägt wie der 37-Jährige.

2000 schaffte Wölfli den Sprung in die erste Mannschaft, mit Ausnahme eines 18-monatigen Leihengagement beim FC Thun gehörte er stets dem Fanionteam der Young Boys an und absolvierte 453 Partien. «Es ist in der heutigen Zeit sehr aussergewöhnlich, dass ein Spieler während seiner gesamten Laufbahn beim gleichen Club unter Vertrag steht. Marcos Leistungen und Treue verdienen grössten Respekt», sagt YB-Sportchef Christoph Spycher.

Wölfli und Sportchef Christoph Spycher äussern sich zum Rücktritt der Vereinsikone. (Video: YB)

Wölfli erlebte den Auszug aus dem Wankdorf- ins Neufeldstadion und den Einzug ins Stade de Suisse, er stieg zum Captain und zum Nationalspieler auf. Doch seine Karriere blieb unvollendet, weil er im Tor gewesen war, als YB zwischen 2006 und 2010 je zwei Finalissimas und Cupfinals verloren hatte. Zudem platzte sein lang gehegter Traum von der Teilnahme an der WM 2014 in Brasilien wegen einer schweren Achillessehnenverletzung. Als er sich zurückgekämpft hatte, musste er bei YB erst Yvon Mvogo, dann David von Ballmoos weichen. Wölfli galt als treu und verlässlich, er stand aber auch für das Verliererimage, das dem Club anhaftete. Das Pech schien ihm an den Goaliehandschuhen zu kleben.

Wende in Wölflis Werdegang

Dann verletzte sich vor 2 Jahren von Ballmoos in der Vorbereitung auf die Rückrunde schwer an der Schulter. Wölfli bekam unverhofft doch noch die Chance, die Karriere zu vollenden. Und er nutzte sie auf eindrückliche Art und Weise.

Wölfli hielt dem Druck stand, er spielte solide, als YB im Frühjahr 2018 fast mit jeder Woche den Vorsprung an der Tabellenspitze vergrösserte und er damit seinen Ruf als ewigen Zweiten immer ein bisschen mehr abstreifte. Und dann kam der 28.April, jener Tag, der – passenderweise – sowohl in der Historie des Vereins wie des Goalies unverrückbar verankert ist.

Es lief die 76. Minute, als Wölfli beim Stand von 1:1 einen Penalty der Luzerner an die Latte lenkte und sein Team im Spiel hielt. Als Jean-Pierre Nsame kurz vor Schluss den Siegtreffer gelang und er YB damit die erste Meisterschaft nach 32 Jahren sicherte, legte sich Wölfli nach Spielende auf den Rücken, um den Moment zu geniessen. Kaum war er am Boden, rannten Mitspieler und Zuschauer auf ihn zu. Weil ihm jeder diesen Triumph gönnte. Aus dem Verlierer Wölfli wurde ein Gewinner. Und keiner feierte ausgelassener als er.

Wölfli war sich nicht zu schade, danach wieder ins zweite Glied zu rücken und dem wieder genesenen von Ballmoos ein Mentor und Helfer zu sein. Auch das zeichnete ihn aus: Er war ein Teamplayer und Leader. Als sich von Ballmoos erneut verletzte, wurde er mit Einsätzen in der Champions League belohnt. Der Sieg gegen Juventus Turin mit seinem Weltstar Cristiano Ronaldo bezeichnete der Sohn einer sizilianischen Mutter als einer der Höhepunkte seiner Karriere. «Natürlich werde ich sentimental werden, wenn der Vorhang gefallen ist», sagt Wölfli. «Ich schaue voller Freude, Stolz und Dankbarkeit auf meine Laufbahn.»

Nun tritt Marco Wölfli also bald ab, er soll dem Club auch danach in einer noch nicht genau definierten Rolle erhalten bleiben, erste Gespräche mit Sportchef Spycher haben schon stattgefunden. Zudem ist für den Goalie ein Abschiedsspiel geplant. Das zeigt, welchen Stellenwert er sich bei YB erarbeitet hat: Aus dem zu kleinen Jungen aus Grenchen ist ein grosser Berner geworden.

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