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Milan zittert vor dem FC Zürich

Das millionenschwere Starkader hat einen verpatzten Saisonstart hinter sich. Im Uefa-Cup-Spiel gegen Zürich fällt morgen auch noch Andrea Pirlo aus.

Dida, 35: Trotz des Rücktritts aus der «Seleção» gehört Dida weiterhin zu den besten Torhütern der Welt. Zur Legende wurde der Brasilianer spätestens 2003, als er im Champions-League-Final gegen Juventus Turin zwei Penaltys parierte und den «Rossoneri» den Sieg sicherte.
Dida, 35: Trotz des Rücktritts aus der «Seleção» gehört Dida weiterhin zu den besten Torhütern der Welt. Zur Legende wurde der Brasilianer spätestens 2003, als er im Champions-League-Final gegen Juventus Turin zwei Penaltys parierte und den «Rossoneri» den Sieg sicherte.
Keystone
Paolo Maldini, 40: 2007 gab er den Rücktritt, wenig später verlängerte er den Vertrag bei der AC Milan bis 2008. Mittlerweile steht fest: Maldini wird mindestens bis nächstes Jahr weitermachen. Der erfahrenste Fussballer der Welt spielt seit 1984 beim gleichen Verein, mit dem er siebenmal Meister wurde. Dreimal gewann der Milan-Captain die Champions League, zweimal den Vorläufer der «Königsklasse», den Meistercup.
Paolo Maldini, 40: 2007 gab er den Rücktritt, wenig später verlängerte er den Vertrag bei der AC Milan bis 2008. Mittlerweile steht fest: Maldini wird mindestens bis nächstes Jahr weitermachen. Der erfahrenste Fussballer der Welt spielt seit 1984 beim gleichen Verein, mit dem er siebenmal Meister wurde. Dreimal gewann der Milan-Captain die Champions League, zweimal den Vorläufer der «Königsklasse», den Meistercup.
Keystone
Andrej Schewtschenko, 32: Der Ukrainer wurde zweimal Torschützenkönig in der Serie A, liegt auf Platz 2 der ewigen Bestenliste der Champions-League-Torschützen und war erklärter Lieblingsspieler von Silvio Berlusconi. Bis er dessen Sohn die Freundin ausspannte. Obwohl fuchsteufelswild, konnte Berlusconi Schewtschenko nicht in die Wüste schicken, zu wichtig war der zuverlässige Torgarant für den Klub. Nach zwei unglücklichen Jahren bei Chelsea ist der Stürmer nun zurück in der Lombardei.
Andrej Schewtschenko, 32: Der Ukrainer wurde zweimal Torschützenkönig in der Serie A, liegt auf Platz 2 der ewigen Bestenliste der Champions-League-Torschützen und war erklärter Lieblingsspieler von Silvio Berlusconi. Bis er dessen Sohn die Freundin ausspannte. Obwohl fuchsteufelswild, konnte Berlusconi Schewtschenko nicht in die Wüste schicken, zu wichtig war der zuverlässige Torgarant für den Klub. Nach zwei unglücklichen Jahren bei Chelsea ist der Stürmer nun zurück in der Lombardei.
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In früheren Zeiten hätte man in Mailand einigermassen entspannt auf diesen Termin im Uefa-Cup geschaut: AC Milan - FC Zürich, zu Hause im San Siro, eine Mannschaft mit den Weltmeistern Pirlo, Gattuso und Zambrotta, dem Denkmal Maldini, den Weltstars Schewtschenko, Kakà und Ronaldinho gegen ein Team aus der Schweiz. Was kann da schiefgehen? Heute ist die Antwort: alles. Denn Milan, Champions-League-Sieger 2003 und 2007, ist trotz des Staraufgebots in diese Saison gestolpert wie eine Provinzmannschaft mit Angst vor grossen Tieren. Zwei Ligaspiele, zwei Niederlagen. Zunächst gegen Aufsteiger FC Bologna, am Sonntag dann gegen Genua - ein eindeutiges 0:2, ebenso wie beim Test vergangene Woche gegen Lugano.

Das präsidiale Schulterklopfen

Eine Ohrfeige nach der anderen also. Und Trainer Carlo Ancelotti findet keine plausible Erklärung dafür. «Unsere Hintermannschaft ist verletzbar, wir haben zu viel Mühe, dem Gegner den Ball abzunehmen, und vorn können wir uns nicht durchsetzen.» Tapfer beteuert der Milan-Coach zwar, sein Arbeitgeber Silvio Berlusconi habe ihn beruhigt: «Er hat mir gesagt, ich müsse mir keine Sorgen machen. Wir werden unsere Probleme bald lösen.» Doch in Wirklichkeit wird Berlusconi das Schulterklopfen sehr bald einstellen, wenn Milan morgen nicht gegen Zürich gewinnt. Für die Ablösung des 49-Jährigen Ancelotti stehen angeblich schon Frank Rijkaard und Roberto Donadoni parat. Sie sind ebenfalls Milan-Gewächse und frühere Teamkollegen des einstigen Milan-Spielers Ancelotti (von 1987-92).

Wenn ihn nicht eine derart lange Geschichte mit dem Klub verbinden würde, Berlusconi hätte ihn vermutlich schon gefeuert. In der letzten Saison verpasste der international erfolgreichste italienische Klub das Minimalziel, die Qualifikation für die Champions League. In das neue Jahr startete die Mannschaft dann noch schlechter, als sie aufgehört hatte. «Vielleicht liegt es daran, dass ich jetzt erst alle Spieler beisammenhabe und endlich mit der Arbeit beginnen kann», glaubt Ancelotti.

Dann musste er gestern aber einen weiteren Schlag hinnehmen: Spielmacher Andrea Pirlo zog sich im Training einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zu. Wie lange er ausfällt, ist noch offen. Nach dem Handgelenkbruch von Gennaro Gattuso vor einer Woche ist das der zweite schwerwiegende Ausfall.

Trotzdem ist es nicht so, als wenn Milan vom Unglück verfolgt wäre. Vielmehr ist die erschreckend langsame, uninspirierte Mannschaft, die sich derzeit von schwächeren Gegnern vorführen lässt, das Ergebnis einer verfehlten Transferpolitik. Das Durchschnittsalter wird durch den 18-Jährigen Brasilianer Pato nur unwesentlich gesenkt: Kapitän Paolo Maldini ist 40, sein Abwehrkollege Giuseppe Favalli 36. Filippo Inzaghi, der erfolgreichste Torjäger auf Europas Bühne, zählt auch schon 35 Lenze. Doch statt die Mannschaft rundzuerneuern, gab Berlusconi 48 Millionen Euro für Spieler aus, die ihren Zenit überschritten haben - wie Ronaldinho (25 Millionen) und Zambrotta (9). 120 Millionen Euro wird Milan in diesem Jahr für Spielergehälter zahlen, genauso viel wie Meister Inter, der mit dem neuen Trainer Mourinho die Champions League gewinnen will. 48 Millionen - dafür hätte Berlusconi Eto’o oder Drogba kaufen können, von denen Ancelotti träumte. Doch der Patron setzte sich einmal mehr gegen seinen Trainer durch, dem er auch gern vor laufender Fernsehkamera das taktische Schema diktiert.

Ancelotti löffelt die Suppe aus

Im Wahlkampf um das Amt des Regierungschefs hatte Berlusconi seinen Fans und Wählern Ronaldinho versprochen. «Und das habe ich eingehalten», sagte Ministerpräsident Berlusconi kürzlich bei einem Empfang der italienischen Olympiamannschaft. «Ebenso wie den Schwur, Italien von den Kommunisten zu befreien.»

Schewtschenko war nicht im Wahlkampf-Paket, doch ein Mittagessen mit Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch in Berlusconis Villa auf Sardinien brachten den Milan-Boss dazu, den «verlorenen Sohn» (Berlusconi) aus London zurückzuholen. Transfers für die Medien, nicht für Ancelotti, lästerte die italienische Presse. Der Trainer war auf Sardinien nicht zum Essen geladen. Aber er muss jetzt die vom Chef eingebrockte Suppe auslöffeln.

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