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Münchner Oktoberfrust

Die erfolgsverwöhnten Bayern sind nach sieben Runden nur auf Platz elf und damit in der Krise. Vor dem traditionellen Oktoberfest-Besuch der Mannschaft sprach Trainer Klinsmann Klartext.

Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann trifft in kompletter Leder-Montur am Oktoberfest ein. Alle Jahre wieder macht der FC Bayern München dem bierseligen Rummel seine Aufwartung.
Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann trifft in kompletter Leder-Montur am Oktoberfest ein. Alle Jahre wieder macht der FC Bayern München dem bierseligen Rummel seine Aufwartung.
Keystone
Torhüter Michael Rensing fällt die Kahn-Nachfolge schwer: Den Abstecher ans Oktoberfest lässt sich der Bayern-Keeper aber nicht nehmen.
Torhüter Michael Rensing fällt die Kahn-Nachfolge schwer: Den Abstecher ans Oktoberfest lässt sich der Bayern-Keeper aber nicht nehmen.
Keystone
Umso willkommener kommt da ein Abstecher auf die «Wiesn» mit Ehefrau Wahiba.
Umso willkommener kommt da ein Abstecher auf die «Wiesn» mit Ehefrau Wahiba.
Keystone
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Über Bayern trägt der Himmel Trauer. Wetterpech ausgerechnete während des Oktoberfests erscheint wie Petrus' Kommentar zu den Ereignissen der letzten Tage, die den Freistaat erschüttert haben: Nicht nur ist die dominierende Mehrheitspartei CSU vom bajuwarischen Elektorat auf deutsches Normalmass geschrumpft worden, zu allem Unglück ist auch bei Bayern München, dem zuverlässigen Sieg-Garanten und ewigen Titelfavorit der Wurm drin.

Sieben Punkte aus neun Begegnungen, das elfte Gegentor im vierten Heimspiel, der schlechteste Saisonstart seit 31 Jahren: Die Bilanz nach dem 3:3 gegen Bochum, bei dem die Platzherren in den letzten neun Minuten noch einen Zwei-Tore-Vorsprung aus der Hand gegeben hatten, erhöht den Druck auf die teuerste Mannschaft der Bundesliga und den mit viel Vorschusslorbeeren gestarteten Trainer Jürgen Klinsmann. Bereits fordern Fans in der Südkurve den Weggang des 44-Jährigen.

Es fehlt ein Kahn

Klinsmann hat sich mit seinem vergrösserten Trainerstab, den (mittlerweile entfernten) Buddha-Statuen auf dem Trainingsgelände und der wiederholten Einwechlung von Spielern, die der Mannschaft keine neuen Impulse geben konnten, wenig Vertrauen geschafft. Die Degradierung von Captain Mark van Bommel wurde in München kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen. Auf dem Titelbild des Stadionmagazins noch strahlend und mit dem Attribut «Käpt'n Klartext» porträtiert, kann nur gerätselt werden, ob van Bommel dem Rotationsprinzip oder einem Zerwürfnis mit Trainer Klinsmann zum Opfer fiel.

Gegen Bochum und in der Champions League gegen Lyon kam der Mittelfeldstratege, der die Kapitäns-Binde von Oliver Kahn geerbt hatte, nur zu Einsätzen auf der Bank. Über-Torhüter Kahn, der seine Mannschaft von der Torlinie angetrieben und immer wieder zum Erfolg gebrüllt hatte; Kahn, der seiner Mannschaft immer wieder mit mirakulösen Reflexen und mitreissenden Predigten in der Kabine («Eier, wir brauchen Eier») Selbstvertrauen einimpfte; Kahn fehlt an allen Ecken und Enden.

Der Trainer als schwächstes Glied

An der Säbener Strasse gibt man derweil Durchhalteparolen aus. Karl-Heinz Rummenigge sprach von «totaler Geduld» und «totalem Vertrauen», das die Führung dem neuen Trainer entgegenbringe, stellte aber klar, wer für eine fortgesetzte sportliche Misere verantwortlich gemacht wird: «Letztendlich muss aber der Trainer seinen Kopf dafür hinhalten, wenn die Dinge nicht genau so umgesetzt werden, wie man sie den Spielern aufgibt.»

So sind die Mechanismen im Profi-Fussball, so funktioniert die Logik auch bei Bayern München. Noch aber zeigt sich Klinsmann voller Optimismus: «Wir werden dafür sorgen, dass es in der Bundesliga nach oben geht.» Die jetzt anstehende Länderspielpause sei ärgerlich, da man am liebsten gleich wieder spielen würde, um das Ergebnis «auszuradieren».

Mit Entschlossenheit und Erwartungshaltung aus der Krise

Die «Klinsmann raus»-Rufe, die sich der Trainer während dem Bochum-Spiel anhören musste, quittierte der Angeschossen mit «es tut natürlich ein bisschen weh», ging aber sofort zur Tagesordnung über. Und diese steht in München ganz im Zeichen der Krisenbewältigung: «Ich weiss, wo im Moment die Probleme stecken. Ich werde sie ansprechen und Schritt für Schritt werden wir sie ausbessern», kündigte Klinsmann an. «In der Bundesliga haben wir Gott sei Dank noch genügend Spiele, um die Dinge Schritt für Schritt zu korrigieren - aber natürlich mit einer ganz anderen Entschlossenheit, mit einer direkten Erwartungshaltung gegenüber den Spielern.»

Von der einträchtigen Harmonie, die die Bayern beim alljährlichen Auftritt beim Oktoberfest demonstrierte, soll bei Klinsmanns Predigt in der Kabine nicht viel zu spüren gewesen sein.

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