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Mit dem Fuss Ottes

Die Beachsoccer-Nationalmannschaft startet auf den Bahamas in die WM. Erwartet wird einiges. Vor allem von Noel Ott.

Noel Ott war einst bei GC, heute gilt er als einer der besten Beachsoccer-Spieler der Welt.
Noel Ott war einst bei GC, heute gilt er als einer der besten Beachsoccer-Spieler der Welt.
Keystone

Es gab einmal eine Zeit, da war Noel Ott am Boden, frustriert und ohne Liebe für den runden Ball. Ott war ein GC-Junior, besessen vom Fussball und ziemlich talentiert. Im Sommer 2009 aber platzte Otts Traum vom Leben als Profifussballer jäh. Ihm wurde mitgeteilt, nicht zu genügen und zu klein zu sein für die U-18 der Grasshoppers. «Für mich brach eine Welt zusammen», erinnert sich Ott.

So niederschmetternd dieser Entscheid damals war, so froh ist er heute über diesen Tag der Zäsur. Ott kickt nämlich noch immer täglich gegen einen Ball. Nur hat sich der Untergrund verändert. Sand statt Rasen. Beachsoccer statt Fussball. Auf Sand spielt Ott gar so stark, dass er sich nie mehr mit Gleichaltrigen um einen Platz in einem Team streiten musste. Ott galt als Ausnahmetalent. Als einer, der mit dem Ball nicht nur elegant über den Sand tanzen konnte, sondern diesen auch in ansprechender Regelmässigkeit im gegnerischen Tor versenkte. Er wird darum mit Lionel Messi verglichen, weil Vergleiche mit anderen Beachsoccer-Spielern ihm nicht gerecht werden würden.

Zum Beachsoccer fand er dank Franziska Steinemann, einer Bekannten der Familie Ott und selbst ehemalige Beachsoccer-Nationalspielerin. «Nachdem GC ihn fallen gelassen hatte, sagte ich zu Noel, dass er sich einmal auf dem Sand versuchen sollte», erinnert sich Steinemann. Ott ging, entdeckte seine neue Leidenschaft und sagt heute: «Ich bin froh, dass es so gekommen ist.»

Der belächelte Sport

«Keiner führt den Ball so wie er», schwärmt Steinemann. Auch deshalb wurde Ott 2014 zum besten Nachwuchsspieler der Welt gekürt. 2015 sicherte er sich zudem die Torjägerkrone an der WM in Portugal. Nun soll Ott auf den Bahamas wieder zaubern. Dort, wo für die Schweizer Beachsoccer-Nationalmannschaft am Donnerstag die WM-Kampagne beginnt. In der Gruppenphase trifft sie auf Gastgeber Bahamas, Ecuador und Senegal. Eine machbare Gruppe.

Die Qualifikation für den Viertelfinal nennt Ott «ein Zwischenziel». Das sagt auch viel über seinen eigenen Anspruch aus. In einem Video, das er vor der WM mit dem Sponsor der Nationalmannschaft aufgenommen hat, erzählt er, wie er vor acht Jahren die Schweiz Vizeweltmeister werden sah. «Da wusste ich, dort will ich hin.»

«Ein Erfolg an der WM würde dem Schweizer Beachsoccer guttun», findet Ott. Sein Sport werde noch immer belächelt, weil ihn viele nicht richtig kennen würden. Ein ebenfalls geläufiges Vorurteil ist, dass Beachsoccer-Spieler vor allem eines sind: gescheiterte Fussballer. «Das ist zwar nicht so, aber damit muss man leben», so Ott. «Längst nicht jeder talentierte Fussballer macht auch im Sand eine gute Figur», meint Steinemann dazu. Die Bewegungen seien anders, und die Technik sei um einiges wichtiger.

20 Wochen unterwegs

«Alles ist möglich», antwortet Steinemann auf die Frage, was auf den Bahamas für die Schweiz drinliege. Ott jedenfalls fühlt sich gut. Dann fühlt sich auch die Schweizer Beachsoccer-Nationalmannschaft gut. Ott beschäftigt einzig, dass ihm vor kurzem gekündigt wurde. Weil sein neuer Chef nicht dasselbe Verständnis für seine Leidenschaft entgegenbrachte wie der alte.

20 bis 25 Wochen ist er im Jahr wegen der Spiele auf Sand unterwegs. Da brauche er nun mal einen verständnisvollen Arbeitgeber, sagt er. Ott hat im Jahr zwar mehrwöchige Gastauftritte in internationalen Ligen, für die er auch entlöhnt wird. Weit kommt er damit aber nicht. Es ist das Schicksal eines Beachsoccer-Spielers mit Weltformat.

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