Nobler Fussball-Hotspot im Sarganserland

St. Gallen, West Ham und Dortmund. Bad Ragaz mausert sich im Sommer zum Hotspot für die Saisonvorbereitung für Fussballclubs.

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Zweifellos, das Sarganserland bietet optimale Bedingungen für Trainingslager. Denn rein sportlich bringen die kürzlich beendeten USA-Touren dem BVB oder auch Liverpool wenig. Es geht um Geld und neue Märkte. In Bad Ragaz finden die kickenden Millionäre hingegen perfekte Voraussetzungen, um sich den sportlichen Feinschliff zu holen. Das Grand Resort Bad Ragaz hat sich dafür einen hervorragenden Ruf erarbeitet. «Nationalmannschaften wie Griechenland, Russland und Saudiarabien waren in der Vergangenheit hier», sagt Grand-Resort-CEO Patrick Vogler. «In diesem Sommer eröffnete der regional verankerte FC St. Gallen die Fussballzeit im und ums Resort. Dann folgte West Ham United und am 27. Juli kommt Lucien Favre mit seinem BVB zu uns.»

Die Landschaft und die Ruhe sind naturgegeben. Aber da muss noch mehr sein. Kommen die Teams auf Einladung? «Nein, wir bieten einen Trainingsplatz mit Rasen von Weltklasseformat», antwortet Vogler, der nicht über Preise spricht, aber den Rasen hervorhebt. Das klingt einfach. Und ist auch so. Für Trainer wie Jürgen Klopp, Thomas Tuchel und auch Lucien Favre ist der Rasen die wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Trainingslager.

«Wir müssen Ivan Bonderer Danke sagen», so Vogler, «er hat dem Rasen als Greenkeeper über Jahrzehnte Sorge getragen. Er stand jeweils um 4 Uhr morgens auf und pflegte quasi jeden einzelnen Grashalm mit viel Herzblut.» Vor zwei Jahren zog der Bad Ragazer zum FC St. Gallen weiter. Zum Abschied fädelte Bonderer die Partnerschaft zwischen dem regionalen Super-Ligisten und dem Grand Resort ein und sieht nach dem Rechten, wenn die Top-Teams in Bad Ragaz einkehren.

In den letzten Jahren kam es öfter zu Konflikten um die Platzbenutzung auf der Ri-Au. Deshalb wälzt das Resort seit längerem Pläne für ein eigenes Spielfeld. Dieses Vorhaben stoppte der Kanton St. Gallen, weil derzeit keine Teilzonenplanänderung möglich sei, wie Vogler sagt. Im Frühjahr soll diese Teilzonenplanänderung an die Hand genommen werden. Man sei positiv gestimmt.

Für 45 Millionen prunkvoll umgebaut

Noch schlendern Touristen durch das frisch renovierte 5-Sterne-Hotel. Keine Fussballer. Das ändert sich ab dem 27. Juli. Und die Fussballer von Borussia Dortmund, die bereits das neunte Mal Gast in Bad Ragaz sind, werden staunen. Rechtzeitig zum 150. Geburtstag am 1. Juli wurde das 5-Sterne-Haus für 45 Millionen Franken umgebaut. Stilvoll und prächtig.

An den «normalen» Gästen komme man gut vorbei, obwohl der BVB-Tross rund 80 Personen umfasst. Die Kurgäste werden auch nicht vorinformiert. Im Gegenteil, die meisten freuten sich sogar über die «attraktiven jungen Männer in kurzen Sporthosen». Die Spieler können sich auch auf dem ganzen Gelände frei bewegen. Gegessen wird in einem Bereich, der von den anderen Gästen abgetrennt ist. Für den BVB wird ein Raum im Kursaal hergerichtet. Trainer Favre kann dort auch seine Teamsitzungen abhalten und die Spieler können sich die Zeit vertreiben, wenn sie nicht gerade auf ihren Zimmern sind. «Aber meist ist jede Stunde durchgeplant», sagt Vogler.

Kein Selfie-Verbot

«Die Teams wissen sehr genau, was sie wollen», sagt Vogler. Sonderwünsche sind eher selten. Aus den Minibars wird häufig der Alkohol entfernt. Manchmal müssten spezielle Sportgeräte zum Trainingsplatz gebracht werden oder ein Drucker auf ein Zimmer eines Staffmitglieds. «Sportler sind meist unkompliziert.» Und nein! Spielkonsolen gäbe es nicht auf den Zimmern. Einen Wunsch haben aber alle Clubs ausnahmslos immer: Diskretion. «Ein spezielles Selfie-Verbot haben unsere Angestellten nicht im Vertrag», sagt Vogler lachend. Aber auch die Angestellten hätten die Möglichkeit, ein öffentliches Training zu besuchen und sich da ein Autogramm oder Selfie zu sichern. Und wenn sich ein Hotelgast mit Favre, Bürki oder Akanji ablichten lassen will? «Die meisten Gäste sind sehr diskret», meint Vogler.

Der CEO gerät aber ins Schwärmen, wenn er von seinen Gästen in kurzen Hosen erzählt. Von Freundschaften, die über die Jahre entstanden und von Spielern, die inzwischen auch privat mit ihren Frauen und Familien Gäste des Grand Resort Bad Ragaz seien. «Wir sind ein menschlich geführtes Grandhotel», sagt Vogler, «bei uns soll man sich zu Hause fühlen.» Hat er eine Traum-Mannschaft, die er sich noch als Gast in Bad Ragaz wünscht? Vogler umgehend: «Die haben wir ja schon – Borussia Dortmund.»

Erstellt: 25.07.2019, 15:44 Uhr

«Am 1. August gibt es auch mal eine Bratwurst»



«Es tut mir leid, dass ich den Termin verschieben musste», sagt Renato Wüst (Foto) als er verspätet auf der Terrasse des «verve by sven» erscheint. Beschwingt geht es los und im selben forschen Tempo durch das Gespräch. Die Zeit ist knapp, denn 100 Köche stehen unter seinem Kommando und die warten schon auf den Chef.

Drei Köche aus dieser Brigade stellt er für den BVB ab. Den Menü-Plan hat er selber erstellt und ist bereit, vom BVB-Arzt abgesegnet zu werden. Sein Menüplan ist «lustvoll, massvoll und sinnvoll», sagt Wüst. Die einzige Ausnahme: Der Grillabend am 1. August. Zum Geburtstag der Schweiz dürfen es auch die Gäste ein bisschen beim Essen krachen lassen und eine Bratwurst oder einen Burger verdrücken. «An diesem Tag versuchen wir die Buben ein wenig zu verwöhnen.»

Für Wüst, der seit 1978 in Bad Ragaz kocht, ist das Routine. Mit den «fremden Club-Köchen» in seiner Küche hat er kein Problem. «So lange ich das Sagen habe», fügt er scherzend an. Auch nicht, dass sich die Ernährung der Sportler stark verändert hat. Auch, weil die Clubs heutzutage multikulturell zusammengesetzt sind. Wüst versteht sich auch auf Halãl (nach islamischem Glauben erlaubt). Er kocht aber nicht koscher (Vorschriften des Judentums). Das kauft er ein.

Obwohl Wüst ein Temperament wie Chilli hat, kann ihn kaum ein Wunsch aus der Ruhe bringen. Was er nicht verträgt, wenn man dem Koch in die Suppe spuckt. Englische Teams sind heikel was die Ernährung der Spieler anbelangt. Da kann es sein, dass sich die Geister beim Fettanteil von Glacé scheiden, wie Wüst zu berichten weiss.(ete)

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