Zum Hauptinhalt springen

Mbappé, der Spielball des Emirs

Vor kurzem erfreute sich Kylian Mbappé an seinen Playstation-Künsten. Nun trägt er eine Millionenlast.

Auch gestern war Kylian Mbappés Eleganz am Ball wieder zu bestaunen. Er traf gegen Holland zum 4:0.
Auch gestern war Kylian Mbappés Eleganz am Ball wieder zu bestaunen. Er traf gegen Holland zum 4:0.
Keystone

Mit 18 Jahren fragen sich junge Männer normalerweise, wie sie ihr Leben mal finanzieren wollen, ihre Träume vom ersten Wagen, den romantischen Urlaub mit der Freundin. Und wann wohl endlich die letzten Pickel verschwinden. Bei Kylian Mbappé, einem dünnen Jungen aus Bondy, einer Banlieue im Nordosten von Paris, nasale Stimme und kindliches Lächeln, ist es etwas anders.

Einige Fragen haben sich über Nacht erledigt. Er wird nun 18 Millionen Euro verdienen im Jahr, weil er anderen, auch deutlich lebenserfahreneren Herrschaften mit Tricks und Finten einen Lederball durch die Beine spielen kann. Kylian Mbappé ist ein offensiver Fussballer, schnell und wendig – einer, der die Tiefe des Raums sucht, wie man sagt. Gemeint ist der direkte Weg zum Tor. Und man muss sagen: Er findet ihn oft, über links oder durch das Zentrum, fliegend schier. Talente wie ihn bringt dieser Sport nur alle paar Jahre hervor.

Die unbehagliche Frage

Weltbekannt aber ist er zunächst einmal deshalb, weil er gerade für eine grotesk hohe Ablösesumme den Verein gewechselt hat. Nämlich für 180 Millionen Euro, von AS Monaco zu Paris Saint-Germain. Mit 18. In der Geschichte des Fussballs ist Mbappés Transfer der zweitteuerste je. Teurer war bisher nur der Brasilianer Neymar Junior, und auch den hatte sich Paris geholt. Für 222 Millionen, ebenfalls in diesem Sommer.

Die beiden werden nun bald spektakulär zusammenspielen, sofern sie denn auch zusammenpassen. Viel brisanter und unbehaglicher aber ist die Frage, was der ganze Wahnsinn dieses Pariser Transfersommers eigentlich soll. Da wird die Geschichte gleich politisch, und der junge Mbappé zum Spielball eines Emirs vom Persischen Golf.

PSG (phonetisch: «pe-äss-schee»), wie der Verein kurz heisst, gehört seit 2011 dem kleinen, reichen Staat Katar. Dort sagte man sich, dass man nicht ewig von Öl und Gas leben können werde, und investierte unter anderem massiv in Soft Power, vorab in Fussball. Paris war ideal. Die Stadt ist glamourös, sein Fussball aber war es nie. Der Emir lockte grosse Stars mit unverschämt viel Geld an, die sonst nie nach Paris gekommen wären. Sie sollten in erster Linie Katar zum Glänzen bringen, das 2022 die Weltmeisterschaften ausrichten wird. Als kickende Werbeträger.

Dafür wären internationale Grosserfolge nötig. Doch zum Gewinn der Champions League, dem grossen Ziel, reichte es PSG bisher nie. In der vergangenen Spielzeit schied man nach einem schmachvollen 1:6 gegen den FC Barcelona bereits im Achtelfinal aus. Und so läuft nun die Revanche, das Duell Katars gegen den Rest der Fussballwelt. Dabei werden gleich mal alle geltenden Regeln gesprengt.

Der Ausschluss von der Champions League droht

Der europäische Fussballverband Uefa schreibt vor, dass ein Verein nicht mehr ausgeben darf für Transfers und Löhne, als er mit dem Verkauf von Eintrittskarten, Fernsehrechten und Trikots einnimmt. Addiert man aber Mbappés und Neymars Transferkosten und Saläre über die nächsten Jahre, zuzüglich Steuern, kosten allein diese beiden Angestellten etwa eine Milliarde Euro. Verrückt? Ziemlich. Regelwidrig? Oh ja, egal, wie man die Geschichte dreht. Dumm? Nun, PSG droht der Ausschluss aus der Champions League.

Und mittendrin, in diesem ganzen Wahnsinn, steht ein 18-jähriger Vorstadtjunge mit feinen Füssen, Sohn eines Vaters aus Kamerun und einer Mutter aus Algerien, der gerade mal eine halbe Saison auf hohem Niveau gespielt hat und nun schon mit dieser ganzen Last auf den Schultern herumläuft. 180 Millionen Euro! Vor einigen Monaten, als «L' Equipe» Mbappé für ein Interview in Monaco besuchte, da kannte man ihn im Ausland noch kaum. Er erzählte der Zeitung, er sei vor allem stolz darauf, dass er, wenn sie auf der Playstation das Fussballgame «Fifa» spielten, alle seine Vereinskameraden schlage. Und lachte dazu, wie man mit 18 lacht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch