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«Mit der Ambition und dem Willen, Weltmeister zu werden»

Der Schweizerische Verband verlängert den Vertrag mit Vladimir Petkovic bis Ende 2022 – und der Coach gibt sich forsch, was die Ziele betrifft.

Vladimir Petkovic erscheint am Dienstag zur Pressekonferenz in Muri mit der Gewissheit, dass er bis Ende 2022 Schweizer Nationaltrainer bleiben wird. Es sei denn, seine Mannschaft schafft die WM-Qualifikation nicht.
Vladimir Petkovic erscheint am Dienstag zur Pressekonferenz in Muri mit der Gewissheit, dass er bis Ende 2022 Schweizer Nationaltrainer bleiben wird. Es sei denn, seine Mannschaft schafft die WM-Qualifikation nicht.
Urs Lindt/Freshfocus
Petkovic unterzeichnet den neuen Kontrakt an der Seite von SFV-Präsident Dominic Blanc, der sagt: «Mit Petkovic hat sich die Schweiz für alle grossen Turniere qualifiziert. Er hat die Mannschaft verjüngt und ständig weiterentwickelt. Er hat eine starke Einheit geformt.»
Petkovic unterzeichnet den neuen Kontrakt an der Seite von SFV-Präsident Dominic Blanc, der sagt: «Mit Petkovic hat sich die Schweiz für alle grossen Turniere qualifiziert. Er hat die Mannschaft verjüngt und ständig weiterentwickelt. Er hat eine starke Einheit geformt.»
Urs Lindt/Freshfocus
Betreffend EM gilt für alle Spieler die gleiche Voraussetzung: «Sie müssen im Club spielen.» Also auch Liverpools Xherdan Shaqiri, der nach wie vor angeschlagen ist.
Betreffend EM gilt für alle Spieler die gleiche Voraussetzung: «Sie müssen im Club spielen.» Also auch Liverpools Xherdan Shaqiri, der nach wie vor angeschlagen ist.
Rui Vieira/AP
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Den Satz sagt Vladimir Petkovic eher beiläufig. Zuerst redet er davon, dass sich die Mannschaft noch mehr stabilisieren und hungrig bleiben muss. Dass jeder Spieler zur richtigen Zeit in die richtige Form kommt. Dann sagt er: «Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen, zuerst den ersten, dann den zweiten – aber mit der Ambition und dem Willen, Weltmeister zu werden.»

Sagt es und schaut entspannt in die Runde, die im Haus des Fussballs in Muri bei Bern vor ihm sitzt. Es geht ihm gut, weil er aus einem Grund im Mittelpunkt steht, der für ihn erfreulich ist: Er hat am Morgen mit seinem Arbeitgeber, dem Schweizerischen Fussballverband, einen neuen Vertrag als Nationaltrainer unterschrieben.

Ein Vertrag ohne Klausel

Das Papier ist vorerst einmal gültig bis Ende der Qualifikation für die nächste WM 2022 in Katar, also entweder bis am 31. Dezember 2021 oder 31. März 2022. Im Erfolgsfall verlängert es sich bis Ende Dezember 2022, weil das Turnier in Katar erst im Dezember ausgetragen wird. Petkovic sagt: «Ich bin stolz, dass wir uns entschieden haben, uns zu einigen und gemeinsam in die Zukunft zu gehen.» Der Vertrag ist finanziell im bisherigen Rahmen gehalten und ohne Klausel versehen, falls im Sommer die EM im Desaster endet. «Wieso auch?», fragt Pierluigi Tami mit einem breiten Lachen zurück, «wir werden ja Europameister.» Tami ist der Direktor des Nationalteams.

Mit der Unterschrift sind endgültig alle Zweifel ausgeräumt, die es rund um Petkovic seit dem Sommer 2018 immer wieder einmal gegeben hat, auch im Verband selbst. Zuerst waren die heftigen Stürme während und nach der WM in Russland, später folgte der Herbst 2019, als Petkovic viel über sich lesen konnte, das kritisch war. Nicht alles, was er gelesen habe, habe er richtig gefunden, sagt er an diesem wolkenverhangenen Dienstag im Berner Vorort, es sei «nicht zielorientiert» gewesen und habe das «Wir-Gefühl» nicht gefördert. Darum geht nun die Frage an ihn, ob er denn nachtragend sei. «Ich habe jetzt gegessen und erinnere mich nicht mehr, was es gewesen ist», antwortet er.

Tami hat die Verhandlungen mit Petkovic geführt, und er hat es mit einem Auftrag getan: sich nicht nur finanziell mit ihm zu einigen, sondern auch in Bezug auf weiche Faktoren, auf seine Bereitschaft, auf die Öffentlichkeit zuzugehen. Und Öffentlichkeit heisst: die Clubs und die Medien. Petkovic kennt diesen Punkt, diese Kritik, «alles war verklemmt», sagt er heute selbst, «wir machten falsche Schritte».

Für den Verband war Petkovic der erste Ansprechpartner. Weil er weiss, was er am aktuellen Coach hat und sich im Moment sonst kein Trainer anbietet, der mehr Erfolg garantieren würde.

Im Nachgang zu Russland waren bei ihm Zweifel aufgekommen, ob es für ihn eine Zukunft als Nationaltrainer gibt. Danach habe er «Überlegungsübungen» gemacht, sagt er, und er wählt noch ein Bild, um seine damalige Situation zu beschreiben: «Ein Jahr war ich wie ein Schmetterling, der sich einbalsamierte, um wieder schöner zu werden», so sagt er es. Was ihm in dieser Zeit half, waren die Resultate mit der Mannschaft. Oder wie er es sagt: «Ich habe mit den Resultaten überlebt. Überleben für einen Trainer ist immer Mathematik.» Er glaubt, mit der Zeit habe er sich wieder geöffnet.

Die Resultate sind durchaus sein Trumpf: Achtelfinal an der EM 2016 (gegen Polen), Achtelfinal an der WM 2018 (gegen Schweden), Teilnahme am Finalturnier der Nations League 2019 und als Letztes die Qualifikation für die EM im kommenden Sommer. 34 von 60 Spielen hat er gewonnen, er kommt auf einen Schnitt von 1,9 Punkten pro Spiel. Erfolgreicher ist vor ihm kein Coach der Schweiz gewesen. Petkovic habe überzeugende Arbeit und überzeugende Resultate geliefert, sagt Tami, «er hat im richtigen Moment die Mannschaft verjüngt und verändert, keiner kennt sie so gut wie er». Der Chef redet darum vom Stolz, mit Petkovic weiter zusammenarbeiten zu können.

Der nächste Schritt lautet Europameisterschaft

Für den Verband war Petkovic der erste Ansprechpartner. Er machte sich gar nicht erst auf die Suche nach einer Alternative, weil er weiss, was er am aktuellen Coach hat. Und weil sich im Moment sonst kein Trainer anbietet, der mehr Erfolg garantieren würde, als es in den letzten knapp sechs Jahren gegeben hat. Auch für Petkovic gab es nur einen Ansprechpartner, das war der Verband. Tami sagt darum: «Es war schon von Anfang an klar: Das Ziel war die Verlängerung mit Vlado.» Er nennt Petkovic immer nur so.

Was erwartet er konkret sportlich von Petkovic? «Über die fussballerische Qualität die Kontinuität und eine Nationalmannschaft, welche die Persönlichkeit der letzten Jahre zeigt. Aber der nächste Schritt ist zuerst die Europameisterschaft.»

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