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Mario Eggimann: «Dann steht man eben blöd da»

Der Schweizer Fussballer steckt mit Hannover 96 in der Krise. Angetreten, um im nächsten Jahr europäisch zu spielen, dümpelt sein Verein nahe der Abstiegszone. Nun trifft Eggimann ausgerechnet auf seinen Ex-Verein Karlsruhe.

Unzufrieden: Mario Eggimann und Hannover 96 kamen in dieser Saison noch nicht wunschgemäss auf Touren.
Unzufrieden: Mario Eggimann und Hannover 96 kamen in dieser Saison noch nicht wunschgemäss auf Touren.
Keystone

Herr Eggimann, Sie treffen am Samstag mit Hannover auf Karlsruhe, wo Sie vor Ihrem Wechsel im Sommer sechs Jahre spielten. Unter normalen Umständen wäre es sicher emotioneller. Weil aber beide Teams Probleme haben, tritt das in den Hintergrund. Es zählt nur das Spiel. Wir müssen gewinnen, alles andere ist nicht so wichtig.

Kann man das einfach so ausblenden? Es ist schon etwas Besonderes, weil ich die meisten Spieler vom letzten Jahr her noch kenne und mit allen ein gutes Verhältnis habe. Aber das muss man ausblenden. Ich hoffe, es bleibt nach dem Spiel noch Zeit für den einen oder anderen Spass. Vorher muss man Profi sein und darf keine Sentimentalitäten aufkommen lassen.

Mit Hannover stehen Sie im Moment auf dem 13. Rang; dabei hatten Sie ja eigentlich in den Norden Deutschlands gewechselt, um in der vorderen Tabellenhälfte mitzuspielen… Im Fussball kann man nie genau sagen, was passieren wird. Man weiss nie, wohin es geht. Klar hatte ich die Hoffnung, dass es anders aussieht. Aber ich habe längerfristig unterschrieben. Jetzt ist erst knapp ein halbes Jahr gespielt; wir werden am Ende der Saison abrechnen. Vieles ist in der Mannschaft nicht so gelaufen, wie wir das gedacht hatten. Wir hatten viele Ausfälle und viele Verletzte. Da ist es schwer, eine Linie zu finden.

Sie sprechen davon, dass es in der Mannschaft nicht so lief, wie Sie sich das vorgestellt hatten. Bezieht sich das nur auf die Ausfälle oder zielt Ihre Aussage noch weiter? Es lief von Anfang an nicht rund. Und es wird sehr schwer, wenn man unten ist und sich eigentlich andere Ziele gesetzt hatte. Zum Beispiel im Cup gegen Schalke 04 hatten wir 14 verletzte oder kranke Spieler. Wir hatten zu Beginn viele Probleme. Und wenn man nicht gut in die Saison startet, dann wird vieles negativ dargestellt. Wir sind dabei, jetzt da hinauszufinden. Wir wollen bis zur Winterpause noch möglichst viele Punkte holen, danach beginnt es wieder bei Null. Dann können wir unser Potenzial zeigen.

Ihr persönlicher Saisonstart verlief auch nicht gerade wunschgemäss… Ich hatte es mir schon anders vorgestellt. Aber eben, Fussball ist so eine Sache. Es ist wichtig, dass man Erlebnisse, die nicht so positiv sind, verarbeitet, um gestärkt aus der Sache zu kommen. Es sind Erfahrungen, die man mitnimmt.

Sie waren im Trainingscamp vor der Euro dabei und wurden – nach der Rückkehr von Patrick Müller – als einer von zwei Spielern noch aus dem Kader gestrichen. Wirkte diese Ausbootung so kurz vor der Euro noch nach? Das ist schwer zu sagen. Im Unterbewusstsein war es wohl stärker, als ich es gegen aussen zugab. Ich lebte zwei Jahre nur für den Fussball, um dabei zu sein. Ein Jahr vor der EM sprach noch niemand von mir, und dann war ich so nahe dran. Das war natürlich schon enttäuschend.

Eine Situation, wie Sie sie jetzt mit Hannover erleben, hatten Sie auch schon in Karlsruhe in der 2. Bundesliga. Können Sie von diesen Erfahrungen profitieren? Ich kann heute sicher anders damit umgehen. Ich war damals auch noch jünger. Aber es hilft mir jetzt bestimmt. Ich weiss, dass alles nur Momentaufnahmen sind. Wir haben gesehen, was in Karlsruhe möglich war, wenn man positiv bleibt. Wir erreichten unglaublich viel; das hätten viele nicht so erwartet. Morgen kann also alles anders aussehen als heute. Und dann interessiert auch niemanden mehr, was heute ist.

Heute ist aber Krisenstimmung in Hannover. Nach dem letzten Spiel, einem 0:4 gegen Eintracht Frankfurt, gab es am vergangenen Sonntag einen Krisensitzung. Wenn es nicht so läuft, muss man sich zusammensetzen und gewisse Sachen ansprechen und analysieren. Es ist sicher ein Problem im Kopf, weil wir niemand damit gerechnet hat, dass es nicht läuft. Wir hatten auf ein gutes Jahr gehofft. Es liegt sicher nicht an der Qualität der Mannschaft.

War der Trainer, Dieter Hecking, bei dieser Sitzung auch dabei, nachdem man lesen konnte, dass Sportchef Christian Hochstätter ja nicht dabei war? Der Trainer sitzt bei der Mannschaft im Boot. Er war also auch dabei. Aber eben mit einem Sieg am Wochenende und mit Punkten in den beiden weiteren Spiele bis zur Winterpause sieht alles wieder viel entspannter aus. Im Fussball kann man in kurzer Zeit sehr viel gut machen. Das ist das Schöne.

Was lief denn bei diesem 0:4 falsch? Wir sind eigentlich gut ins Spiel gekommen und hatten uns auch viel vorgenommen, und dann kassierten wir ein blödes Tor. Plötzlich war die Blockade wieder da. Wir erhalten das Tor zum 0:2 kurz vor der Pause. Danach suchten wir mit aller Macht den Anschlusstreffer und öffneten. Dann kriegt man die Tore und steht eben blöd da.

Das ist das viel beschriebene Haifischbecken Bundesliga? Es ist alles extrem schonungslos. Damit muss man klarkommen. Wenn man das nicht schafft, hat man Probleme. Aber es gehört zu unserem Beruf dazu. Ich mache mir da nicht zu viele Gedanken.

«Bild am Sonntag» gab Ihnen – wie auch acht Teamkollegen – die Tiefstnote 6… Es ist klar, dass auch Druck von aussen kommt; die Presse versucht das auch. Aber man darf sich dadurch nicht irritieren lassen. Ich habe mir angewöhnt, nicht zu viel Zeitung zu lesen. Man darf sich nicht zu viel damit beschäftigen.

Was hätten Sie sich denn selbst für eine Note gegeben? Das ist alles Habakuk mit den Noten. Wir müssen einfach aus der Krise kommen. Aus meiner Sicht ist das Alibi-Journalismus.

Kommen wir zur Nationalmannschaft. Da erleben Sie auch ein Auf und Ab… Nach den zwei Siegen in der WM-Qualifikation ist es sicher wieder positiver. Ich bin wieder im Kader und hatte meine Einsätze. Und ich habe dabei gezeigt, dass ich zu Recht dabei bin. Jetzt kommt die Winterpause, und jeder muss sich wieder neu beweisen. Ich bin zufrieden mit dem, was ich gezeigt habe.

Was sind denn die Ziele des Mario Eggimann für das Frühjahr? Jetzt spielen wir zuerst diese drei Spiele, dann wird schön Weihnachten gefeiert. Das ist auch eine Gelegenheit, um den Kopf etwas freizubekommen. Dann beginnt alles wieder bei Null.

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