«Meine Hierarchie wäre noch ganz anders»

Ottmar Hitzfeld gibt im Test heute Abend gegen Tunesien Torhüter Yann Sommer den Vorzug vor Diego Benaglio und Marco Wölfli. Experten sagen, was das für die Zukunft bedeutet.

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Ottmar Hitzfeld hat sich in der Hierarchie seiner Torhüter längst festgelegt. Die unbestrittene Nummer 1 ist Diego Benaglio (Wolfsburg) gefolgt von Marco Wölfli (YB) und Yann Sommer (Basel). Weil Benaglio im März des nächsten Jahres im WM-Qualifikationsspiel gegen Zypern gesperrt ist, wird er heute im Test gegen Tunesien nicht spielen. Hitzfeld will die Alternative testen und hat sich überraschend nicht für seine erklärte Nummer 2, Marco Wölfli, sondern für Yann Sommer entschieden. «Das ist langfristig ein Entscheid für die Zukunft, die Yann Sommer gehört», sagt der ehemalige National-Keeper Jörg Stiel.

Die Wahl von Sommer mache durchaus Sinn. «Wölflis Leistungen sind zurzeit ein Spiegelbild des ganzen Clubs. YB hat nach der Entlassung von CEO Ilja Kaenzig turbulente Wochen hinter sich. Das ging auch an den Spielern nicht spurlos vorüber. Die Mannschaft ist nicht konstant. Und dazu gehört auch Marco Wölfli», sagt Stiel. Sommer spiele beim FC Basel hingegen auf einem sehr hohen Niveau, sei Meister und Cupsieger geworden. Stiel betont, dass Sommer mittelfristig aber nicht an Benaglio vorbeikomme. «Er kann noch so gut spielen, an Benaglio kommt er zurzeit nicht vorbei.» Benaglio habe bisher eine geradezu sensationelle WM-Qualifikation gespielt. «Ohne ihn stünde die Schweiz in der Gruppe nicht auf dem ersten Platz.»

«Bei mir wäre Bürki dabei»

Auch wenn Hitzfeld heute auf Yann Sommer setzt, glaubt Stiel indes nicht, dass Hitzfeld seine Hierarchie so schnell über den Haufen wirft. «Er wird noch an ihr festhalten. Ich gehe deshalb davon aus, dass Wölfli in der WM-Qualifikation gegen Zypern wieder im Tor steht.» Wäre Stiel Nationaltrainer, würde seine Torhüter-Hierarchie anders lauten als diejenige Hitzfelds. «Meine Hierarchie wäre noch ganz anders. Die Nummer 1 hiesse Benaglio, die Nummer 2 Sommer und die Nummer 3 Bürki.» Roman Bürki sei mit GC auf dem Weg, den ganz grossen Durchbruch zu schaffen.»

Der ehemalige Internationale Georges Bregy denkt in der Torhüterfrage anders als Stiel. «Das ist ein klares Signal. Ottmar Hitzfeld hat sich endgültig für Sommer und gegen Wölfli entschieden», ist der Walliser überzeugt. Sommer werde mit Garantie auch in der WM-Qualifikation gegen Zypern spielen. Sommer sei auch einmal der Nachfolger von Diego Benaglio. «Er wird in seine Fussstapfen treten. Es sind ähnliche Typen. Sie strahlen beide Ruhe und eine unglaubliche Souveränität auf die ganze Mannschaft aus.» Erschwerend komme für Wölfli hinzu, dass er zurzeit bei YB nicht überzeuge und keine konstanten Leistungen bringe. Der ehemalige Trainer von Lausanne und des FCZ prophezeit Sommer im Übrigen eine grosse Zukunft. «Er wird nicht mehr lange in Basel spielen. Sommer ist reif, in einem ganz grossen europäischen Club zu spielen. Er wird Angebote erhalten, da bin ich mir ganz sicher.»

«Das ist nicht zukunftsweisend»

Der ehemalige National-Keeper Martin Brunner denkt hingegen nicht, dass die Wahl Hitzfelds für Sommer und gegen Wölfli zukunftsweisend ist. «Bis zum WM-Qualifikationsspiel gegen Zypern fliesst noch viel Wasser die Limmat hinunter», sagt der Zürcher. Bis dahin könne noch sehr viel passieren. «Entscheidend ist dann, wer von beiden im Frühling besser in Form ist.» Die Schweiz habe vor dem Zypern-Spiel noch eine Testpartie gegen Griechenland. «Das ist die Generalprobe. Wer dann im Tor steht, der wird auch gegen die Zyprioten auflaufen.» Brunner kann es nachvollziehen, dass heute Abend in Tunesien Sommer im Tor steht. «Er hat ja erst ein Länderspiel, Wölfli hingegen schon mehrere. Hitzfeld will, dass Sommer Erfahrungen sammelt. Was er an Wölfli hat, weiss er.»

«Hitzfeld erhofft sich neue Erkenntnisse»

Luzerns Sportchef Heinz Hermann ist der Entdecker von Yann Sommer. Als der Zürcher noch Nachwuchstrainer beim FC Basel war, ging Sommer bei der U-21 durch seine Schule. Dann nahm Hermann Sommer mit nach Vaduz, wo die beiden den Aufstieg in die Super League schafften. «Yann Sommer ist auch als junger Torhüter bereits eine grosse Persönlichkeit. Er ist ein starker Rückhalt für eine Mannschaft. Er weiss, was er will und ist im mentalen Bereich unheimlich stark. Yann ist auch sehr selbstkritisch und nie zufrieden, weil er sich täglich verbessern und weiterentwickeln will», attestiert Hermann. Er habe eine grosse Zukunft vor sich. Die Wahl Sommers für das heutige Spiel in Tunesien wertet Hermann indes nicht als Signal von Ottmar Hitzfeld. «Sommer hat ja erst ein Länderspiel. Er will ihn einfach in den Fokus stellen und ihn testen. Hitzfeld erhofft sich dabei neue Erkenntnisse für die Zukunft.» Der Test in Tunesien sei ein internationales Spiel gegen einen heimstarken Gegner.

Erstellt: 14.11.2012, 13:15 Uhr

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Marco Wölfli

 
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