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Mit breiter Brust in die Niederlage

Die Grasshoppers haben Pech mit dem Schiedsrichter und sind erst in Unterzahl chancenlos gegen Meister YB – Trainer Thorsten Fink erkennt trotz des 0:2 viel Positives an ihrem Auftritt.

Ein Schlüsselmoment: GC-Debütant Holzhauser wird von Wüthrich gefoult und erhält trotzdem keinen Elfmeter. Foto: Patrick Hürlimann (Keystone)
Ein Schlüsselmoment: GC-Debütant Holzhauser wird von Wüthrich gefoult und erhält trotzdem keinen Elfmeter. Foto: Patrick Hürlimann (Keystone)

Am Ende schaut alles normal aus im Stade de Suisse. Die Berner Zuschauer kommen auch zu Beginn der neuen Saison nicht aus dem Feiern heraus, die Young Boys starten mit einem 2:0 gegen GC die «Mission Titelverteidigung», wie es zumindest auf einem riesigen Transparent in der Fankurve steht, und GC verliert so, wie es seit vergangenem November zu seinem Programm gehört. Es ist seine 14. Niederlage im 22. Spiel.

Aber es ist nicht alles so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint. Ein paar wenige Szenen sind es schliesslich, die für den grossen Unterschied zwischen Sieg und Niederlage sorgen. Das beginnt in der 50. Minute, als Holzhauser, von ­Wüthrich verfolgt, in den Berner Strafraum stürmt und zu Fall kommt. Der Schiedsrichter sagt: weiterspielen. Holzhauser versteht die Welt nicht mehr, und Gerardo Seoane sorgt für Aufklärung: «Wenn wir den Videoschiedsrichter haben, ist es klar: Dann ist es Elfmeter.» Seoane ist glaubwürdiger Zeuge, er ist der neue Trainer von YB.

Fünf Minuten später wird Doumbia auf seiner linken Abwehrseite von Mbabu überlaufen, und Doumbia, bereits verwarnt und taktisch weiter mit Nachholbedarf, begeht das Foul, das Folgen hat: Er sieht Gelb-Rot. «Aber nur, weil das Publikum das fordert», glaubt GC-Sportchef Mathias Walther.

Lindners starke Paraden

In Überzahl erwachen die Berner und legen ihre Zurückhaltung ab, die 55 Minuten gedauert hat. Jetzt erinnern sie an die Mannschaft der letzten Saison, setzen Druck auf und kommen zu Chancen. Noch ist Lindner da, zweimal hält der Goalie der Zürcher stark gegen Fassnacht. Erst gegen Sulejmani ist er chancenlos. Das Tor ist nur schon wegen des Passes von Sanogo ein kleines Kunstwerk. Eine Viertelstunde ist seit Doumbias Rot vergangen. Den Schlusspunkt setzt Ngamaleu, als er gegen Lika leichtes Spiel hat.

«Der Sieg von YB ist verdient», sagt Thorsten Fink. Der Trainer, im sechsten Spiel mit GC zum vierten Mal besiegt, gibt sich generös. Das tut er auch, wenn er über seine Mannschaft redet. Bis zum Platzverweis sieht er von ihr eine «hervorragende» Leistung. Er ist mit ihrer Ausstrahlung sehr zufrieden, er sagt: «Wir haben umgesetzt, was wir wollten.»

GC vermasselt die beste Chance

Darum geht es ihm an diesem ersten Nachmittag einer langen Saison: dass sich seine Spieler nicht in der eigenen Platzhälfte verkriechen, sondern den Weg in die Offensive suchen. Der Distanzschuss von Bahoui streift die Latte. Holzhauser legt mit dem Absatz so für Djuricin ab, dass der frei zum Schuss kommt. Der Stürmer scheitert an Von Ballmoos, weil ihm die letzte Überzeugung fehlt. Es ist die grösste Chance für GC überhaupt.

Fink stellt seine Mannschaft im 4-1-4-1 auf. Das Abwehrzentrum ist unerfahren, aber stabil. Bajrami ist der lauffreudige Sechser. Vor ihm sind die Hoffnungsträger des Transfersommers aufgereiht: Holzhauser, der gross gewachsene Österreicher, Sigurjonsson, der bullig-grummelige Isländer und neue Captain, und Bahoui, der Techniker aus Schweden. «Man merkt schon, dass sie ein wenig erfahrener sind», sagt Fink. Er ist mit den drei «eigentlich sehr zufrieden». Aber auch er wird wissen: Im Spiel nach vorne muss von jedem mehr kommen, wenn GC Erfolg haben will.

Der Wert des Kollektivs

Sportchef Walther gibt zu bedenken, es sei gar nicht um einzelne Spieler gegangen, sondern ums Kollektiv. Und eben auch darum: «Mit wie viel Mut und Selbstverständnis wir ins Spiel gegangen sind! Das ist das Wichtigste.»

Heinz Lindner berichtet ebenso von neuen Eindrücken, er tut es als Spieler, der für ruhige Kommentare bekannt ist. Er redet von einem «komplett anderen GC», von einem aggressiven, kompakten GC, einem GC «mit breiter Brust». Aber eben, dann komme dieser Elfmeter nicht, dafür der Platzverweis ... Und als Nächstes kommt der FCZ.

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