Petkovic hat seine Elf fürs Brasilien-Spiel offenbar gefunden

Der Schweiz genügt eine mässige Leistung, um gegen Japan 2:0 zu gewinnen. Der letzte WM-Test liefert mehrere Erkenntnisse.

Nach dem Sieg gegen Japan: Die Spieler blicken der WM in Russland mit Selbstvertrauen entgegen. Video: Tamedia/SDA

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Vor dem Match gegen Japan gibt es für Stephan Lichtsteiner einen Wimpel und einen warmen Händedruck von Verbandspräsident Peter Gilliéron. Er nimmt die Würdigung zu seinem 100. Länderspiel für die Schweiz nahezu regungslos hin. Der Captain hat selbst in diesem ­Moment nur eines im Sinn: Er will gewinnen. Die 100 sei nur eine Zahl, hat er gesagt, das Wichtigste sei die WM.

2:0 gewinnt die Schweiz an dem Abend, da Lichtsteiner als vierter Schweizer nach Heinz Hermann, Alain Geiger und Stéphane Chapuisat in den 100er-Club Einzug hält. Es ist ein Ergebnis, das den Schweizern guttut und die Erkenntnis liefert, am Montag mit Selbstvertrauen nach Russland fliegen zu können.

Ricardo Rodriguez lässt dem japanischen Torhüter beim Penalty keine Chance. (Video: Tamedia/SRF)

Die Japaner, die Nummer 61 der Weltrangliste, sind kein besonders fordernder Gegner. Selbst als sich ihnen gegen das Ende der Partie wiederholt Freiräume bieten, wissen sie damit nichts anzufangen. Roman Bürki hat als Vertreter von Sommer nicht eine schwere Probe zu bestehen.

Die Schweizer sind die bessere Mannschaft und darum der richtige Sieger, dabei sind auch sie nicht in bester Verfassung und tragen nach der Pause selbst einiges zu einem ziemlich trägen Match bei. Die Beine seien müde geworden, ­erklären sie von Coach bis Captain. Das sei nur normal nach zwölf Tagen harter Arbeit.

Von Normalität und Erlösung

Die Tore zum 14. Sieg im 17. Spiel seit der EM vor zwei Jahren erzielen Ricardo ­Rodriguez nach 42 und Haris Seferovic nach 82 Minuten. Rodriguez verwandelt einen Elfmeter, den der Schiedsrichter der Schweiz nach einem Sturz von Embolo grosszügigerweise schenkt. Seferovic schliesst die Vorarbeit von Shaqiri und Moubandje aus drei Metern ab.

Die Entscheidung: Haris Seferovic trifft in der 82. Minute zum 2:0. (Video: Tamedia/SRF)

Für den Verteidiger von Milan ist der Treffer so etwas wie eine Normalität, weil es schon sein drittes ist in den letzten sechs Spielen. Für den Stürmer von der Ersatzbank Benficas ist es der erste Erfolg seit letztem September. Wenn man vor der WM treffe, sei das gut fürs Selbstvertrauen, sagt er. Und Vladimir Petkovic ergänzt: Das Tor sei wichtig für Seferovic, für die Mannschaft, für alle.

Petkovic nutzt den Abend, um auch jenen Auslauf zu geben, die am Sonntag beim 1:1 in Spanien nicht dabei waren. Allen voran ist das Granit Xhaka, der nach den 90 Minuten melden kann, ­alles sei gut mit seinem Knie. Xhaka kann mehr, als er zeigt. Ihm unterlaufen einzelne Fehlpässe, die gegen diese Mannschaft allerdings ohne Folgen bleiben.

Der Abend verfestigt die Eindrücke, dass Petkovic seine Mannschaft für das Startspiel gegen Brasilien gefunden hat.

Remo Freuler erhält die Chance auf der Position von Blerim Dzemaili, Breel Embolo ersetzt Steven Zuber, und Mario Gavranovic stürmt anstelle von Seferovic. Freuler ist so diskret, dass er keinen Anlass bietet, ihm gegen Brasilien die nächste Chance zu geben. Embolo mag ein unbeschwerter Geist sein, aber Zuber bleibt dank seiner defensiven Stärken im Vorteil auf der linken Seite.

Kopfball an den Pfosten: Embolo trifft aus spitzem Winkel nur die Torumrandung. (Video: Tamedia/SRF).

Gavranovic schliesslich unternimmt vor der Pause viel, er kommt mit dem Kopf zweimal zum Abschluss und ist so dem Tor nahe, das er so gerne erzielt hätte. «Aber mir fehlt ein wenig das Glück», bilanziert er. Seferovic bleibt wohl in der Poleposition.

Der Abend verfestigt die Eindrücke, dass Petkovic seine Mannschaft für das Startspiel gegen Brasilien gefunden hat. Sommer ist im Tor unbestritten, Lichtsteiner und Rodriguez sind es als Aussenverteidiger, Schär und wohl auch Akanji im Zentrum. An Xhaka führt im Mittelfeld so wenig ein Weg vorbei wie an Behrami. Shaqiri steht für das Unberechenbare, auch wenn er gegen Japan gleich zwei Freistösse nur bis zum ersten Gegner bringt. Dzemaili, Zuber und eben ­Seferovic besetzen, Stand jetzt, die übrigen Plätze. Immerhin weiss Petkovic, dass er taugliche Alternativen hat.

Der beschwingte Xhaka

Zwei Tage haben die Spieler nun frei, ­bevor sie am Montag in ihr Quartier nach Toljatti reisen. «Jetzt müssen wir uns ­erholen», sagt Lichtsteiner, «und dann greifen wir an.» Und Xhaka hält ­beschwingt fest: «Jetzt kann es losgehen. Wir haben ein grosses Kader mit grossem Potenzial.»

Die Nummer 6 der Fifa-Rangliste ist die Schweiz aktuell. Wer diese grosszügig liest, könnte die Nationalmannschaft zum Anwärter auf einen Platz in den Viertelfinals machen. Doch Realismus kann nicht schaden. Hinter Petkovics Mannschaft liegen in der Rangliste gleich zwei der grossen ­Favoriten auf den WM-Titel, Frankreich und vor allem Spanien.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.06.2018, 07:47 Uhr

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