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Neue Spur in der Sommermärchen-Affäre

Eine Notiz könnte das Rätsel merkwürdiger Geldflüsse rund um die WM-Vergabe 2006 lösen. Im Zentrum des neuen Verdachts: ein privates Millionengeschäft von Franz Beckenbauer.

Der damalige Fifa-Präsident Sepp Blatter (links) und Franz Beckenbauer an der WM 2006. Bild: Keystone
Der damalige Fifa-Präsident Sepp Blatter (links) und Franz Beckenbauer an der WM 2006. Bild: Keystone

In der bis heute ungeklärten Millionen-Schieberei rund um die Fussball-WM 2006 gehen die Strafbehörden nach ­Informationen der «Süddeutschen ­Zeitung» einem neuen Verdacht nach. Die Ermittler prüfen die Frage, ob der deutsche WM-Cheforganisator Franz Beckenbauer 2002 heimlich ins TV-Rechtegeschäft investierte – und ein dafür beim ehemaligen Adidas-Boss Robert Louis-Dreyfus aufgenommenes Privatdarlehen drei Jahre später vom deutschen WM-­Organisationskomitee tilgen liess.

Darauf deutet unter anderem eine bisher unbekannte interne Notiz von Louis-Dreyfus’ damaliger Bank hin. ­Darin vermerkte eine Mitarbeiterin über ein im Sommer 2002 gegründetes Konto: Dessen Zweck sei ein ­Darlehen von 10 Millionen Franken an einen Geschäftsfreund, um TV-Rechte aus dem Nachlass der Kirch-Gruppe zu kaufen.

Dieses Konto trägt den Namenszusatz «F. B.» – wie Franz Beckenbauer. Die Kirch-Gruppe war im Jahr 2002 in Konkurs ­gegangen. Im Oktober sicherte sich ein Konsortium um Louis-Dreyfus die Unternehmenssparte Kirch Sport, die auch die Rechte an der WM 2006 hielt, und taufte die Firma später in Infront um.

Merkwürdiger Geldkreislauf

Seit zwei Jahren rätseln Öffentlichkeit und verschiedene Strafbehörden über einen merkwürdigen Geldkreislauf im deutschen Fussball, der im Frühjahr 2002 begann. Damals flossen von einem auf Beckenbauer sowie seinen damaligen Manager Robert Schwan laufenden Konto über eine Zwischenstation in der Schweiz 6 Millionen Franken auf ein Konto des katarischen Funktionärs ­Mohammed bin Hammam.

Dafür nahmen Beckenbauer und Schwan sogar extra ein Darlehen auf. Im Juli verstarb Schwan, im August sprang Louis-Dreyfus als Kreditgeber ein: 4 weitere Millionen flossen nach Katar, die 6 vorgestreckten Millionen zurück auf das Konto von ­Beckenbauer. Erst im Frühjahr 2005 ­erhielt Louis-Dreyfus sein Geld zurück. Das deutsche WM-OK überwies 6,7 Millionen Euro an die Fifa, deklariert als ­Zuschuss für eine WM-Gala. Die Fifa reichte die Summe noch am gleichen Tag an Louis-Dreyfus weiter.

Die damaligen Verantwortlichen wie Beckenbauer und sein Adlat Fedor Radmann erklärten die Zahlung der 10 Millionen Franken bisher als eine vom Fifa-Finanzkomitee geforderte Vorleistung, um für die Organisation der WM einen Zuschuss von 250 Millionen Franken zu bekommen. Diese Erklärung gilt inzwischen als widerlegt. Ein viel diskutierter Ansatz ist, das Geld im Zusammenhang mit einem möglichen Stimmenkauf bei der Vergabe der WM 2006 zugunsten Deutschlands zu sehen.

Ermittlungen in Frankfurt und Bern

Doch die Ermittler verfolgen nun offenkundig verstärkt eine Spur im TV-Rechtebereich. Nach ­Informationen der «Süddeutschen Zeitung» wurden Beckenbauer und Radmann im Sommer erneut von der Frankfurter Staatsanwaltschaft als Zeugen vernommen. Dabei wurden beide sehr konkret mit der Verdachtslage konfrontiert, die 10-Millionen-Zahlung 2002 habe Geschäften rund um die Kirch-Insolvenz gedient.

Gleich zwei Staatsanwaltschaften beschäftigen sich mit der Millionen-Affäre. Die Behörde in Frankfurt führt ein Verfahren wegen des Verdachts auf schwere Steuerhinterziehung, wobei Beckenbauer dort nicht zu den Beschuldigten gehört. Die Bundesanwaltschaft in Bern ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue. Die Anwälte von Beckenbauer und Radmann gaben auf eine SZ-Anfrage hin keine Stellungnahme ab.

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