Zehn Fans nach Krawallen in Haft

In Marseille haben Fussballfans mehrerer Nationalitäten randaliert. Eine Person schwebt in Lebensgefahr. In Nizza gingen Jugendliche auf nordirische Fans mit Flaschen los.

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Nach den Zusammenstössen zwischen Fussball-Fans untereinander und zwischen Fans und der Polizei nach dem EM-Spiel zwischen England und Russland in Marseille sitzen zehn Personen in Untersuchungshaft. Mehrere Quellen bestätigten das übereinstimmend der Nachrichtenagentur AFP.

Bei den Festgehaltenen handle es sich um Engländer, Russen, aber auch Franzosen, einen Österreicher und einen Deutschen. Die Ermittlungen gegen sie gingen weiter, insbesondere bei den Personen, die sich möglicherweise schweren Straftaten schuldig gemacht haben.

Zuschauer mussten sich in Sicherheit bringen

Beim EM-Spiel zwischen England und Russland ist es am Samstagabend in Marseille im und ausserhalb des Stadions zu Ausschreitungen gekommen. Kurz vor dem Ende der Partie gingen russische und englische Anhänger im Stade Vélodrome aufeinander los. Auslöser waren offenbar russische Zuschauer, die hinter dem Tor von Englands Keeper Joe Hart auf in benachbarten Blöcken sitzende englische Fans losstürmten. Einige Zuschauer mussten sogar in den Innenraum springen, um sich in Sicherheit zu bringen.

Grosse Gewalt: Fussballfans gehen am 11. Juni im alten Hafen von Marseille aufeinander los. Video: Twitter/Yousbak_OM via Storyful

Schon während der Partie, bei der Russland in der Nachspielzeit noch den 1:1-Ausgleich erzielte, waren einige Male Leuchtraketen aus dem russischen Block abgefeuert worden. Auch ein lauter Böller war zu hören. Vor der Begegnung hatte es den ganzen Tag über Auseinandersetzungen mit mehreren Verletzten in der Stadt gegeben.

Mit Metallstange am Kopf verletzt

Vor der Partie England gegen Russland zogen Fangruppen nach stundenlangem Alkoholkonsum marodierend durch die Stadt, warfen mit Stühlen und Flaschen und verhöhnten sich gegenseitig. Am Alten Hafen kam es dann zu schweren Krawallen, an denen englische, russische und französische Fans beteiligt waren. Die Polizei setzte Tränengas ein. Nach sieben Festnahmen am Freitag wurden am Samstag mindestens sechs Randalierer festgenommen.

Ein englischer Fan wurde so schwer verletzt, dass er in Lebensgefahr schwebte. Dem Mann wurden nach Polizeiangaben offenbar Schläge mit einer Metallstange am Kopf zugefügt. Helfer versuchten ihn wiederzubeleben, bevor er in ein Spital gebracht wurde. Polizeipräfekt Laurent Nunez bezeichnete seinen Zustand als lebensbedrohlich.

Ein englischer Fan sagte, etwa hundert Russen hätten «aus dem Nichts heraus» angegriffen. Der 23-jährige Engländer Danny Hart sagte, es sei keine gute Idee gewesen, das Spiel auf 21.00 Uhr anzusetzen: «Bis dahin waren alle völlig besoffen.»

Am Abend kurz vor Anpfiff der Partie kam es auch am Stade Vélodrome zu Auseinandersetzungen, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Die Polizei setzte erneut Tränengas ein, um russische und englische Fans zu trennen. Es kam zu Schlägereien und Flaschenwürfen.

Der europäische Fussballverband Uefa verurteilte die Krawalle «scharf». Die Gewalt gehe von Leuten aus, die «nichts beim Fussball zu suchen» hätten, sagte ein Sprecher.

Auch in Nizza fliegen Flaschen

Ebenfalls Zusammenstösse mit der Polizei mit mehreren Verletzten hat es in Nizza gegeben. Nach Angaben eines nordirischen Polizeibeamten, der nordirische Fans begleitete, begannen am Samstagabend 20 bis 30 örtliche Jugendliche, die ausländischen Fans mit Flaschen zu bewerfen. «Einige Flaschen wurden zurückgeworfen, einige Schläge ausgeteilt», sagte der nordirische Beamte. Schliesslich seien französische Polizisten eingetroffen, um die Lage zu befrieden. Die zuständige Präfektur bestätigte die Vorfälle.

Jugendliche aus Nizza hätten die nordirischen Fans in der Fussgängerzone Cours Saleya provoziert. Daraufhin sei eine Schlägerei mit Schlägen und Flaschenwürfen ausgebrochen. Sieben Menschen wurden verletzt, einer davon trug ein Schädeltrauma davon.

10'000 nordirische Fans angereist

Die Zwischenfälle ereigneten sich dem nordirischen Beamten zufolge, als nordirische Fans in Cafés in der Nähe des Massena-Platzes im Zentrum von Nizza sassen. Anschliessend waren Dutzende Polizisten weiter in der dortigen Fussgängerzone präsent.

Christian Estrosi vom zuständigen Regionalrat verurteilte die Gewaltausschreitungen in Nizza im Kurznachrichtendienst Twitter. Nordirland spielt am Sonntagabend in Nizza gegen Polen in der Gruppe C. Zu dem Spiel in der südfranzösischen Stadt reisten schätzungsweise 10'000 nordirische Fans an sowie mehrere tausend Polen.

«Das Verhalten dieser Hooligans ist inakzeptabel», twittert Regionalrat Christian Estrosi.

(nag/foa/AFP)

Erstellt: 11.06.2016, 18:03 Uhr

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